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Stuttgarter Zeitung vom 8. Juni 2002 Greenpeace steht Pate für eine Gewerbehalle mit ÖkoprofilKeine umweltschädlichen Materialien, kein Urwaldholz: Metallfirma Bleyer baut in Schorndorf eine Halle mit VorbildcharakterSCHORNDORF. Greenpeace und Mittelstand - das ist keine selbstverständliche Koalition. Umso mehr freuen sich die Ökokämpfer über einen Hallenneubau in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis), den die Firma Bleyer nach dem Konzept "clean construction'' errichtet. Von Harald Beck "Ökologie und Ökonomie unter einem Dach'': Im Schorndorfer Gewerbegebiet Steinwasen soll der Spagat bei einem Hallenneubau gelingen. Dort baut die bislang in Kernen-Stetten ansässige Firma Stefan Bleyer eine neue Produktionshalle - und zwar nach umweltschonenden Kriterien, für die die Umweltorganisation Greenpeace verantwortlich zeichnet. Aus Sicht der Umweltkämpfer ist der Hallenbau deshalb ein Projekt mit Vorbildcharakter, sagt Matthias von Hermann, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. Ansonsten tun sich die Ökoaktivisten bei ihrer Überzeugungsarbeit in Sachen Ökologie gerade mit dem schwäbischen Mittelstand eher schwer. Schließlich schlägt sich die Beachtung der von Greenpeace aufgestellten Kriterien für umweltschonendes Bauen zunächst in erklecklichen Zusatzkosten nieder. Mit elf Prozent Mehrkosten rechnet Firmenchef Stefan Bleyer im Fall seiner Produktionshalle - aber das sei ihm die Sache auf jeden Fall wert. "Das können wir selbst besser'', so lautet ein Motto des 1996 in Althütte gegründeten Betriebes, der unter anderem Problemlösungen und Funktionsoptimierungen im Bereich Metall anbietet. Stahlkonstruktionen für alternative Energieträger gehören ebenso zur Produktpalette wie Prüfstandbauten, Abgasadapter, plastisches Schmieden, Wohnraumeinrichtungen oder die Solarstraßenlampe namens "Jomo 21''. "Vordenken statt nachdenken'', das fordert der Chef von seinen Mitarbeitern. Und so soll auch die Halle sein - vorbildlich eben in ökologischer Hinsicht. Deshalb hat sich die Firma für das Ökoprofil des rund 1,5 Millionen Euro teuren Neubaus auch der Hilfe von Greenpeace Stuttgart bedient. Beim Hallenbau kommen keine umweltschädlichen Materialien zum Einsatz. Außerdem müssen die Anbieter der einzelnen Gewerke zum Beispiel auf die Verwendung von Urwaldholz verzichten. Zur Baustoffauswahl nach Ökokriterien kommt ein umweltschonendes Energiekonzept, das effizient und wirtschaftlich arbeiten soll. Zwei mit Erdgas betriebene Blockheizkraftwerke laufen nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Koppelung. Die Abwärme der Stromproduktion dient zugleich der Heizung von Produktionshalle und Bürotrakt. Die Kühlung im Sommer erfolgt über kaltes Grundwasser. Und wenn mehr Strom benötigt wird, als die hauseigenen Kraftwerke liefern, dann kommt der vom Ökostromanbieter "Greenpeace energy''. Bei Bedarf kann das Dach noch mit Solarzellen ausgerüstet werden, außerdem ist neben der Halle eine Windkraftanlage geplant. Alternativen zu den umweltschädlichen Stoffen zu finden, sei kaum ein Problem gewesen, sagt der Firmenchef. Problematischer sind offenbar die Berührungsängste der Handwerker, wenn es um derlei Sonderwünsche geht. So habe es zum beispiel im Sanitärbereich zweieinhalb Monate gedauert, bis überhaupt ein Angebot einging. Sonst kommen diese sofort und massenhaft. Zur Grundsteinlegung am kommenden Wochenende hat sich natürlich auch Greenpeace angesagt: Eine Demonstration im positiven Sinne. Denn aus Umweltsicht sei die Kooperationsbereitschaft des mittelständischen Unternehmens tatsächlich wegweisend, sagt Greenpeace-Sprecher von Hermann. Beim Schorndorfer Ökohallenprojekt seien die Prinzipien der "clean construction" praktisch zu 100 Prozent umgesetzt. Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 14.06.2002 |