Presseerklärung vom 24. Juli 2001

CDU-Fraktion verhindert Umweltschutz am Bau

Greenpeace-Gruppe Stuttgart protestiert im Umweltausschuss

Stuttgart, 24. 07. 2001 - Die CDU-Fraktion des Stuttgarter Gemeinderates hat es heute Vormittag im Umweltausschuss abgelehnt, endgültig über den Verzicht auf umweltschädliche Baustoffe zu entscheiden. Gegen diese Blockadehaltung demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute im Umweltausschuss mit einem Banner. Darauf ist ein 2x2m großer roter Umweltteufel zu sehen sowie die Aufschrift "Stoppt Umweltkiller am Bau". Ein Verzichtsantrag der SPD, der FDP und der Freien Wähler, dem auch Bündnis 90/Die Grünen zugestimmt hätten, sah vor, bei städtischen Baumaßnahmen auf die Umweltkiller Polyvinylchlorid (PVC) und Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW und FKW) zu verzichten. Der Umweltausschuss beschäftigt sich auf Initiative von Greenpeace hin seit November 2000 mit diesem Thema.

"Es ist unglaublich, mit welchen taktischen Manövern die CDU-Stadträte immer wieder aufs Neue die Entscheidung gegen Umweltkiller am Bau blockieren. Alle anderen Fraktionen des Gemeinderates haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollten heute mit dem Verzichtsantrag den Weg ebnen für mehr Umweltschutz am Bau. Die CDU hingegen gab erneut weiteren Beratungsbedarf an, obwohl die Fakten seit Monaten klar auf dem Tisch liegen" sagt Matthias von Herrmann, Greenpeace-Pressesprecher und Leiter des Projektes "Clean Construction".

Bei Recherchen auf städtischen Baustellen und in Ausschreibungen während der vergangenen vier Jahre kamen die Stuttgarter Greenpeacer den umweltschädlichen Baustoffen immer wieder auf die Spur. Matthias von Herrmann weiter: "Unsere kontinuierliche Arbeit zum Thema ‚Umweltschutz am Bau' hat dazu geführt, dass bei den Stuttgarter Ämtern und bei großen Teilen des Gemeinderates das Umweltbewusstsein gestiegen ist. Die Verwaltung ist nun bereit, auf Umweltkiller am Bau zu verzichten. Die CDU will dies offensichtlich weiterhin verhindern."

Der Massenkunststoff PVC wird hauptsächlich als Kabelummantelungen, Fenster, Rohre, Fußbodenbeläge und Profile eingesetzt. Er verursacht bei der Herstellung, der Anwendung und der Entsorgung große Umwelt- sowie chronische Gesundheitsprobleme: Aus Weich-PVC treten Weichmacher aus, die hormonähnlich wirken. Im Brandfall entsteht starker Qualm, der die Rettung von Brandopfern erschwert. Bei der Entsorgung per Müllverbrennung entstehen aus 1 Tonne PVC bis zu 1,4 Tonnen schwermetallhaltige Salze, die als Sondermüll entsorgt werden müssen. Das von der PVC-Industrie gepriesene "globale Recycling" ist laut einer Greenpeace-Studie kaum existent, da sich PVC fast nicht recyceln lässt.

FCKW ist der Oberbegriff für voll- und teilhalogenierten Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW, H-FCKW, FKW, H-FKW). Diese Chemikalien werden als Treibgas in Dämmplatten und als Kühlmittel in Klimaanlagen verwendet. FCKW sind verantwortlich für die Zerstörung der Ozonschicht und sie tragen erheblich zum Treibhauseffekt bei. Die Abnahme der Ozonschicht hat eine Erhöhung der schädlichen UV-Strahlung auf der Erdoberfläche zur Folge, was wiederum zu erhöhtem Hautkrebsrisiko führt. Der Treibhauseffekt führt zu Klimaveränderungen, die bereits heute Unwetterkatastrophen und einen Anstieg des Meeresspiegels mit sich bringen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 24.07.2001