Atom-Protest und Pressekonferenz am Landtag

Hintergrund

Das Atomkraftwerk Neckarwestheim I rund dreißig Kilometer nördlich von Stuttgart ist eines der störanfälligsten in Deutschland. Der Betreiber, der Energie-Konzern EnBW, ist sich der technischen Mängel seines Alt-Reaktors bewusst. Die EnBW hat deshalb 2007 beim baden-württembergischen Umweltministerium dringend notwendige Sicherheitsnachrüstungen beantragt - die Bearbeitung dieser Anträge wurde aber vom Ministerium ohne triftigen Grund verschleppt.
Nach dem schweren Erdbeben und der verheerenden Flutwelle in Japan am 11. März 2011, gab es im Atomkraftwerk Fukushima eine Reihe von Explosionen und Kernschmelzen. Daraufhin kam es in Deutschland zu zahlreichen Protesten gegen Atomenergie - so bildeten am 12. März 2011 rund 60.000 Menschen eine Anti-Atom-Kette von Neckarwestheim nach Stuttgart. Wegen der Atomkatastrophe in Japan und der Massenproteste in Deutschland beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung am 14. März 2011, die von ihr selbst beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke zurückzunehmen und die ältesten Reaktoren für drei Monate vorübergehend vom Netz zu nehmen.

Protest-Aktion

Vor diesem Hintergrund haben wir am 15.03.2011 in der Bannmeile des baden-württembergischen Landtags in Stuttgart gegen die Atompolitik der Landesregierung von Ministerpräsident Stefan Mappus protestiert. Das Land ist seit Dezember 2010 größter Anteilseigner der EnBW und muss den Ausstieg aus der Atomenergie selbst aktiv vorantreiben.

Zwei Banner trugen die Aufschriften: "Atomkraft ist ein Irrweg, Herr Mappus" und "Nur Stilllegen bringt Sicherheit!".


© Joachim Röttgers/ graffiti/ Greenpeace



© Joachim Röttgers/ graffiti/ Greenpeace

Nach einiger Zeit komplimentierten uns herbei geeilte Polizisten wieder aus der Bannmeile des Landtags heraus. Es war nicht unser erster Protest am Landtag - bereits im März 2010 hatten wir gegen die Atompolitik der Landesregierung protestiert.

Noch am selben Tag kündigte die EnBW in einer Stellungnahme an, zumindest den maroden Alt-Reaktor Neckarwestheim I endgültig stillzulegen. Auch Mappus erklärte, dass der Reaktor nicht wieder in Betrieb geht.


© Joachim Röttgers/ graffiti/ Greenpeace
Greenpeace-Studie

Bereits einen Tag später, am 16.03.2011, legten wir nach - und der Schauplatz war erneut der baden-württembergische Landtag in Stuttgart! Die Stilllegung des Atomkraftwerks Neckarwestheim I reicht nicht aus - Greenpeace fordert, alle EnBW-AKWs vom Netz zu nehmen. Wir stellten auf einer Pressekonferenz die Studie "EnBW: Perspektiven eines Energiekonzerns" (PDF-Datei, 678 kB) vor, die der Energiewissenschaftler Prof. Uwe Leprich für Greenpeace erarbeitet hatte.

In der Studie erläutert Leprich, wie sich der EnBW-Konzern nach einem Atomausstieg neu orientieren kann. Ohne eine konsequente Neuausrichtung des Geschäftsmodells droht die EnBW zum Sanierungsfall zu werden. Lesen Sie hierzu auch unsere Presseerklärung.


am Tisch sitzend von links: Roland Hipp (Greenpeace), Prof. Uwe Leprich, Andree Böhling und Jan Haase (beide Greenpeace)
© Joachim Röttgers/ graffiti/ Greenpeace

Ergebnis

Die Protest-Aktion am 15.03.2011 und die Pressekonferenz am 16.03.2011 am baden-württembergischen Landtag fanden ein breites Medienecho. So berichteten die Stuttgarter Zeitung sowie die Hörfunk-Programme und das Fernsehen des Südwestrundfunks über Protest und Pressekonferenz.

Noch am 15. März 2011 kündigte der Energie-Konzern EnBW in einer Stellungnahme an, das Atomkraftwerk Neckarwestheim I endgültig stillzulegen. Auch der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus erklärte, dass der Alt-Reaktor nicht wieder in Betrieb genommen wird.

Download
In der Greenpeace-Studie "EnBW: Perspektiven eines Energiekonzerns" (PDF-Datei, 678 kB) wird beschrieben, wie sich der Konzern nach einem Atomausstieg neu orientieren kann.
Die Greenpeace-Studie: "Klimaschutz: Plan B. Nationales Energiekonzept bis 2020" (PDF-Datei, 1.090 kB) zeigt, wie sich Klimaschutz mit alternativen Energien verwirklichen lässt.
In unserem Infoblatt "Atomenergie: keine Rettung für das Klima" (PDF-Datei, 190 kB) widerlegen wir das Argument, dass Atomkraftwerke einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten.
Lesen Sie zu den langfristigen Problemen durch die ungeklärte Endlagerung des Atommülls unsere Hintergrund-Broschüre "Atomkraft - schweres Erbe für die Zukunft", (PDF-Datei, 1.440 kB).


Webmaster, Greenpeace Stuttgart - letzte Änderung: 19.03.2011