Cannstatter Zeitung vom 16. Januar 1998

Ozonkiller verschwindet von der Baustelle

Die LEG schickt das FCKW-haltige Dämmaterial zurück - Greenpeace wertet Aktion als Erfolg

Bad Capnstatt (ede) - Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) und die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) haben auf die Kritik von Greenpeace reagiert. Vorgeworfen wurde die Verwendung von FCKW-haltigem Material auf den Großbaustelle des ehemaligen US-Hospitals. Die LEG hat die Rückgabe des betroffenen Dämmaterials veranlaßt.

Die Stuttgarter Greenpeace-Gruppe hatte bei Recherchen auf der Baustelle des ehemaligen US-Hospitals, auf der von LEG, SWSG und Siedlungswerk derzeit mehr als 500 Wohnungen entstehen, Baumaterialien entdeckt, die den berüchtigten Ozon- und Klimakiller Fluorchlorkohlenwasserstoff (FCKW) enthalten. Es handelt sich dabei um sogenannte XPS-Dämmstoffe der Firma Poliglas, die mit dem teilhalogenierten FCKW "H-FCKW 142b" aufgeschäumt wurden. Neben der Zerstörung der schützenden Ozonschicht in der Stratosphäre trägt FCKW auch zum sogenannten Treibhauseffekt bei, der für die globale Klimaerwärmung verantwortlich gemacht wird. Die Zerstörung der Ozonschicht führt zu einer Erhöhung der UV-Strahlen auf die Erdoberfläche, was beim Menschen Hautkrebs auslösen kann.

Der auf der Baustelle entdeckte Stoff "Glascofoam XPS IV", der bauamtlich zugelassen, nach DIN-Vorschriften hergestellt und mit Prüfsiegel versehen ist, wurde von der Landesentwicklungsgesellschaft bei außenliegender Wärmedämmung im Erdreich als Perimeterdämmung und nicht als Fassadendämmung verwendet. "Wir haben die sofortige Rückgabe des Dämmaterials veranlaßt", versichert der LEG-Prokurist und technische Fachbereichsleiter Olaf Scholz. Firmen, Bauleiter und Bauherren sei kein fahrlässiges oder technisches Fehlverhalten unterlaufen, so Scholz. "Wir werden jedoch auf Freiwilligkeitsbasis zukünftig verstärkt diese Bereiche überprüfen lassen und unsere Leistungsverzeichnisse entsprechend ergänzen." Greenpeace wertet dies als Erfolg. "Wenn dieses Versprechen auch umgesetzt wird, wäre das sehr schön", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher von Greenpeace Stuttgart. "Ein Teil unserer Forderungen wäre dann erfüllt." Greenpeace setzt sich für ein generelles Verbot der Produktion von FCKW-haltigen Dämmstoffen ein. Ein entsprechendes Schreiben an Bundesumweltministerin Angela Merkel ist verschickt. Eine EU-Richtlinie verbietet die Verwendung des ozonschädlichen Treibmittels ab dem Jahr 2015.

Peter Jürgen Röhr, Hauptgeschäftsführer der SWSG, hat eine Überprüfung aller ausführenden Firmen veranlaßt. "Bei den Bauten der SWSG kommen nachweislich keine FCKW-haltigen Stoffe zum Einsatz", lautet das Ergebnis. Greenpeace-Sprecher von Herrmann ist skeptisch. "Wenn die Glascofoam-Pakete, die nachweislich teilhalogeniertes FCKW enthalten, in den SWSG-Gebäuden stehen, gehen wir davon aus, daß sie auch verwendet werden."

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© Rehberger, Cannstatter Zeitung
  Die Landesentwicklungsgesellschaft nimmt die Greenpeace-Kritik ernst und will die auf der Baustelle des ehemaligen US-Hospitals verwendeten Dämmstoffe der Firma Poliglas die FCKW enthalten, zurückschicken.


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