Presseerklärung vom 22. April 1998

Bauen Sie ökologisch, Herr Dr. Schuster!

Greenpeace Stuttgart fordert von Stadt Verzicht auf umweltschädliche Baustoffe

Stuttgart, 22.4.1998 - Am internationalen Earth Day, dem 22.4.1998, präsentiert die Greenpeace-Gruppe Stuttgart von 14 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz einen Infostand zum Thema "Clean Construction - Bauen für die Zukunft". Es werden anhand von Schautafeln und Vorzeigeobjekten umweltfreundliche Alternativen zu den schädlichen Baustoffen Polyvinylchlorid (PVC), Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) und Holz aus Raubbau aufgezeigt. Gleichzeitig fordern die Greenpeacer Herrn OB Dr. Schuster dazu auf, bei öffentlichen Bauten diese Problemstoffe nicht mehr zu verwenden und sich umgehend im Gemeinderat für einen Verzichtsbeschluß einzusetzen.

"PVC, FCKW und Holz aus Raubbau sind Baustoffe, die endlich verboten werden müssen, da sie auf der ganzen Linie umweltschädlich sind. Es ist unverantwortlich, daß aus vorgeschobenen finanziellen Gründen weiterhin diese Stoffe bei städtischen Bauten eingesetzt werden. Es gibt genügend kostenneutrale umweltfreundliche Alternativen, die Stadt muß diese nun auch einsetzen", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

PVC wird hauptsächlich als Kabelummantelungen, Fenster, Rohre, Fußbodenbeläge und Profile eingesetzt. Greenpeace-Mitarbeiter fanden auf städtischen Baustellen bereits viele solcher PVC-Produkte. Das Vorprodukt Vinylchlorid ist explosiv, giftig, krebserregend und leberschädigend. Es wird zu mehreren 100.000 t pro Jahr per Bahn quer durch Deutschland transportiert und stellt dadurch eine große Gefährdung der Bevölkerung entlang der Bahnstrecken dar. Bei der Herstellung, der Verwendung und der Entsorgung von PVC werden Stoffe wie hochgiftige und krebserregende Dioxine und Furane, hormonähnlich wirkende Weichmacher und giftige Schwermetalle frei, die für Mensch und Natur extrem schädlich sind. Das von der PVC-Industrie gepriesene "global Recycling" ist laut einer Greenpeace-Studie kaum existent, da sich PVC fast nicht recyceln läßt.

FCKW-geschäumte Dämmplatten kamen bereits im Januar 1998 unter Beschuß. Damals fanden die Stuttgarter Greenpeacer solche Platten auf einer Baustelle der stadteigenen Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) in Bad Cannstatt. FCKW ist verantwortlich für die Zerstörung der Ozonschicht. Dies hat eine Erhöhung der schädlichen UV-Strahlung auf der Erdoberfläche zur Folge, was wiederum zu erhöhtem Hautkrebsrisiko führt. Bei der Produktion, während der Anwendung in Dämmplatten und bei der Lagerung auf der Bauschuttdeponie nach Abriß des Gebäudes werden jeweils große Mengen FCKW frei. Es gibt kein funktionierendes Recyclingsystem.

Holz aus Raubbau ist Holz, das mit industriellen Methoden wie Kahlschlag, Monokultur und Pestizideinsatz gewonnen wird. Es wird zu Fenstern, Türen oder Möbeln verarbeitet. Weltweit sind nur noch 20% der ursprünglichen Urwälder vorhanden. Innerhalb der letzten 30 Jahre wurden alleine 50% dieser einmaligen und unersetzbaren Lebensräume u.a. durch Kahlschlag für immer vernichtet. Wiederaufforstung ist nicht möglich, da die Artenvielfalt eines Urwaldes nicht künstlich wiederhergestellt werden kann. Die letzten Urwälder der Erde sind außerdem für die Klimastabilität unseres Planeten und als Lebensraum für indigene Völker unersetzlich.


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