Waiblinger Kreiszeitung vom 13. Dezember 2002
Schorndorfer Nachrichten vom 13. Dezember 2002

Empfang mit Wasser, Pflanzen, Lichteffekten

Metallbaubetrieb S. Bleyer GmbH investierte 1,5 Millionen Euro in nach ökologischen Richtlinien erstellten Neubau

Von unserem Redaktionsmitglied Martin Winterling

Schorndorf - Die Floskel "Das geht so nicht" ist Stefan Bleyer ein Gräuel. Als Bauherr und als Unternehmer sowieso. "Es ging doch", sagt er und fühlt sich darin bestätigt, seinen Gewerbeneubau in Schorndorf ökologisch korrekt gebaut zu haben.

Dass er zunächst als Träumer und Spinner hingestellt wurde, ist dem Unternehmer inzwischen egal. Die S. Bleyer GmbH (Motto: "Vordenken, querdenken, Neues wagen") lebt nicht zuletzt davon, auch Dinge anzupacken, denen eine "Es geht so nicht"-Etikette anhaftet. Seine Idee, einen umweltfreundlichen Gewerbebau zu erstellen, stieß bei den Handwerkern anfänglich auf Skepsis und Widerstand. Inzwischen schmückt sich so manche dieser Firmen mit dem Bleyer-Neubau, den die Umweltorganisation Greenpeace mit Umweltbrief und -siegel ausstattete. "Jetzt läuft's anders herum" freut sich Bleyer. "Jetzt möchte man gerne dabei sein mit mir."

Bundesweit sei der Bleyer-Neubau der erste Gewerbebau, der die Greenpeace-Kriterien für das Gütesiegel erfüllt habe:
Dämmstoffe, die mit schwer abbaubaren, langlebigen Zusätzen ausgestattet sind (zum Beispiel halogenierten Flammschutzmitteln), werden nicht eingesetzt;
FCKW/HFCKW-haltige Materialien werden nicht eingesetzt;
PVC wird nicht eingesetzt;
Urwaldholz wird nicht eingesetzt. Es wird bevorzugt Holz mit FSC-Zertifikat verwendet.

Elektriker staunten nicht schlecht, als er PVC-freie Kabel verlangte.

Als größte Schwierigkeit bei der Umsetzung sieht Stefan Bleyer, dass die Bauhandwerker ihre eingefahrenen Gleise verlassen mussten. Obwohl doch das Bauhandwerk am Boden liege, habe nur einer von sieben angeschriebenen Malern überhaupt auf seine Ausschreibung reagiert, nennt er ein Beispiel. Auch die Elektriker staunten nicht schlecht, als er PVC-freie Kabel verlangte. Die Holz-Alu-Fenster wurden nicht eingeschäumt: Gedämmt wurde mit Hanfwolle. Denn Mineralwolle steht auf dem ökologischen Index.

Wer nun aber mit dem Bleyer-Neubau im "Steinwasen" in Schorndorf eine Lehmhütte assoziiert, ist falsch gewickelt. Architektonisch eher ein Zweckbau, steckt drinnen jede Menge Hightech. Wenn in der Fabrik schon künstliches Licht sein muss, dann nur so viel, wie unbedingt nötig. Die Beleuchtung wird von Sensoren geregelt.

Dass auch ein 18-Mann-Berrieb energieautark sein kann, beweist das Energiekonzept, das sich Bleyer ausdachte: zwei Blockheizkraftwerke versorgen den Betrieb mit Strom sowie heizen das Gebäude im Winter und kühlen im Sommer. Energie sparend ausgelegt als Niedertemperatur-Fußbodenheizung. Die zunächst mit Gas betriebenen Blockheizkraftwerke sind auf Wasserstoff umrüstbar, das von einer späteren Photovoltaikanlage auf dem Dach geliefert werden könnte. Dass jährlich 72 Tonnen Kohlendioxid weniger in die Luft geblasen werden, hat Bleyer übrigens den einzigen Zuschuss eingebracht: Das Land zahlte 19.000 Euro.

Ins Schwärmen gerät Bleyer beim Foyer, das den Besucher mit Wasser, Pflanzen und Lichteffekten empfängt und ein "Wohlfühl-Klima" schaffen soll.

Baukosten elf Prozent über denen für herkömmlichen Bau

Dass das Gebäude mit 1,5 Millionen Euro elf Prozent über einem herkömmlichen Bau kalkuliert wurde, ist für Bleyer kein Problem mehr: "In vier Jahren hat es sich gerechnet." Und die Hausbank habe das Konzept mitgetragen: "Ich habe die Finanzierung doch gekriegt. Trotz Basel."

Stefan Bleyer, 37, hat seine Metallbau-Firma vor sieben Jahren gegründet. Im Herbst ist die Firma von Kernen nach Schorndorf umgezogen. Dass er einst Heilerziehungspfleger war, hat der Metallbaumeister und Schweißfachmann fast vergessen. Heute beschäftigt Bleyer 18 Leute. Alles Fachkräfte, betont er, die ihre eigenen Projekte durchziehen. Es komme nicht darauf an, was Bleyer mit Metallen - "von Blech bis Edelstahl" - herstellt, "sondern wie wir es herstellen". Beim Südwestrundfunk betreut Bleyer die Bereiche Technik und Metall als Systempartner für die Studios, bei Daimler-Chrysler oder Porsche den Prüfstandbau und die Peripherie von Prüffeldern, so zum Beispiel entwickelte und baute Bleyer eine Anlage zur Fesselung von Autos oder verfahrbare Monitoranlagen für Prüffelder. Dass viele Unternehmen immer mehr Bereiche aussourcen, komme ihm als Zulieferer gerade recht. Er erwartet 2002 einen Umsatzsprung um 40 Prozent auf 1,5 Millionen Euro.
Berührungspunkte mit dem ökologisch korrekten Gebäude hat der Metallbaubetrieb Bleyer immerhin in einem Bereich, bei den Systemkonstruktionen für alternative Energieträger, also Solar-Lampensystemen oder Photovoltaik-Schwenkanlagen. Das (begrünte) Dach des Neubaus ist bereits darauf ausgelegt, eine Photovoltaik-Anlage zu tragen.

Foto zum Artikel
© Bernhardt, Waiblinger Kreiszeitung
 

Nach ökologischen Richtlinien errichtet: Bleyer-Gewerbeneubau im Schorndorfer "Steinwasen".



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