Presseerklärung vom 10. Oktober 1998

Greenpeace ruft Verbraucher zum "Stromwechsel" auf

Stuttgart, 10.10.1998 - Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart ruft am heutigen Samstag ab 10 Uhr mit einer Aktion auf der Königstraße (Ecke Bolzstr.) alle Bürgerinnen und Bürger von Stuttgart und Umgebung auf, sich an der "Aktion Stromwechsel" zu beteiligen. Ziel der Verbraucheraktion ist es, den Bezug von sauberem, umweltfreundlich erzeugtem Strom rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr für alle Stromkunden möglich zu machen. Um die Bürger zu informieren und möglichst viele Verbraucher zum Mitmachen zu gewinnen, unterstützen die Umweltschützer ihre Forderungen mit 3 m hohen Nachbauten eines Atomkraftwerks und eines Windrades. Ein roter Umschalthebel dazwischen symbolisiert das Umschalten von Atomstrom auf "grünen" Strom.

"Sauberer Strom" ist Strom, der klimafreundlich und ohne Atomkraftwerke produziert wird. Mit der "Aktion Stromwechsel" nutzt Greenpeace die Chancen, die sich aus der Ende April erfolgten Liberalisierung des Strommarktes ergeben. Seit der Eröffnung des Wettbewerbs auf dem Energiemarkt kann jeder Stromkunde seinen Stromversorger frei wählen und somit direkt Einfluß auf die Art der Stromerzeugung nehmen. "Greenpeace fordert alle Verbraucher auf, den Atomstromkonzernen den Rücken zu kehren und sich für sauberen Strom zu entscheiden", sagt Matthias von Herrmann, Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

Der erste und wichtigste Schritt der "Aktion Stromwechsel" ist es, Absichtserklärungen der Verbraucher zu sammeln. Alle Stromkunden, die mitmachen wollen, erhalten von den Greenpeacern eine Postkarte, mit der sie erklären, daß sie sauberen Strom beziehen und zu einem "grünen" Stromversorger wechseln wollen. Dieser Stromversorger muß die Vollversorgung der Kunden mit klimafreundlichem Strom ohne Atomkraft garantieren. Zugleich wird Greenpeace Druck auf Politiker und Energieversorger ausüben, damit die derzeitige Benachteiligung "grüner" Stromanbieter beseitigt wird. Greenpeace hat auch ein Service-Telefon eingerichtet (040-30618-120), über das weitere Postkarten auch Hintergrundinformationen angefordert werden können.

Trotz der Öffnung des Strommarktes können die Verbraucher zur Zeit noch keinen ökologisch sauberen Strom zu einem fairen Preis beziehen. Denn die Bundesregierung hat es Industrie und Energiekonzernen selbst überlassen, die Preise für die Benutzung ihrer Stromnetze festzulegen. Das Ergebnis: Saubere Stromproduzenten müssen deutlich mehr für die Durchleitung ihres Stromes bezahlen als die Energiekonzerne, denen die Netze gehören. Gerade umweltfreundlicher Strom wird dadurch krass benachteiligt, obwohl das Energiegesetz einen "diskriminierungsfreien Zugang" zum Stromnetz vorschreibt. So kostet etwa die Durchleitung einer Kilowattstunde über eine Entfernung von 300 Kilometer für Windstrom rund 13 Pfennig und für Solarstrom sogar 16 Pfennig. Die Durchleitung von Atom- oder Kohlestrom dagegen kostet für dieselbe Dienstleistung weniger als sechs Pfennig.

In einem zweiten Schritt wird Greenpeace mit der "Aktion Stromwechsel" dafür sorgen, daß alle Mitmacher auch tatsächlich sauberen Strom beziehen können. "Das geht aber nur, wenn sauberer Strom preisgünstig und einfach durch die Netze der früheren Strom-Monopolisten zum Verbraucher kommen kann", fordert Matthias von Herrmann. Greenpeace hat ein Konzept erarbeitet, das beweist: Durch einen Mix aus 50% regenerativer Erzeugung (Wind, Biomasse, Wasser und Sonne) und 50% effizienter Stromerzeugung in Kraft-Wärme-gekoppelten Erdgas-Anlagen ist eine Vollversorgung möglich, bei der die klimaschädlichen Emissionen um zwei Drittel reduziert und der Bezug von Atomstrom vollständig eingestellt werden.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 09.08.2000