Presseerklärung vom 5. Mai 1999

Land verstößt gegen Ozonkiller-Verzicht

Greenpeace-Gruppe Stuttgart findet erneut H-FCKW-haltige Dämmstoffe auf Baustelle

Stuttgart, 5.5.1999 - Das Land Baden-Württemberg verstößt auf der Baustelle am Alten Schloß in Stuttgart gegen den Verzicht auf ozon- und klimaschädliche H-FCKW (teilhalogenierter Fluorchlorkohlenwasserstoffe). Dies geht aus Informationen von Greenpeace hervor. Mitarbeiter der Umweltschutzorganisation fanden dort H-FCKW-geschäumte Dämmplatten. Dabei handelt es sich um über 120 noch nicht verbaute Platten mit einem Gesamtvolumen von ca. 9 m³. Das staatliche Hochbauamt renoviert mit Steuergeldern den Kellerbereich des Landesmuseums im Alten Schloß.

"Es ist unverantwortlich, daß das staatliche Hochbauamt das Ozonloch sowie den Treibhauseffekt und damit die Klimakatastrophe mit Steuermitteln mitfinanziert. Der Verzicht auf die Verwendung von H-FCKW wird ignoriert. Es gibt jedoch im Dämmbereich H-FCKW-freie Alternativen wie z.B. geschäumtes Glas. Diese Alternativ-Produkte können problemlos eingesetzt werden. Deshalb fordern wir das staatliche Hochbauamt auf, die noch nicht verbauten H-FCKW-haltigen Dämmplatten sofort an den Hersteller Poliglas zurückzuschicken und H-FCKW-freie Alternativen einzusetzen", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

Teilhalogenierte H-FCKW zerstören die Ozonschicht. Über der Antarktis und über der Arktis mißt die US-Weltraumbehörde NASA jährlich geringere Ozonkonzentrationen. Der Schwund der schützenden Ozonschicht hat erhöhte UV-Strahlung auf der Erdoberfläche zur Folge. Dies führt zu einer Schwächung des Immunsystems, zu vermehrten Augenkrankheiten, zu Schäden an Kulturpflanzen, wie Weizen und Reis, sowie zu einer Steigerung des Hautkrebsrisikos.

Teilhalogenierte H-FCKW tragen auch in hohem Maße zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei: Sie haben das 3.000- bis 4.000-fache Treibhauspotential von CO2 und machen damit ca. 13 % des künstichen Treibhauseffektes aus. Dieser künstliche Treibhauseffekt wird von Wissenschaftlern verantwortlich gemacht für Unwetterkatastrophen wie Wirbelstürme und Überschwemmungen.

In der Drucksache 12/122 vom 2.7.1996 des Landtages von Baden-Württemberg heißt es, daß die Oberfinanzdirektionen des Landes gebeten wurden, "[...] bei Ausschreibungen des Landes darauf zu achten, daß auch auf die mit teilhalogenierten FCKW geschäumten Dämmstoffe zu verzichten ist [...]" Mit der Verwendung der H-FCKW-haltigen Dämmplatten bei der Renovierung im Alten Schloß in Stuttgart verstößt das staatliche Hochbauamt gegen diese Vorgabe.

Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hatte bereits im Januar und März letzten Jahres große Mengen H-FCKW-haltiger Dämmstoffe auf Stuttgarter Baustellen gefunden. Auch damals wurden die Bauvorhaben u.a. mit Steuergeldern finanziert. Die Bauträger schickten daraufhin die umweltschädlichen Dämmplatten umgehend an die Hersteller zurück und verwendeten H-FCKW-freie Alternativen.


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