Atommüll aus Stuttgart? Bloß net!

Hintergrund
Neben dem Risiko eines GAUs ist wohl das größte Problem der Atomenergie die Produktion von hochgiftigem und gefährlichem Atommüll - ein Problem, das noch für viele Jahre fortbestehen wird. Jährlich fallen etwa 450 bis 500 Tonnen abgebrannter Brennelemente an, die entsorgt werden müssen.
Entsorgung heißt im Moment immer noch Wiederaufbereitung in den Anlagen von Sellafield (England) oder La Hague (Frankreich). Die Transporte verlagern das Problem nur, sind aber keine Lösung. Im Gegenteil: Sie stellen ein erhebliches Gefahrenpotential für die Bevölkerung dar. Diese Gefahr besteht auch für Stuttgart.

 

1994 gab es mehrere Transporte vom Atomkraftwerk Gundremmingen in Bayern nach La Hague. Der Transportweg führte über Stuttgart - quer durchs Stadtgebiet - und Saarbrücken in die Normandie.
Dabei fuhren die Castor-Behälter am Neckar entlang mitten durch Mettingen, Ober- und Untertürkheim, über den Viadukt in Bad Cannstatt und an Münster und Zazenhausen vorbei.
Viele Großstädte in Deutschland - wie Bonn, Frankfurt, Hannover und Köln - lehnen eine Durchfahrt von Atommülltransporten durch ihre Gemarkung ab und haben dies durch einen Gemeinderatsbeschluss dokumentiert.

 


© Trucksäß



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Die Stadt Stuttgart sieht das anders. Sie argumentiert, für diese Transporte lägen alle erforderlichen Genehmigungen vor, wobei "alle sicherheitsrelevanten Faktoren geprüft wurden". Ein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung sieht sie daher nicht.
Da die Transporte von Bundes- und Landesbehörden genehmigt seien, gebe es keine rechtliche Möglichkeit, die Transporte durch die Gemarkung Stuttgart zu verbieten. Der von uns angeregte Beschluss des Gemeinderates hätte keine rechtliche Bindungswirkung. Eine entsprechende Abstimmung sei daher entbehrlich.


Protest-Aktionen
Am 09.06.1994 protestierten wir vor dem Stuttgarter Rathaus gegen die gedankenlose Haltung der Stadt. Mit einem Banner mit der Aufschrift "Atommüll aus Stuttgart? Bloß net!" und gelben "Atomfässern" machten wir auf das ungelöste Problem aufmerksam.
Die Atommüll-Gefahr ist keine Kleinigkeit, das sich mit rein formalem Behördendenken (was genehmigt ist, ist ungefährlich) wegdefinieren lässt. Wie groß das Problem mit dem ständig weiter wachsendem Atommüll ist, erklärten wir den Passanten und Presse am Rathaus und am Schlossplatz mit drei Würfeln: Sie zeigen anschaulich, wie stark der strahlende Sondermüll wächst... - Tag für Tag..., Woche für Woche... Jahr für Jahr... Doch Politik und Wirtschaft unternehmen nichts dagegen!

Ergebnis

Presseresonanz:
Stuttgarter Nachrichten vom 24. Mai 1994
Stuttgarter Zeitung vom 10. Juni 1994
Bild Stuttgart vom 10. Juni 1994
Stuttgarter Nachrichten vom 10. Juni 1994
Bietigheimer Zeitung vom 10. Juni 1994

verspätete Presseresonanz:
Stuttgarter Zeitung vom 22. November 1996

außerdem:
Ausstiegsstudie der Grünen



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 11.01.2007