Presseerklärung vom 6. November 1998

Greenpeace erfreut: LEG meidet Umweltkiller

Nach Gesprächen mit Greenpeace verzichtet LEG auf FCKW, PVC und Urwaldholz

Stuttgart, 6.11.1998 - In einem Schreiben vom 2.11.1998 an die Greenpeace-Gruppe Stuttgart erklärt die Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg (LEG), daß sie "seit Mitte Oktober 1998" bei Ausschreibungen von Bauleistungen auf voll- und teilhalogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verzichte. Ebenso vermeidet die landeseigene Baugesellschaft probehalber Polyvinylchlorid (PVC) in den Bereichen Kabel, Rohre und Fenster. Als Holz ist nur noch Holz aus "garantiert nachhaltiger und ökologischer Waldwirtschaft" erlaubt. Diesen wegweisenden Schritt in Richtung einer umweltfreundlicheren Bauweise begrüßt Greenpeace ausdrücklich; die Umweltschutzorganisation wird aber auch die Einhaltung und Durchführung der neuen Vorgaben im Auge behalten.

"Die LEG praktiziert das, was alle Baugesellschaften, Bauämter und Bauherren ebenfalls tun können: Verzicht auf die ozon- und klimaschädlichen FCKW, auf das Umweltgift PVC und auf Urwaldholz. Dieses Vorgehen muß sich bei allen Bauvorhaben durchsetzen. Nur durch den konsequenten Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe heute können die vielfältigen Ökoprobleme von morgen vermieden werden", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. Die Stuttgarter Umweltschützer hatten im Januar 1998 auf einer Baustelle der LEG in Stuttgart-Bad Cannstatt H-FCKW-haltige Dämmplatten der Firma Poliglas sowie Fenster aus Tropenholz gefunden. Auch PVC wurde auf mehreren LEG-Baustellen in vielen Anwendungsbereichen entdeckt. Die darauf folgenden Gespräche zwischen Greenpeace und der LEG führten nun zur Formulierung "zusätzlicher technischer Vertragsbedingungen", die die Verwendung umweltverträglicher Materialien konkret vorschreiben.

Voll- und teilhalogenierte FCKW schädigen die Ozonschicht. Dies führt zu einer Erhöhung der gefährlichen UV-Strahlung auf die Erde und damit zu erhöhtem Hautkrebsrisiko. Zudem haben FCKW ein mehreretausendfaches Treibhauspotential im Vergleich zu CO2, sie sind zu 22% am Treibhauseffekt beteiligt. Bei Produktion, Anwen-dung und Entsorgung werden jeweils große Mengen FCKW frei. Es gibt kein funktionierendes Recyclingsystem.

PVC wird hauptsächlich als Kabelummantelungen, Fenster, Rohre, Fußbodenbeläge und Profile eingesetzt. Das Vorprodukt Vinylchlorid ist explosiv, giftig, krebserregend und leberschädigend. Bei der Herstellung, der Verwendung und der Entsorgung von PVC werden Stoffe wie hochgiftige und krebserregende Dioxine und Furane, hormonähnlich wirkende Weichmacher und giftige Schwermetalle frei. Das von der PVC-Industrie gepriesene "global Recycling" ist laut einer Greenpeace-Studie kaum existent, da sich PVC fast nicht recyceln läßt.

Urwaldholz ist Holz, das aus den letzten Urwäldern der Erde stammt und dort mit industriellen Methoden wie Kahlschlag, Monokultur und Pestizideinsatz gewonnen wird. Es wird zu Fenstern, Türen oder Möbeln verarbeitet. Weltweit sind nur noch 20% der ursprünglichen Urwälder vorhanden. Wiederaufforstung ist nicht möglich, da die Artenvielfalt eines Urwaldes nicht künstlich wiederhergestellt werden kann. Die letzten Urwälder der Erde sind außerdem für die Klimastabilität unseres Planeten und als Lebensraum für indigene Völker unersetzlich.

"Es ist erfreulich, daß die LEG die Zeichen der Zeit erkannt hat und auf Umweltkiller am Bau verzichten will. Wir werden sie beim Wort nehmen", sagt Matthias von Herrmann.


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