Presseerklärung vom 24. April 1996

"Klimaschutz Ja - Atomstrom Nein"

Greenpeace übergibt rund 15.000 Unterschriften für eine
intelligente Energiepolitik ohne Atomstrom an den Stuttgarter Gemeinderat

Im Rahmen der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 25.04.96 übergibt die Greenpeace-Gruppe Stuttgart zusammen mit 4 Stuttgarter Greenteams 14.800 Unterschriften für eine zukunftsorientierte Energieversorgung ohne ATOMSTROM an die Gemeinderäte. Die Greenteams verkleiden sich als Sonnen-, Wind- und Wasserenergie. Außer den Unterschriften verteilen sie Würfel an die einzelnen Fraktionen. Die Würfel symbolisieren die Atommüllmenge, die pro Sekunde im Stuttgarter Bereich anfällt. Greenpeace weist mit dieser Aktion kurz vor dem 10. Jahrestag von Tschernobyl auf die bestehenden Gefahren der Atomenergie vor Ort hin. Wie Greenpeace hat wohl auch Oberbürgermeister Manfred Rommel seine Probleme mit der Atomenergie. Seine Reaktion auf die Tschernobylkatastrophe war ein kleines Gedicht: "Lieber hoher Öchslegrad als Becquerel im Blattspinat" (Zitat aus: Manfred Rommel: "Gesammelte Gedichte", Engelhorn Verlag Stuttgart,1994).

Die einseitige Stromversorgung Stuttgarts durch die Technischen Werke (TWS) mit einem Anteil von über 80 % Atomstrom gibt allen Grund zur Sorge: So entstehen täglich anteilig rund 800 Liter Atommüll, was sich zu jährlich 110 kg des Ultragiftes Plutonium summiert. Damit hinterläßt die Stadt Stuttgart den kommenden Generationen ein tödlich strahlendes Erbe. Die Aktion richtet sich an den Gemeinderat, da die TWS zu 100 % im Besitz der Stadt ist und der Gemeinderat somit wesentlichen Einfluß auf die Geschäftspolitik der TWS nehmen kann.
Unter dem Motto "Atommüll aus Stuttgart -Bloß nett" hatte Greenpeace in Stuttgart mit Ständen gegen diesen Mißstand informiert und 14.800 Unterschriften gegen die Atomstrompolitik der Stadt gesammelt. Dies bringt zum Ausdruck, daß sich eine große Zahl von Bürgerinnen und Bürgern über die zukünftige Energieversorgung Gedanken macht und zusammen mit Greenpeace von der Stadt Stuttgart eine intelligente und risikoarme Energieversorgung ohne Atomstrom fordert.

Wir fordern daher vom Gemeinderat:

Einen Beschluß zum Ausstieg aus der Atomstromerzeugung der TWS.
Ein Zukunfts-Energiekonzept unter der Vogabe „Atomausstieg".
Die Umsetzung dieses Konzeptes.
Die Einleitung einer Energiewende in Stuttgart auf der Basis von Kraft-Wärme Kopplung.
Energieeinsparung und der Förderung erneuerbarer Energien.

Ein Beispiel für eine Stadt mit analogen Bedingungen ist Hamburg. Der Senat von Hamburg hat dem dortigen Stromversorger HEW die Auflage gemacht, "so zügig wie rechtlich möglich und für die Gesellschaft wirtschaftlich vertretbar" aus dem ebenfalls 80%igen Atomstromanteil auszusteigen und alternative Optionen aufzuzeigen. Hier sind bereits erste Veränderungen erkennbar.

Neben den Forderungen zum Atomausstieg werden den Stuttgarter Gemeinderäten gleichzeitig verschiedene Ansatzpunkte für eine ökologische Energieversorgung ohne ATOM übergeben. Schwerpunkt ist dabei die effizientere Energieerzeugung mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Hier sind in Stuttgart mit dem vorhandenen Fernwärmenetz günstige Voraussetzungen für einen stärkeren KWK-Einsatz gegeben. Aber auch die dezentralen BHKW-Anlagen, etwa in derzeitigen Stromheizwerken der TWS, sind ein wichtiges Element.

Das derzeit für Stuttgart in Bearbeitung befindliche Klimaschutzkonzept ist eine wichtige Komponente, um Strom- und Heizenergieeinsparung zu lokalisieren und Ansatzpunkte für Energieeinsparung im Verkehrssektor aufzuzeigen. Gemäß dem Greenpeace-Motto "Klimaschutz Ja - Atomstrom Nein" ist dieses Konzept allerdings noch um das Element Atomausstieg zu erweitern, um daraus ein wirklich zukunftsweisendes Energiekonzept zu machen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 18.03.2001