Stuttgarter Nachrichten vom 29. Juni 1998

Greenpeace: Castor stoppen

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat Oberbürgermeister Wolfgang Schuster "angesichts der eklatanten Vorkommnisse der letzten Monate" aufgefordert, die Atommülltransporte zu stoppen.

Damit hob die Stuttgarter Greenpeace-Gruppe sowohl auf Transporte durch das Stuttgarter Stadtgebiet als auch auf Transporte, die die Kernkraftwerke Neckarwestheim und Obrigheim verlasse, ab.

Schuster habe in mehrfacher Hinsicht die Möglichkeit und Verpflichtung zum Handeln. Zum einen als Oberbürgermeister, der den Gemeinderat veranlassen könnte, sich wie Gremien in anderen Städten gegen Atommülltransporte auszusprechen, zum anderen als Aufsichtsratsvorsitzender der Neckarwerke Stuttgart (NWS).

Im Februar hatte die Stuttgarter Greenpeace-Gruppe mehr als 2500 Unterschriften von Einwohnern aus Stuttgart und Umgebung gesammelt, die OB Schuster mit gelben Postkarten zum Tätigwerden auffordern sollten. Das Stadtoberhaupt habe aber nicht reagiert. Deshalb entfaltete Greenpeace am 12. März vor dem Rathaus ein Transparent mit der Aufschrift "OB Schuster: Umweltschutz ist Chefsache - deshalb: Stoppen Sie den Castor". Bis heute habe man aber nur "unbefriedigende und ausweichende Antworten" erhalten. Schuster sei nicht einmal zu einem Gespräch bereit. Da die Atomindustrie mehr als zehn Jahre lang ihr Wissen um radioaktiv belastete Transportbehälter und Waggons zurückgehalten habe, sei es höchste Zeit, den Ausstieg aus der Atomenergie zu beginnen und das solare Zeitalter einzuläuten. Am Montag, 6. Juli, will sich Greenpeace mit einem Diavortrag um 20 Uhr im Forum 3, Gymnasiumstral3e 21, dafür einsetzen. Der Titel: "Castor - demnächst auch durch Ihr Wohngebiet". jos


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