Presseerklärung vom 14. April 2011

Greenpeace überreicht Plan für Energiewende an Ministerpräsident Stefan Mappus

Berechnungen bestätigen: Atomausstieg bis 2015 realistisch

Stuttgart, 14.04.2011 - Einen Tag vor dem Energiegipfel in Berlin übergibt Greenpeace Stuttgart dem noch amtierenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) das neue Greenpeace-Energiekonzept „Der Plan“. Dieses bestätigt: die Stilllegung der 17 deutschen Atomkraftwerke (AKW) kann bis 2015 erfolgen, ohne dass dadurch negative Folgen für die Sicherheit der Stromversorgung, den Klimaschutz oder die Energiekosten entstehen. In Baden-Württemberg müssten dafür von 2011 bis 2013 vier AKW abgeschaltet und die Windenergie schneller ausgebaut werden als bisher geplant. Die Aktivisten stehen mit einem Atom-Zeichen, das zu einem dreidimensionalen Windrad gefaltet ist, vor der Villa Reizenstein. Sie appellieren: „Deutschland ist erneuerbar“ und fordern Ministerpräsident Stefan Mappus auf, sich beim Energiegipfel für einen Atomausstieg bis 2015 einzusetzen.

„Wenn Regierung und Opposition morgen im Kanzleramt über den Atomausstieg diskutieren, müssen sie sich am Machbaren orientieren. Für den Betrieb eines einzigen Atommeilers über 2015 hinaus gibt es keine Rechtfertigung“, sagt Tahir Karaca, Energie-Ansprechpartner von Greenpeace Stuttgart. „Stefan Mappus muss die Sicherheit der Bürger über die Interessen der AKW-Betreiber stellen und darf sich einer nachhaltigen Entwicklung von Baden-Württemberg nicht in den Weg stellen.“

Wenn die 17 deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden, müssen Kraftwerkskapazitäten von 21.000 Megawatt ersetzt werden. In jahres- und kraftwerksgenauen Berechnungen legt Greenpeace dar, wie dies in jedem Jahr und zu jeder Zeit ohne Stromimporte gewährleistet werden kann. Die Basis der Berechnungen sind Zahlen aktueller Kraftwerksplanung des Bundesverbands für Energiewirtschaft.

Der zu ersetzende Strom kommt überwiegend aus Windstrom- und Solaranlagen sowie geplanten und schon im Bau befindlichen Gaskraftwerken, der Brückentechnologie für eine Energieversorgung ohne Atomkraft und Kohlekraft. In Baden-Württemberg müssten vier AKW abgeschaltet werden: die in einem Erdbebengebiet liegenden AKW Neckarwestheim 1 und 2 sowie Philippsburg 1 sofort und Philippsburg 2 2013. Baden-Württemberg muss vor allem einen schnellen Ausbau der Windenergie vorantreiben. Bis 2020 könnte der Bestand an Windkraftanlagen verfünffacht werden.

Die Berechnungen haben zudem ergeben, dass weniger Kohlekraftwerke benötigt werden als zur Zeit im Bau und in Planung sind. Zusätzliche Kohlekraftwerke werden nicht gebraucht, ab 2013 kann sogar mit der Abschaltung alter, besonders klimaschädlicher Kohlekraftwerke begonnen werden.

Die sieben ältesten AKW, inklusive Neckarwestheim 1, und Krümmel können abgeschaltet bleiben, Neckarwestheim 2 kann 2011 stillgelegt werden und zwischen 2012 bis 2015 können jedes Jahr zwei weitere Reaktoren vom Netz gehen. Dies ist möglich, weil im bestehenden Kraftwerkspark Überkapazitäten bestehen und bereits 20 neue Erdgaskraftwerke und 10 Windparks auf dem Meer in Bau und Planung sind.



Webmaster, Greenpeace Stuttgart - letzte Änderung: 17.04.2011