Ozonkiller am Bosch-Areal

Hintergrund
Bei Recherchen auf der Baustelle am Bosch-Areal direkt hinter der Liederhalle haben wir große Mengen klima- und ozonschädlicher Dämmplatten gefunden. Diese waren mit teilhalogenierten Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffen (H-FCKW) geschäumt. Es handelte sich dabei um Dämmplatten der Firmen Poliglas und Gefinex-Jackon. Laut Messungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Abnahme der Ozonschicht über Westeuropa ein bisher nicht gekanntes Ausmaß erreicht. Dies machte unseren Fund der ozonabbauenden Baustoffe umso erschreckender. In einer Presseerklärung forderten wir öffentlich vom Hauptinvestor 'Kapital Consult', die umweltschädlichen Dämmstoffe sofort an den Hersteller zurückzuschicken und umweltfreundliche Alternativen zu verwenden. Lesen Sie dazu die Artikel der Stuttgarter Nachrichten, der Stuttgarter Zeitung und der Bild-Zeitung. Das Stadtradio 107,7 berichtete ebenfalls.
Baustellen-Recherche

Auf dem Bosch-Areal an der Ecke Seidenstraße / Breitscheidstraße (direkt neben der Liederhalle) baut der Investor 'Kapital Consult' ein neues Hochhaus.

Auffällig sind bereits von weitem die gelben Dämmplatten an den Wänden der Baugrube.

 

Gesamtansicht
© von Herrmann


Es handelt sich dabei um ca. 400 bereits verbaute Dämmplatten der Firma Poliglas (Markenname "Glascofoam").

Diese Dämmplatten sind mit den teilhalogenierten, ozon- und klimaschädlichen H-FCKW R 22 und H-FCKW R 142b geschäumt.

 

eingebaute "Glascofoam"-Platten
© von Herrmann


"Glascofoam" noch nicht verbaut
© von Herrmann

 

Das geschätzte Gesamtvolumen der allein hier verbauten Dämmstoffe beträgt 24 m³. Die darin enthaltenen H-FCKW sind etwa 4.000 mal treibhauswirksamer als das mengenmäßig bedeutendste Treibhausgas Kohlendioxid (CO2).

Daraus haben wir errechnet, wie weit ein Auto (8,9 l Benzin/100 km) fahren müsste, um den gleichen Treibhauseffekt durch CO2-Emissionen zu verursachen wie die H-FCKW, die in den Dämmstoffen stecken: 1,5 Mio. km (= 38facher Erdumfang)!

Mittlerweile wurden auf der Baustelle weitere ca. 18 m³ dieser Dämmplatten angeliefert (= 1,2 Mio. km = 30 mal um die Erde).


"Jackodur"-Platten
© von Herrmann

 

Neben den gelben "Glascofoam"-Platten fanden wir auch lila "Jackodur"-Platten. Auf dem Bild rechts sind es etwa 5 m³.

Die ozon- und klimaschädlichen H-FCKW-Treibgase, die in solchen Dämmplatten aus Hartschaum enthalten sind, dünsten ständig aus, auch wenn die Platten eingebaut sind.

Umweltfreundliche Alternativen zu den hier gezeigten Dämmstoffen sind am Markt erhältlich und seit Jahren erprobt.

  Typenschild "Jackodur"
© von Herrmann
Aktion: Stoppt Umweltkiller am Bau

Aktivisten der Greenpeace-Gruppen Stuttgart und Esslingen stellten vor dem Bosch-Areal ein Banner auf. Es zeigte einen Umweltteufel und trug die Aufschrift: Stoppt Umweltkiller am Bau!

Damit wiesen sie auf die H-FCKW-haltigen Dämmplatten hin, die teilweise sogar schon auf der Baustelle verbaut waren.

 

Aktivisten vor dem Bosch-Areal
© U. Trucksäß


Die Greenpeace-Aktivisten markierten weitere noch nicht verbaute Dämmstoffpakete auf der Baustelle mit Umweltteufeln. Auch hier kam das Banner zum Einsatz. Die Bauarbeiter schauten interessiert zu, unternahmen aber nichts gegen die Protestaktion.  

Umweltkiller werden gekennzeichnet
© U. Trucksäß


Umweltkiller "Glascofoam"
© U. Trucksäß

 

Ein Teil der gelb verpackten umweltschädlichen Dämmplatten der Firma Poliglas (Marke "Glascofoam") war noch nicht verbaut und lagerte direkt an der Breitscheidstraße.

Der Pressesprecher der Gruppe (links im Bild) informierte die Presse und die schnell herbeigeeilte Bauleitung über die Klima- und Ozonkiller sowie über mögliche Alternativen.

  Infos für Presse und Bauleitung
© U. Trucksäß
Ergebnis

Zwei Tage nach unserer Aktion fand ein Gespräch statt zwischen den Verantwortlichen und Greenpeace. Fazit: Die klima- und ozonschädlichen Platten werden gegen umweltfreundliche Dämmstoffe ausgetauscht. Dies gilt sowohl für die noch nicht verbauten als auch für die 400 bereits verbauten Dämmplatten. Zu diesem Erfolg für die Umwelt haben wir eine Presseerklärung veröffentlicht, und die Stuttgarter Nachrichten sowie die Stuttgarter Zeitung haben darüber berichtet.

2 Wochen später: "Glascofoam"-Platten demontiert
© von Herrmann



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 03.08.2001