Presseerklärung vom 26. April 2005

Tausend Kerzen erinnern an die
Tschernobyl-Katastrophe vor 19 Jahren

Stuttgart, 26.04.2005, 1:23 Uhr - Aktivisten der Greenpeace-Gruppe Stuttgart erinnern heute mit tausend Kerzen auf dem Schlossplatz an die verheerende Katastrophe von Tschernobyl vor 19 Jahren. Die Kerzen bilden ein acht Meter großes Warnzeichen „Radioaktiv!“ und werden früh morgens um 1:23 Uhr – zum Zeitpunkt des Unfalls – entzündet. Eine unkontrollierte Kernschmelze, der „Super-GAU“, kann sich jederzeit wiederholen, auch in Mitteleuropa. Greenpeace fordert deshalb den sofortigen Ausstieg aus der hochgefährlichen und unnötigen Atomenergie.
„Durch den Super-GAU von Tschernobyl wurden allein zwei Millionen Kinder durch radioaktives Jod verseucht, knapp 20 Jahre danach versucht die Atom-Lobby, dieses Ereignis aus den Köpfen der Menschen zu verdrängen und hofft auf eine Renaissance der Atomenergie. Wir möchten mit dieser Mahnwache ein Zeichen gegen das Vergessen setzen“, sagt Tahir Karaca, Atomexperte der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. Denn die Folgen der Katastrophe sind noch heute spürbar: im Fleisch von bayerischen Wildschweinen lassen sich immer noch deutlich erhöhte Strahlenwerte feststellen.
Der „Atomkompromiss“ zwischen Bundesregierung und Atomwirtschaft weist in die richtige Richtung, greift aber zu kurz. Ein Reaktorunfall im dicht besiedelten Südwesten hätte tödliche Folgen für Millionen von Menschen. Dies würde die Tschernobyl-Katastrophe noch deutlich übertreffen.
Doch selbst bei reibungslosem Betrieb stellen hunderte Tonnen hochradioaktiven Mülls zukünftige Generationen vor Probleme, deren Lösung auch 35 Jahre nach Beginn der zivilen Atomkraft in Deutschland in weiter Ferne liegt. Eine Vielzahl von ökologischen Stromanbietern beweist, dass eine zuverlässige Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen bereits heute möglich und bezahlbar ist. Greenpeace fordert deshalb, alle verfügbaren Ressourcen in den sofortigen Umstieg auf erneuerbare Energien zu investieren und die Atomenergie in die Liste der industriepolitischen Irrwege einzureihen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 12.05.2005