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Presseerklärung vom 22. April 2006
20 Jahre nach dem Super-GAU
Folgen von Tschernobyl werden verharmlost
Stuttgart, 22.04.2006 - Mit Atommüllfässern, einem genähten
AKW und Fotografien von Menschen, die heute noch an den Folgen leiden,
erinnern Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Stuttgart an die Opfer des Super-GAUs
in Tschernobyl am 26. April 1986. Die Auswirkungen des Unfalls werden
außerdem veranschaulicht indem die Sperrzone und die radioaktive
Verseuchung um Tschernobyl auf Neckarwestheim projeziert werden.
Die gesundheitlichen Folgen der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl vor
20 Jahren sind viel weitreichender als bislang angenommen. Das geht aus
einem Bericht hervor, den die Umweltschutzorganisation Greenpeace am 18.
April in Kiew, Amsterdam und Berlin veröffentlichte. Genaue Opferzahlen
können nach dem Bericht nicht genannt werden, weil sich die gesundheitlichen
Folgen noch lange nicht abschließend beurteilen lassen. Klar wird
aber, dass die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen
Atomenergieorganisation (IAEO) mit 4.000 Toten ein zu harmloses Bild zeichnen.
Der Report fasst viele bislang im Westen nicht berücksichtigte Studien
unter anderem aus dem russischen Sprachraum zusammen.
„Keiner kann mit Bestimmtheit sagen, wie viele Menschen an den Folgen
von Tschernobyl sterben werden. Dazu sind die Auswirkungen der Radioaktivität
zu vielfältig und ist die Datenlage zu ungenügend. Deswegen
aber „nur“ von 4.000 Opfern zu sprechen, ist unverantwortlich“,
sagt Tahir Karaca von der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.
Auch zwei Jahrzehnte nach dem Unfall ist der Zustand des havarierten Reaktors
4 des Atomkraftwerkes Tschernobyl in der Ukraine noch katastrophal. Die
Schutzhülle aus Stahl und Beton, mit der die Reaktorruine von der
Umwelt abgeschottet werden soll, ist vom Einsturz bedroht. Sie wurde im
ersten halben Jahr nach der Reaktorkatastrophe hastig und unter schwierigsten
Bedingungen errichtet. Die Konstruktion ist instabil. In der Außenwand
klaffen Löcher, durch die der Wind radioaktiven Staub herausbläst
und Regenwasser eindringt. Würde der Reaktor einstürzen, würde
eine radioaktive Staubwolke die Menschen in der Region erneut bedrohen
und zusätzlichen Strahlenbelastungen aussetzen. Bis heute gibt es
kein Gesamtkonzept zur langfristigen Absicherung der Ruine. Das macht
ein weiterer von Greenpeace im April 2006 vorgelegter Bericht deutlich.
„Damit überlassen wir die Probleme von Tschernobyl den nachfolgenden
Generationen, weil niemand in der Lage ist, die Folgen der Katastrophe
auch nur annähernd zu lösen“, erklärt Tahir Karaca.
„Die Baustelle Tschernobyl zeigt: Wir Menschen beherrschen nicht
einmal die Aufräumarbeiten eines Atomunfalls. Geschweige denn die
Atomkraft selber.“
Greenpeace fordert, alle Atomkraftwerke so schnell wie technisch möglich
abzuschalten und die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) umzuwandeln:
Sie soll nicht länger die zivile Nutzung der Atomkraft fördern,
sondern den weltweiten Ausstieg aus der Atomkraft beaufsichtigen.

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Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung:
05.05.2006
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