Wohnungsbaugesellschaften verbauen Umweltkiller

Hintergrund
Bei Recherchen im Januar 1998 fanden wir auf einer Großbaustelle in Stuttgart-Bad Cannstatt H-FCKW-geschäumte Dämmplatten. H-FCKW schädigt die Ozonschicht und trägt erheblich zum Treibhauseffekt bei. Die betroffenen Bauträger waren die landeseigene Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg (LEG) sowie die stadteigene Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG). Am 9.1.1998 gaben wir dazu eine Presseerklärung heraus.
Baustellen-Recherche: H-FCKW

Die betroffenen Häuser haben wir rot gekennzeichnet. Es handelte sich um große Projekte: Insgesamt bauten die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) und die Landesentwicklungsgesellschaft Baden-Württemberg (LEG) zusammen 360 Wohnungen.

Das LEG-Bauprojekt und damit die umweltfeindlichen Baustoffe wurden sogar mit Steuergeldern des Bundes, des Landes und der Kommune gefördert!

Klicken Sie auf eine der Markierungen im Bild für eine Vergrößerung.

 

Baustellenschild LEG
© von Herrmann


Baustellenschild SWSG
© von Herrmann

 

Die gelb verpackten „Glascofoam“- Dämmplatten wurden von der Baufirma in den Rohbauten der SWSG und der LEG gelagert. Die hier gezeigte Menge (10 m³) enthält alleine 30 kg ozon- und klimaschädliches H-FCKW. Es handelt sich dabei um die Stoffe H-FCKW R 142b und H-FCKW R 22. Insgesamt fanden wir ca. 30 m³ dieser Platten, teilweise sogar bereits verbaut.

  FCKW-Dämmplatten
© von Herrmann

verbaute Dämmplatten
© von Herrmann
 

Bei den Rohbauten der SWSG und der LEG war ein Teil der umweltschädlichen Dämmplatten bereits verbaut. Während der nächsten Jahrzehnte wird aus diesen Platten unablässig H-FCKW entweichen, die Ozonschicht zerstören und das Klima aufheizen. Beim Abriß des Gebäudes müssen die Dämmplatten dann vom sonstigen Bauschutt getrennt werden. Nur so kann verhindert werden, daß die Gase auf der Bauschuttdeponie weiter ausgasen und für noch mehr Hautkrebs und Wirbelstürme sorgen.


An der rot markierten Stelle am Produkt-Klebeschild stehen immer die Zulassungsnummern (hier: Z-23.31-233 und Z-23.33-234). Mit Hilfe dieser Nummern kann jederman über das Deutsche Institut für Bautechnik (Berlin) feststellen, ob es sich um H-FCKW-haltige Dämmplatten handelt oder ob sie mit umweltfreundlichen Naturgasen geschäumt wurden.

 

Typenschild "Glascofoam"
© von Herrmann


Kennzeichnung
© von Herrmann
 

Die angeprangerten H-FCKW-haltigen Dämmplatten wurden von uns mit dem "Umweltteufel" gekennzeichnet. So kann jeder sofort erkennen, daß es sich um umweltschädliche Baustoffe handelt.

Umwelt-Teufel

Baustellen-Recherche: PVC

Diese Kabel wurden in den LEG-Gebäuden verbaut. Weitere Kabelrollen in der Nähe waren bereits leer. Bei einem Neubau geht man von einem Verbrauch von 2-3 m Kabel pro m² Wohnfläche aus.

 

PVC-Kabelrolle
© von Herrmann


NYM = PVC-Kabel
© von Herrmann
 

Daß es sich um PVC-Kabel handelt, beweist das Typenschild an der Kabelrolle: NYM bedeutet PVC-Kabel für Innenräume. Allgemein stehen das Y und das V für PVC.

Achtung: 2Y bedeutet Polyethylen!



© von Herrmann

 

Hier sieht man die Menge PVC-Kabel, die später in den Kabelschächten verschwindet. Bei einem Wohnungsbrand entsteht aus PVC-Kabeln starker Qualm, der die Sicht stark einschränkt. Außerdem wird korrosiver Chlorwasserstoff frei, die Ultragifte Dioxine und Furane entstehen ebenfalls in großen Mengen.

PVC-Rohre setzten beide Bauträger massiv ein. Diese Rohre sind zum einen an ihrer rotbraunen Farbe gut zu erkennen, zum anderen ist die Abkürzung "PVC" aufgedruckt. PVC ist problematisch bei der Herstellung, der Anwendung und der Entsorgung. Daher muß auf diesen Umweltkiller umfassend verzichtet werden, auch bei Rohren!

 
© von Herrmann
Baustellen-Recherche: Tropenholz

Alle Fenster dieses LEG-Neubaus sind aus Urwaldholz! Unseren Recherchen zufolge handelt es sich um Red Meranti, das wahrscheinlich in Malaysia eingeschlagen wurde. Dort wird der Urwald durch Kahlschlag radikal abgeholzt, dadurch verschwindet die Artenvielfalt und Erosion macht den Boden kaputt! All das, um Fenster zu bauen, die genauso gut auch aus einheimischem Holz bestehen könnten.

 

Fenster aus Urwaldholz
© von Herrmann

Ergebnis

Wir führten mit der Presse einen Ortstermin durch und zeigten den Journalisten die umweltschädlichen Baustoffe vor Ort. Folgende Zeitungen berichteten daraufhin über unsere Funde: Stuttgarter Nachrichten, Cannstatter Zeitung (Artikel 1, Artikel 2, Kommentar), Schwäbische Zeitung, Der Teckbote und die tageszeitung (taz). Radio 7 ES sendete einen Beitrag (RealAudio, 2:56 Minuten, 2 kB/s) mit Interview. Wenn Sie den RealPlayer 8 (download für Windows 95/98; 9,8 MB) installiert haben, können sie sich den Bericht online anhören.

Die LEG und die SWSG reagierten auf unsere Vorwürfe und schickten die FCKW-haltigen Dämmstoffe an den Hersteller zurück und tauschten sie gegen Exemplare aus, die mit umweltfreundlichen Naturgasen geschäumt sind. Dies veröffentlichte dann auch die Cannstatter Zeitung in einem weiteren Artikel.

Zum den Themen PVC und Tropenholz/Urwaldholz kamen wir mit der LEG ins Gespräch. Daraufhin erweiterte die LEG ein knappes Jahr später ihre Leistungsverzeichnisse um ein PVC-Verbot und um die Pflicht zum Nachweis, dass nur Holz aus "garantiert nachhaltiger und ökologischer Waldwirtschaft" verwendet wird. Diesen Schritt hin zu ökologischen Baustoffen lobten wir in einer Presseerklärung.



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 06.03.2002

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