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Nürtinger Zeitung vom 14. August 1999 Prompte Reaktion: "Dämmplatten kommen sofort weg!"Greenpeace-Aktion an der Wolfschlugener Turn- und Festhalle war gestern von schnellem Erfolg gekröntWOLFSCHLUGEN (jg). Für einen kurzen Moment saß gestern morgen die (relativ) kleine Gemeinde Wolfschlugen im selben Boot mit Weltkonzernen wie Shell und Hoechst oder Energie-Riesen, die auf Atomkraft setzen: Man war nämlich Zielscheibe einer Aktion der weltweit tätigen Umweltschutz-Organisation Greenpeace. "Klimakatastrophe mit Steuergeldern finanziert", lautete die Schlagzeile einer Pressemitteilung der Greenpeace-Gruppe Stuttgart im Zusammenhang mit der Sanierung der Turn- und Festhalle zu Wolfschlugen. Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Ottmar Emhardt stand indes fest, dass das nicht so kommen wird. Greenpeace studiert besonders intensiv die Ausschreibungen für öffentliche Gebäude. Besonders achtet man darauf, ob dabei auch Dämmstoffe verwendet werden. Dabei besteht nämlich die Gefahr, dass dabei auch umweltgefährliche Stoffe verbaut werden: die "Ozon- und Klimakiller" FCKW und H-FCKW zum Beispiel. 13 Prozent des "künstlichen Treibhauseffektes" stammen laut Greenpeace von diesen Fluor- Kohlenwasserstoffen. "Umwelt-Detektive" dieser Organisation machten sich vor kurzem auch zur Turn- und Festhalle von Wolfschlugen auf. Und sie wurden fündig. Greenpeace-Sprecher Matthias von Herrmann: "Wir haben 33 Dämmstoffe-Pakete der Firma Pfleiderer in Neumarkt an der Wolfschlugener Halle entdeckt. Die enthalten ungefähr 35 Kilo H-FCKW." Das bedeute, dass dieser mit Steuermitteln bezahlte Bau genau so viel zum Treibhauseffekt beitrage wie ein durchschnittlicher Pkw, der 650.000 Kilometer (oder 16 mal um die Erde herum) fahre. Wohlgemerkt: Dieses Baumaterial ist (noch) nicht verboten. Erst ab der Jahreswende darf es nicht mehr verbaut werden. Aber: Im weltweiten "Klimabündnis" nach der Umwelt-Konferenz von Rio im Jahre 1992, dem Wolfschlugen als eine der ersten Gemeinden im Kreis beigetreten ist, sind diese Stoffe geächtet. Und daher fand von Herrmann auch starke Worte: "Es ist ein Skandal, dass hier klima- und ozonschädliche Dämmstoffe verbaut werden sollen und dies auch noch mit Steuermitteln finanziert wird. Die Gemeinde Wolfschlugen verstößt damit gegen die Selbstverpflichtung der Klimabündnis-Gemeinden, die Verwendung von FCKW-Treibgasen zu stoppen. Die umweltschädlichen Baustoffe müssen sofort gegen umweltfreundliche ausgetauscht werden. Die Verbauung der bereits angelieferten Dämmplatten ist nicht akzeptabel." Dank der Greenpeace-Aktion biete sich Wolfschlugen zugleich die "einmalige Chance", dieses belastete Material, das seine Schadstoffe binnen der nächsten zwei bis drei Jahre an die Atmosphäre abgebe, wieder zurückzugeben und durch mit Naturgas geschäumte Platten zu ersetzen, die in der Anwendung kostenneutral seien. Das Tollste sei in diesem Zusammenhang mit Kohlendioxid geschäumtes Glas, das aber etwas mehr koste. Greenpeace attestierte, dass das Bemühen der Gemeinde, durch Wärmedämmung den Energieverbrauch der Halle zu senken, durchaus sinnvoll sein. Aber dieses lobenswerte Ziel dürfe nicht mit anderen negativen Effekten "erkauft" werden. Bei Wolfschlugens Bürgermeister Ottmar Emhardt rannte die Umweltschutzorganisation nach einer ersten Aufregung über den unangekündigten "Uberfall" aufs "Übergangs-Rathaus" haneben ("eine Un- verfrorenheit, so etwas zu machen, ohne dies uns anzukündigen") indes offene Türen ein. Auch er versicherte (ebenso wie die zufällig anwesende SPD-Gemeinderätin Monika Schewe-Hinz), dass man an einer Lösung, die die Interessen der Natur berücksichtige, selbstverständlich interessiert sei. Und es wurde auch Architekt Hans Hermann eigens hinzugerufen, der die Ausschreibung betreut hatte (Verwaltung und Gemeinderat hatten sich nicht mit Details befasst). Und er räumte ein Versäumnis ein: Er habe lediglich geprüft, ob das dabei zum Zug gekommene Material erlaubt sei, nicht aber, ob es auch den Ansprüchen des Klimabündnisses entspreche. Da in der Ausschreibung aber eine andere Dämmplatte aufgeführt worden sei und der Zusatz "oder vergleichbare" mit eingefügt wurde, eröffnen sich nun doch Chancen, die Sache noch glimpflich über die Bühne zu bringen. Die ursprünglich ausgeschriebene Dämmplatte war indes FCKW-frei. Und somit ist die jetzt gelieferte Variante wohl nicht "vergleichbar" und kann retourniert werden. Während der Architekt sich nicht sicher war, ob dies auch für die bereits verarbeiteten Platte gelte, machte der Schultes von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch und sprach ein Machtwort: "Die Diriger kommen raus, völlig klar." Der Gemeinde Wolfschlugen sei es sehr ernst mit ihrem Engagement im Klimabündnis und bei der Agenda 21 (zwei Gemeinderäte wirken in der Arbeitsgruppe mit). An diesen Zielen werde man sich auch messen lassen. Kommentar von Matthias von Herrmann: "Das ist genau das, was wir gefordert haben. Es ist korrekt, dass den Bedürfnissen des Klimabündnisses Rechnung getragen wird. Wir begrüßen diesen Schritt der Gemeinde."
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