Grundschulen mit Umweltkillern gebaut

Hintergrund
Das Stuttgarter Hochbauamt verwendete immer noch PVC im Kabelbereich, wie wir bei einer Recherche an der neuen Grundschule Riedenberg feststellten. Und: Obwohl mittlerweile H-FCKW als Treibgase in den Leistungsverzeichnissen des Hochbauamtes verboten war, kam auch dieser Klima- und Ozonkiller in Form von XPS-Dämmplatten noch immer zum Einsatz. Der Grund war im vorliegenden Fall, dass die Bauverträge noch vor Inkrafttreten des H-FCKW-Verbotes ausgehandelt worden sind.
Baustellen-Recherche: Grundschule Burgholzhof

Auch wenn das Baustellenschild gut versteckt hinter einem Zaun stand, so ist doch erkennbar, daß das Hochbauamt eine neue Grundschule auf dem Burgholzhof (Stuttgart-Bad Cannstatt) baut.

Schulen sind öffentliche Einrichtungen, in denen sich viele Kinder aufhalten. Der Einbau von umweltschädlichen Baustoffen sollte also vermieden werden.

 

Baustellenschild
© von Herramann


Dieses eingebaute PVC-Rohr beweist den Einsatz des chlorhaltigen Kunststoffes im Abwasserbereich.

Gerade im Bereich der Kanalrohre gibt es viele halogenfreie Alternativen, z.B. aus Steinzeug oder Polyethylen / Polypropylen.

Die Produktion des hier eingesetzten PVC bereitet viele Probleme: Bereits bei der Chlorproduktion entstehen giftige Schwermetall-Abfälle, bei der Weiterverarbeitung zu Vinylchlorid werden Dioxine und Furane in großen Mengen freigesetzt.

Die Entsorgung von PVC ist weiterhin nicht geklärt, meist wird es einfach in der Müllverbrennungsanlage verbrannt mit allen Folgekosten und Umweltproblemen (Korrosion durch HCl, schwermetallhaltige giftige Salze).

 

eingebautes PVC-Rohr
© von Herrmann


PVC-Kabel an der Decke
© von Herrmann

 

Neben den Rohren sind auch die verbauten Kabel aus PVC. In der neu errichteten Grundschule werden diese zwischen der Betondecke und den abgehängten Deckenelementen geführt. Im Brandfall können so sehr leicht hochgiftige Dioxine und Furane entstehen.


PVC-Kabelbaum
© von Herrmann
 

Die Folgen eines Kabelbrandes in diesem Schulneubau wären katastrophal: Neben den Dioxinen und Furanen entstünde auch sehr dichter Qualm, der die Flucht der Kinder behindern würde. Der freiwerdende Chlorwasserstoff ist sehr aggressiv, er korrodiert und schädigt so die Gebäudesubstanz. Die Renovierungs- und Reinigungskosten im Fall eines PVC-Brandes sind extrem hoch.


Baustellen-Recherche: Grundschule Riedenberg

Die lila Dämmplatten, die hier an der neuen Grundschule in Riedenberg eingebaut sind, sind uns mittlerweile gut bekannt: Es handelt sich um H-FCKW-geschäumte XPS-Dämmplatten der Marke "Jackodur" (Fa. Gefinex-Jackon). Das darin enthaltene Treibgas heizt den Treibhauseffekt an und schädigt die Ozonschicht.

 

Jackodur verbaut
© von Herrmann


Bei diesen Kabelsträngen handelt es sich um PVC-Kabel, wie man an der Beschriftung der Kabelrolle (nächstes Bild) sehen kann, die wir vor dem Neubau fanden.

Während des täglichen Schulbetriebs dünsten gesundheitsschädliche Weichmacher aus den Kabeln aus. Diese können zu Leberschäden und zu Krebs bei Kindern und Lehrern führen. Auch die Fruchtbarkeit wird geschädigt, zumal sich die Weichmacher im Körper über Jahre hin ansammeln und fast nicht abgebaut werden können.

 

PVC-Kabelstränge
© von Herrmann


PVC-Kabelrolle
© von Herramann

 

Sollte es in dieser Grundschule einmal brennen, so entstehen neben dichtem Qualm und korrosiver Salzsäure auch hochgiftige Dioxine und Furane. Die Brandfolgen wären erheblich geringer, wenn das Hochbauamt konsequent PVC-freie Kabel verwenden würde, die weitgehend kostenneutral am Markt erhältlich sind.

Das Y in der technischen Bezeichnung steht für PVC. Manche PVC-Kabel tragen auch ein V (für Vinyl) in ihrer Bezeichnung.
Achtung: 2Y steht für die PVC-Alternative Polyethylen.



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 22.11.2000