Altes Schloss: H-FCKW-Fund auf Landesbaustelle
Hintergrund
In Stuttgart wurde der Kellerbereich des Landesmuseums im Alten Schloss
renoviert. Bauherr war das Staatliche Hochbauamt Stuttgart. Bei unseren
Recherchen entdeckten wir, dass hierbei klima- und ozonschädliche H-FCKW-geschäumte
Dämmplatten in großem Umfang verbaut werden sollten. Dieses Vorhaben prangerten
wir mit einer Presseerklärung an. Darin forderten
wir das staatliche Hochbauamt auf, die noch nicht verbauten umweltschädlichen
Dämmstoffe an den Hersteller Poliglas zurückzusenden. Außerdem luden
wir die Presse zu einem Ortstermin ein, wo sich die Journalisten ein Bild
von den Umweltkiller-Platten machen konnten.
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| Baustellen-Recherche |
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Im Alten Schloss in Stuttgart-Mitte ist das Landesmuseum von Baden-Württemberg
untergebracht.
Das Baustellenschild zeigte uns, wer hier was baut. Die Baustelle
selbst war jedoch genau auf der anderen Seite des Alten Schlosses.
Dort wurde der Kellerbereich saniert, dabei wurde er auch mit Dämmplatten
gegen Wärmeverluste gedämmt. Solch eine Maßnahme
ist im Sinne des Klimaschutzes, darf jedoch nicht mit ozon- und
klimaschädlichen H-FCKWs geschehen!
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© von Herrmann
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© von Herrmann |
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Das Typenschild auf den Paketen beweist: Die Dämmplatten der
Firma Poliglas sind mit H-FCKW geschäumt. Auch hier läuft
die Beweiskette wieder über die Zulassungsnummern (hier: Z-23.31-233
und Z-23.33.234). Aus Unterlagen des Deutschen Instituts für Bautechnik
(Berlin) erfuhren wir, dass es sich um teilhalogenierte FCKW handelt.
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Hier wollte das Bau-Unternehmen Müller-Altvatter den Teufel
mit dem Belzebub austreiben: Durch den geringeren Heizaufwand wird
zwar weniger CO2 ausgestoßen, gleichzeitig
wollte die Firma aber Dämm-Materialien verwenden, die für
das Klima und die Ozonschicht extrem schädlich sind.
Neben dem unten gezeigten großen Stapel lagen weitere Pakete
hier und da auf der Baustelle herum. Wir fanden insgesamt 31 solcher
"Glascofoam"-Pakete am Alten Schloss.
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© von Herrmann
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© von Herrmann |
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Rechenbeispiel: Diese 23 Pakete (hinterer Stapel mit sechs Paketen
verdeckt) des Dämmstoffs der Marke "Glascofoam" haben
ein Volumen von fast 7 m³ . Darin enthalten sind ca. 24 kg
ozon- und klimaschädliches H-FCKW R 22
und H-FCKW R 142b. Diese Menge hat in etwa
das gleiche Treibhauspotential wie 100 t CO2!
Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 8,9 Liter Benzin pro
100 km müsste man mit einem Auto 40.250 Liter Benzin verfahren,
um ebenfalls 100 t CO2 auszustoßen.
Das entspricht einer gefahrenen Distanz von 452.250 km, also mehr
als elf mal um die Erde!
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| Ortstermin mit Presse |
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Wir luden die lokale Presse zu einem Ortstermin: Dabei hatten die
Presse-Fotografen die Möglichkeit, Bilder von uns und von den
H-FCKW-Dämmplatten zu machen.
Unserer Einladung folgten beide große Stuttgarter Tageszeitungen:
Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten.
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© Hühne
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Wir kennzeichneten die Pakete, die die umweltschädlichen Dämmstoffe
enthielten, mit dem roten "Umweltteufel":

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© Hühne
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© Hühne
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Auch das "Stadtradio 107,7" folgte unserer Einladung.
Bevor es ans Interview ging, mussten wir jedoch erst einmal die
Fakten und Hintergründe genau erklären.
Das Stadtradio stellte aus dem Interview und den Hintergrundinfos,
die wir lieferten, einen kleinen Beitrag zusammen, der noch am gleichen
Nachmittag gesendet wurde.
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© Hühne |
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| Ergebnis |
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Die Presseresonanz: Die Stuttgarter
Nachrichten und die Bild-Zeitung
berichteten über den Vorfall. Das Stadtradio 107,7 sendete einen
Bericht (RealAudio, 1:43 Minuten,
2 kB/s). Wenn Sie den RealPlayer 8 (download
für Windows 95/98; 9,8 MB) installiert haben, können sie
sich den Bericht online anhören.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag
Birgitt Bender reagierte auf unsere H-FCKW-Funde und die Presseartikel
sofort mit einer Anfrage bei Umweltminister
Müller. Mittlerweile hatte das Staatliche Hochbauamt uns
mitgeteilt, dass H-FCKW-freie Dämmplatten ausgeschrieben
worden waren. Jedoch hatte die Baufirma Müller-Altvatter ozon-
und klimaschädliche H-FCKW-haltige Dämmplatten
vertragswidrig geliefert und diese einbauen wollen. In einer Pressemitteilung
gab das Amt auch bekannt, dass die Baufirma die schon verlegten
Dämmplatten (ca. 150 m²) wieder herausreißen und
gegen H-FCKW-freie Alternativen ersetzen musste.
Dieses entschiedene Vorgehen des Staatlichen Hochbauamtes Stuttgart
begrüßten wir ausdrücklich. Die Stuttgarter
Nachrichten, die Stuttgarter Zeitung
und die Esslinger Zeitung berichteten
über den Erfolg.
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Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung:
06.03.2002
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