Presseerklärung vom 13. August 1999

Klimakatastrophe mit Steuergeldern finanziert

Greenpeace-Gruppe Stuttgart entdeckt erneut klima- und ozonschädliche Dämmplatten

Stuttgart, 13.8.1999: Bei aktuellen Recherchen stießen Mitarbeiter der Greenpeace-Gruppe Stuttgart auf Baumaterialien, die mit dem Ozon- und Klimakiller H-FCKW (teilhalogenierter Fluorchlor-kohlenwasserstoff) geschäumt sind. Bei den jetzt entdeckten Baumaterialien handelt es sich um sogenannte XPS-Dämmstoffe der Firma Pfleiderer, die mit den H-FCKW "R 22" und "R 142b" aufgeschäumt wurden. Als Fundort nennt Greenpeace die Turn- und Festhalle der Gemeinde Wolfschlugen, wo mit Steuergeldern das Flachdach saniert wird. Das gefundene H-FCKW hat das gleiche Treibhauspotential wie die Menge CO2, die ein durchschnittlicher Pkw (8,9 Liter/100 km) ausstößt, wenn er 650.000 km (= 16-facher Erdumfang) zurücklegt. Bereits im Mai hatte Greenpeace beim Alten Schloss in Stuttgart H-FCKW-geschäumte Dämmplatten entdeckt.

"Es ist ein Skandal, daß hier klima- und ozonschädliche Dämmstoffe verbaut werden sollen und dies dazu auch noch mit Steuermitteln finanziert wird. Die Gemeinde Wolfschlugen, die bereits vor Jahren dem Klimabündnis beigetreten ist, verstößt damit gegen die Selbstverpflichtung der Klimabündnis-Gemeinden, die Verwendung von FCKW-Treibgasen zu stoppen. Die umweltschädlichen Baustoffe müssen sofort gegen umweltfreundliche ausgetauscht werden. Die Verbauung der bereits angelieferten Dämmplatten ist nicht akzeptabel", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

Die gefundenen Treibgase zerstören die Ozonschicht. Die US-Weltraumbehörde NASA misst über der Antarktis und über der Arktis jährlich geringere Ozonkonzentrationen. Der Schwund der schützenden Ozonschicht hat erhöhte UV-Strahlung auf der Erdoberfläche zur Folge. Dies führt zu einer Schwächung des Immunsystems, zu vermehrten Augenkrankheiten, zu Schäden an Kulturpflanzen, wie Weizen und Reis, sowie zu einer Steigerung des Hautkrebsrisikos.

H-FCKW tragen in hohem Maße zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei: Sie haben das 3.000- bis 4.000-fache Treibhauspotential von CO2 und machen damit ca. 13 % des künstlichen Treibhauseffektes aus. Dieser künstliche Treibhauseffekt wird von Wissenschaftlern verantwortlich gemacht für Unwetterkatastrophen wie Wirbelstürme und Überschwemmungen. In den nun von Greenpeace entdeckten 33 Dämmstoff-Paketen sind ca. 35 kg des Treibmittels H-FCKW enthalten.

Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hatte bereits im Januar und März letzten Jahres sowie im Mai 1999 große Mengen H-FCKW-haltiger Dämmstoffe auf Stuttgarter Baustellen gefunden. Auch damals wurden die Bauvor-haben mit Steuergeldern finanziert. Die Bauträger schickten daraufhin die umweltschädlichen Dämmplatten umgehend an die Hersteller zurück und verwendeten H-FCKW-freie und damit umweltfreundlichere Alternativen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 30.07.2000