Filder-Extra vom 18. August 1999

Umweltsünde

Wolfschlugen: Greenpeace entdeckte Klima-Killer

Die Stuttgarter Regionalgruppe von Greenpeace machte in Wolfschlugen den Bürgermeister und zuständigen Archtitekten darauf aufmerksam, dass das Dach der Turn- und Festhalle mit FCKW-haltigen Dämmplatten saniert wird. Edgebnis: Das klimaschädliche Material soll ausgetauscht werden.

Von Peter Walter

Kein Schlauchboot wurde versenkt, es gab auch keine spektakuläre Abseilaktion, als vier Greenpeace-Aktivisten Ende letzter Woche in der Wolfschlugener Ulrichstraße auftauchten. Die Polizisten wurden nur kurz misstrauisch, dann fuhren sie wieder in ihrem Wagen davon. Anwesenden Presseleuten fiel bloß auf, dass an diesem Freitag, dem 13. viele Personen in grün-weißem Dress unterwegs waren. Dazu gehörte auch die kleine Hexe, die im Büro von Bürgermeister Ottmar Emhardt von der Decke baumelt.

Was war passiert? An der Außenwand der eingerüsteten Turn- und Festhalle lehnten leichte, weiße Platten, die kurze Zeit später mit dem sogenannten Umweltteufel beklebt waren. Für Matthias von Herrman, dem Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart, sind sie der Stein des Anstoßes: "Auf der Verpackung ist der Beweis zu sehen: die Nummer Z-23.31-237. Das Deutsche Institut für Bautechnik hat dieses halogenierte, FCKW-haltige Baumaterial aber nur noch bis Ende 1999 zugelassen. Es ist ein Skandal, dass hier klima- und ozonschädliche Dämmstoffe im Dach verbaut werden sollen und dies dazu noch mit Steuermitteln finanziert wird." Die Gemeinde Wolfschlugen, die bereits vor Jahren der Agenda 21 beigetreten ist, verstößt damit gegen die Selbstverpflichtung dieses Klima-Bündnisses, die Verwendung von Treibhaus-Gasen zu stoppen.

Bürgermeister Emhardt ist über diesen "überfallartigen Besuch" der Greenpeace-Leute sichtlich überrascht: "Fachlich kann ich dazu als Verwaltungsmensch nichts sagen, aber der zuständige Architekt wird die Angelegenheit demnächst prüfen."

Dann der Ortstermin mit Hans Hermann, dem Architekten: "Bei der Anlieferung der Platten habe ich leider nicht auf diesen Faktor geachtet. In der Ausschreibung ging es nur um die bauliche Eignung des Materials."

Stefan Simrock, Doktor der Chemie und einer der anwesenden Greenpeace-Aktivisten, weiß: "Gesundheitlich schaden die in den Platten enthaltenen Stoffe nicht direkt. Aber sie heizen unsere Atmosphäre auf und tragen zur Zerstörung der schützenden Ozon-Schicht bei, was gesundheitliche Folgen wie eine Zunahme von Hautkrebs hat." Diese Dämmplatten schaden dem Klima so vehement wie ein Auto, das 650.000 Kilometer zurücklegt. Nur in modernen Hochtemperaturöfen lässt sich die gefährliche H-FCKW-Verbindung wieder knacken.

Bürgermeister und Architekt sind schnell überzeugt: "Die Platten müssen ausgewechselt werden." Nur bei den bereits auf dem Dach verlegten ist sich Hermann noch nicht sicher. Bürgermeister Emhardt aber verspricht: "Auch die verlegten Exemplare werden entfernt!" Schließlich gibt es bereits Alternativen: Mit Kohlendioxid verschäumte Dämmplatten aus Plastik- oder Glas-Material. Kohlendioxid ist immer noch 3.000 Mal weniger schädlich als FCKW.

Emhardt weist darauf hin, dass Wolfschlugen eine der ersten Gemeinden war, die sich für den Umweltschutz stark machte - und dies auch nach wie vor hat. "Nach der Einweihung unseres neuen Rathauses am 1. Oktober wird dies zu merken sein: Wir sind in Sachen Energiesparen um 30 Prozent besser, als es die neue Gesetzgebung vorschreibt." Dies und die unbürokratische Entscheidung bezüglich der umweltschädlichen Dämmplatten können die Greenpeace-Aktivisten eigentlich nur begrüßen - was sie auch ausdrücklich taten. Und im Leistungsverzeichnis der Gemeinde für Bau-Ausschreibungen wird in Zukunft auch FCKW-haltiges Material ausgeschlossen - wie bisher schon giftige Lacke oder Tropenhölzer.

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© Pohl, Filder-Extra
 

Architekt Hans Hermann und Bürgermeister Ottmar Emhardt (von links) versprachen Abhilfe


Greenpeace-Aktivisten versahen die schädlichen Platten mit dem "Umweltteufel"  

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