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Stuttgarter Zeitung vom 13. März 1998 Bei den Greenteams geht es ohne ThunfischpizzaWie Kinder gegen Umweltverschmutzung zu Felde ziehen und selbst einen Oberbürgermeister überraschen Immer mehr Kinder und Jugendliche in Stuttgart und Umgebung schließen sich der Umweltschutzorganisation Greenpeace an. Zur Zeit verzeichnen 30 Jugendgruppen rund 100 aktive Mitglieder. Als Alexa, Verena, Elisa und Barbara gemeinsam mit einigen anderen Kindern und Jugendlichen den Supermarkt bei sich um die Ecke belagerten, gerieten sie das erste Mal in ihrem Leben in Konflikt mit der Polizei. Dabei wollten die Mädchen vom Greenteam Natur- und Tierclub Nudeln aus Stuttgart-Rohracker nur gegen die Herstellung und den Verkauf von Aluminiumdosen protestieren. Und das vor Ort - da, wo sie die Verbraucher "auf frischer Tat" ertappen und ihnen erklären können, wie schädlich Dosen für die Umwelt sind. Nach einer Viertelstunde holte der Supermarktmanager die Polizei: Hausfriedensbruch. Die gemeinsame Aktion von vielen Greenteams aus Stuttgart, den Jugendgruppen der Untweltschutzorganisation Greenpeace, blieb jedoch ohne Folgen. Im doppelten Sinn, denn die Kinder konnten bei den Kunden keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, und die Polizei räumte nur den Laden, zeigte sie aber nicht an. Deshalb machen die vier Mädchen weiter mit ihren Aktionen gegen die Umweltverschmutzung. Sie sammeln Müll in Wäldern, Parks und auf Bahnsteigen, protestieren gegen Wal- und Delphinfang, gegen Atomenergie und Castor-Transporte. So wie die Großen bei Greenpeace. Mit dem Unterschied, daß sie vor ihrer Haustür und in ihrem Stadtteil nach Dingen suchen, die sie anprangern können. "Immer mehr Kinder in Stuttgart schließen sich Greenteams an oder gründen welche", sagt Sabine Reimann von der Greenpeace-Ortsgruppe in Stuttgart. "Zur Zeit treffen sich etwa 100 Kinder und Jugendliche in 30 Gruppen in der Landeshauptstadt und ihrer Umgebung." Bundesweit haben sich rund 18 000 junge Leute zu 2100 Gruppen zusammengeschlossen. Alexa Neumayer wird von ihren Klassenkameraden oft "Ökofrau" genannt, weil sie vor vier Jahren das Greenteam mitgründete und sich ansonsten über jede Umweltverschmutzung aufregt. Die 14jährige belasten die Vorurteile nicht mehr. Sie hat sich daran gewöhnt und wird von ihnen sogar angespornt. Alexa trifft sich mit ihren drei Mitstreiterinnen drei- bis viermal im Monat und heckt neue Aktionen aus. "Einmal", erzählt sie, "haben wir uns bei unserem Pizzabäcker beschwert, weil der Thunfisch verwendet, der nicht unter besonderem Schutz von Delphinen gefangen wurde." Dazu muß man wissen, daß Thunfisch und Delphine oft in dieselben Netze gelangen und die Fischer "zu faul sind, die Delphine zu retten", sagt Verena Böhnisch, ein anderes Teammitglied. Ein anderes Mal platzte die Gruppe in eine, Gemeinderatssitzung in Stuttgart. Die Mädchen überreichten den Politikern im Ratssaal Würfel, die demonstrierten, wieviel verseuchter Müll im Atomkraftwerk Neckarwestheim in einer Sekunde entsteht. "Die Räte der Grünen applaudierten, die SPD und der damalige Oberbürgermeister Manfred Rommel hielten sich eher zurück", sagt Verena. Diese Aktionen wie auch die meisten anderen hat der Natur- und Tierclub Nudeln mit Hilfe von Sabine Reimann geplant und durchgezogen. Die Frau von der Ortsgruppe stuttgart hat oft eine beratende Funktion. Doch den Kurs der Gruppe bestimmen will sie nicht. Denn Greenpeace will die Kinder ohne Zwänge arbeiten lassen. Deshalb schikken die Leute aus der Zentrale in Hamburg nur allgemeine Informationen und Aktionsvorschläge - auch, um neue Anregungen für ihre Arbeit zu bekommen. Sabine Reimann schaltet sich erst ein, wenn sie von den Kindern darum gebeten wird. Sie mobilisiert dann oft die anderen Greenteams in der Stadt, damit die Aktionen mehr Gewicht bekommen. Dann treffen Jungen und Mädchen zusammen, die meistens getrennte Gruppen bilden: "Mit den Jungens können wir nicht richtig arbeiten", sind sich alle einig. Andreas Krosta Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 09.08.2000 |