Presseerklärung vom 26. Juni 1998

Keine Atomtransporte mehr, Herr Dr. Schuster!

Greenpeace-Gruppe Stuttgart schreibt an OB Dr. Schuster

Stuttgart, 26.6.1998 - Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hat heute vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Herrn Dr. Wolfgang Schuster, den Stopp von Atomtransporten verlangt. Die Umweltschützer verweisen in ihrem offenen Brief auf die eklatanten Vorkommnisse der letzten Monate rund um die Atommülltransporte: Über zehn Jahre lang hielt die deutsche Atomindustrie wissentlich Erkenntnisse über die z.T. enorme radioaktive Kontamination der Transportbehälter und Waggons zurück.

Neben seiner Tätigkeit als Oberbürgermeister ist Herr Dr. Schuster auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Neckarwerke Stuttgart (NWS). Die NWS halten große Gesellschaftsanteile an den Atomkraftwerken Neckarwestheim und Obrigheim. Daher, so die Stuttgarter Greenpeacer, habe Herr Dr. Schuster gleich zweifach die Möglichkeit und die Verpflichtung, sich gegen weitere Atommülltransporte einzusetzen. "Herr Dr. Schuster muß dieser Verantwortung nun endlich gerecht werden und Atommülltransporte aus Neckarwestheim und Obrigheim verhindern. Er muß sich aber genauso im Gemeinderat dafür einsetzen, daß sich die Stadt Stuttgart, wie bereits zahlreiche andere Städte auch, gegen Atommülltransporte durch das Stadtgebiet ausspricht", sagt Fritz Mielert von der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

Bereits im Februar 1998 hatten die Greenpeacer an nur drei Tagen die Unterstützung von über 2.500 Bürgerinnen und Bürgern aus Stuttgart und Umgebung für dieses Anliegen bekommen in Form von unterschriebenen gelben Karten. Diese gelben Karten richteten sich an den OB mit der Aufforderung, sich im Gemeinderat für einen Beschluß gegen Atommülltransporte durch Stuttgart einzusetzen. Da Herr Dr. Schuster auf die gelben Karten der Bürger nicht reagierte, führten Aktivisten der Umweltschutzorganisation am 12.3.1998 eine Aktion vor dem Rathaus durch. Sie spannten u.a. ein Banner auf mit der Aufschrift:

OB Schuster: "Umweltschutz ist Chefsache" - deshalb: Stoppen Sie den CASTOR!

Fritz Mielert: "Bis heute erhielten wir nur unbefriedigende und ausweichende Antworten von Herrn Dr. Schuster. Er ist nicht einmal zu einem Gespräch mit uns bereit! Inzwischen ist jedoch klar, daß die Bevölkerung und die Politiker schon viel zu lange der Atomindustrie auf den Leim gegangen sind. Der Atomausstieg muß endlich beginnen, es ist Zeit für das solare Zeitalter. Das muß auch Herr Dr. Schuster erkennen und konsequent handeln - jetzt sofort!"


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