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Stuttgarter Zeitung vom 14. August 1999 Wolfschlugen bei Ökofehltritt ertapptGreenpeace deckt Verwendung umweltfeindlicher Dämmplatten bei Hallensanierung aufWOLFSCHLUGEN. Bei der Sanierung der Turn-und-Fest-Halle in Wolfschlugen sind offenbar umweltschädliche Dämmplatten verwendet worden. Nach einer Greenpeace-Aktion hat Bürgermeister Ottmar Emrich zugesagt, die Baumaterialien auszutauschen. Von Ralph Zimmermann Der Wolfschlugener Schultes reagierte ungehalten, als die Ökoaktivisten gestern mit Pressevertretern im Schlepptau unangemeldet in sein Amtszimmer strömten. "Unverschämt" sei das, zürnte der Verwaltungsmann. Greenpeace-Sprecher Matthias von Hermann konterte kühl, "überfallartiges Vorgehen" sei nun einmal bei der Umweltorganisation bewährte Methode - schon um zu verhindern, dass Beweismittel für umweltschädigendes Tun beiseite geschafft würden. Das Corpus Delicti lagert gleich neben dem Rathaus, vor der Turn-und-Fest-Halle, die zur Zeit saniert wird: Das Flachdach des Gebäudes sollte mit Dämmplatten abgedeckt werden, die teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FCKW) enthalten. Beim Durchforsten von Bauausschreibungen war den Greenpeace-Leuten aufgefallen, dass ausgerechnet in Wolfschlugen, das seit Jahren dem so genannten Klimabündnis angehört, ein "Ozon- und Klimakiller" zum Einsatz kommen sollte. Die vor der Halle lagernden Dämmplatten hätten das gleiche Treibhauspotenzial wie ein durchschnittliches Auto, das 16 Mal die Erde umrundet, legte der smarte Greenpeace-Sprecher dem offenbar völlig ahnungslosen Rathauschef dar. Der eilends herbeigerufene Architekt räumte ein, er habe bei der Auftragsvergabe gar nicht geprüft, ob FCKW-haltige Dämmplatten zum Einsatz kommen sollten. Auf dem Flachdach könnten nur relativ dünne Dämmplatten angebracht werden, und das verwendete Material, räumt auch Greenpeace ein, gewährleistet trotzdem eine gute Isolierung - allerdings lasse die Dämmwirkung in dem Maß nach, wie sich das in den Platten enthaltene Treibgas verflüchtigt. Der sichtlich betroffene Bürgermeister sagte spontan zu, den Umtausch der Dämmplatten zu veranlassen und bereits verbaute Materialien wieder entfernen zu lassen. Die gleiche Zusage hatten die Greenpeace-Aktivisten bereits im Mai vom Staatlichen Hochbauamt erhalten, als die Ökologen den Einsatz der umweltschädlichen Dämmplatten im Stuttgarter Alten Schloss moniert hatten. Dass dennoch weiter "mit Steuergeldern die Klimakatastrophe finanziert" werde, hält der Greenpeace-Sprecher für einen Skandal. Dass die Wolfschlugener Mitgliedschaft im Klimabündnis "womöglich nur ein Lippenbekenntnis" sei, weist Emrich zurück. Die Gemeinde tue mehr für die Umwelt als manch andere - das fast fertige neue Rathaus etwa werde in Niedrigenergiebauweise errichtet, dort nutze man zudem die Erdwärme zum Heizen oder Kühlen.
Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 30.07.2000 |