Greenpeace Nachrichten 2/98

Hintergrund
Die "Greenpeace Nachrichten", die alle Fördermitglieder von Greenpeace regelmäßig bekommen, haben in ihrer Ausgabe 2/98 (Mai-Juli) einen Bericht über unsere Arbeit zum Thema Clean Construction gebracht.
Die Soko "Clean Construction" fahndet nach FCKW, PVC und Tropenholz

Schadstoff-Fahnder Matthias von Herrmann untersucht den Tatort in Stuttgart-Bad Cannstatt: Akribisch sichert er auf der Großbaustelle Firmenetiketten auf Dämmplatten, inspiziert die Beschriftung von Kabelsträngen und wühlt im Bauschutt nach Resten von Fensterrahmen. Der 24jährige BWL-Student ist einer von fünf Baustoff-Experten der Stuttgarter Greenpeace-Gruppe. Mit detektivischem Spürsinn sucht das Quintett auf Baustellen nach H-FCKW-geschäumten Dämmplatten, nach PVC-Kabeln und -Rohren oder Tropenholz-Fenstern. Denn der Einsatz dieser Materialien schadet der Umwelt.

 

PVC-Kabelrolle
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NYM = PVC-Kabel
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Die Forderung der Stuttgarter Greenpeacer lautet: Clean Construction. Denn für die meisten Einsatzbereiche am Bau gibt es längst Alternativen. "Dämmplatten etwa lassen sich mit Naturgasen aufschäumen", erklärt seine Begleiterin, die 35jährige Ulla Trucksäß. Fenster ließen sich aus heimischer Fichte oder Kiefer herstellen, PVC könne durch chlorfreie Kunststoffe wie Polyethylen oder Polypropylen ersetzt werden.


Auch an diesem Tag werden die beiden fündig. Geschickt balanciert Matthias über ein schmales Brett, um zu den neu eingebauten Fenstern zu gelangen. "Bingo", ruft er Ulla zu. Mit der Routine von etlichen Inspektionen erkennt er auch unter der weißen Lackierung Tropenholz. Seit ihm ein Berliner Baustoff-Experte auf einem Seminar anhand von zwei Koffern voller Tropenhölzer die Unterschiede in der Maserung erläutert hat, weiß er Bescheid. "Meranti aus Malaysia", mutmaßt er.  

Tropenholz-Fenster
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Julia, Matthias, Ulla
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Bis Matthias und Ulla, Julia Görs, Hermann Schwab und Christine Benz professionell auf Spurensuche gingen, waren einige Klippen zu umschiffen. Anfangs stolperte Nachwuchs-Fahnder von Herrmann – getarnt mit gelbem Bauhelm – über die Bad Cannstatter Baustelle und sicherte mit Zange, Säge und Schraubenzieher wahllos Indizien. Schnell begriff er, daß es klug ist, die Öko-Sünden sorgsam zu trennen, wenn mehrere Bauträger am Werk sind. Nur so lassen sich klare Verantwortlichkeiten zuweisen.


Inzwischen recherchiert die Truppe beim Stuttgarter Fraunhofer-Institut bautechnische Details, sucht im Handelsregister nach Firmenverflechtungen und ruft Produktinformationen von Herstellern ab. Die jüngste der Gruppe, die 17jährige Gymnasiastin Julia, hält diese sorgsamen Recherchen für das A und O der Arbeit.  

PVC-Rohre gefunden!
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FCKW-Dämmplatten
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Erst als die Dokumentation von Funden und Fundorten auf der Bad Cannstatter Baustelle lückenlos war, preschte die Sonderkommission im Januar vor. In einer Presseerklärung prangerte sie den massenhaften Einsatz der sogenannten XPS-Dämmstoffe der Firma Poliglas an, die mit dem umweltschädlichen "H-FCKW R 142b" aufgeschäumt wurden.


Der Bauträger, die Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg, reagierte prompt und schickte die kritisierten Dämmplatten an den Hersteller zurück. Außerdem sicherte der technische Leiter zu, in künftigen Ausschreibungen auf ökologische Baustoffe zu achten.  

Firmenetikett
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Foto-Dokumentation
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Matthias und Ulla leuchten derweil mit Taschenlampen Stuttgarts Unterwelt aus. "Trotz gegenteiliger Zusage des Tiefbauamtes", erzählt Ulla, "haben wir in einem fast fertigen U-Bahn-Tunnel PVC-Kabel entdeckt." [...]

Quelle: Greenpeace Nachrichten 2/98, S. 5


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