Castor-Transporte durch Stuttgart -
Aktion "Gelbe Karte für OB Schuster"

Hintergrund
Neben dem Risiko eines GAU ist wohl das größte Problem der Atomenergie die Produktion von hochgiftigem und gefährlichem Atommüll - ein Problem, das noch für viele Jahre fortbestehen wird. Jährlich fallen ca. 450 - 500 Tonen abgebrannter Brennelemente an, die entsorgt werden müssen. Entsorgung heißt im Moment immer noch Wiederaufbereitung in den Anlagen von Sellafield (England) oder La Hague (Frankreich). Die Transporte verlagern das Problem nur, stellen aber keine Lösung dar. Im Gegenteil: Sie stellen ein erhebliches Gefahrenptential für die Bevölkerung dar. Diese Gefahr besteht auch für Stuttgart.
 

1998 gab es mehrere Transporte vom AKW Gundremmingen in Bayern nach La Hague. Der Transportweg führte über Stuttgart - quer durchs Stadtgebiet - und Saarbrücken in die Normandie.
Dabei fuhren die Castor-Behälter am Neckar entlang mitten durch Mettingen, Ober- und Untertürkheim, über den Viadukt in Bad Cannstatt und an Münster und Zazenhausen vorbei.
Viele Großstädte in Deutschland - wie z.B. Bonn, Frankfurt, Hannover und Köln - lehnen eine Durchfahrt von Atommülltransporten durch ihre Gemarkung ab und haben dies durch einen Gemeinderatsbeschluß dokumentiert.

 


© Hüdepohl



© Hüdepohl
 

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Schuster sah dies anders. Nach Aussage von Herrn Schuster lagen für diese Transporte alle erforderlichen Genehmigungen vor, wobei "alle sicherheitsrelevanten Faktoren geprüft wurden". Ein Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung sah er daher nicht. Da die Transporte von Bundes- und Landesbehörden genehmigt seien, gebe es keine rechtliche Möglichkeit, die Transporte durch die Gemarkung Stuttgart zu verbieten. Der von uns angeregte Beschluß des Gemeinderates hätte keine rechtliche Bindungswirkung. Eine entsprechende Abstimmung sei daher entbehrlich.

Aktion: Gelbe Karte für OB Schuster

Aus diesem Grund bekam OB Schuster die gelbe Karte gezeigt! Anfang des letzten Jahres führte das Rathaus eine Bürgerbefragung durch, bei der Kritik, Anregungen und Wünsche gegenüber der Stadt geäußert werden konnten. Die - auch im Original - gelben Bögen wurden von uns mit Wunsch und Forderung ausgefüllt.

Presseresonanz:
Cannstatter Zeitung & Esslinger Zeitung
Stuttgarter Zeitung

 

 

Aktion vor Rathaus


© Hühne
 

Die über 2.500 gelben Karten, die wir ab 21.02.1998 an nur drei Samstagen gesammelt hatten, übergaben wir am 12.03.1998 mit einer Aktion am Stuttgarter Rathaus der Stadtverwaltung. Wir entrollten ein Banner mit der Aufschrift "OB Schuster: 'Umweltschutz ist Chefsache' deshalb: Stoppen Sie den CASTOR" und beklebten die Eingangstür des Rathauses mit einigen der gesammelten gelben Karten.

Lesen Sie hierzu auch unsere Presseerklärung.

Presseresonanz:
Cannstatter Zeitung
Stuttgarter Nachrichten
Süddeutscher Rundfunk (RealAudio, 1:00 Minuten, 2 kB/s), RealPlayer 8 (download für Windows 95/98; 9,8 MB)

Greenpeace schreibt OB Schuster

Am 26. Juni schrieben wir dann Herrn Oberbürgermeister Schuster einen offenen Brief. Wir forderten Ihn auf seine Haltung seine Haltung zu ändern - auch aufgrund der in den Wochen davor an die Öffentlichkeit gekommenen Kontaminations -Skandal.

Presseresonanz:
Cannstatter Zeitung
Stuttgarter Nachrichten

Ergebnis
Wir haben mit dieser Kampagne eine große Öffentlichkeit erreicht. Leider konnten wir keinen Gemeinderatsbeschluss gegen CASTOR-Transporte durch Stuttgart erreichen. Dies war aber auch durch allzu starke Verbindungen zwischen der Stadtverwaltung und der Atomindustrie nicht wahrscheinlich.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 28.11.2006