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Presseerklärung vom 28. Februar 2011
Nachlässigkeit bei Atomaufsicht?
Aktivisten protestieren am Kühlturm
Atomaufsicht verschleppt erforderliche Nachrüstungen und
gefährdet Bevölkerung
Neckarwestheim, 28.02.2011 - Greenpeace-Kletterer entrollen in diesen
Minuten am Kühlturm des AKW-Neckarwestheim ein 500 Quadratmeter großes
Transparent mit der Aufschrift "Atomkraft schadet dem Ländle".
Die Aktivisten protestieren damit gegen die mangelhafte Atomaufsicht in
Baden-Württemberg. Der Reaktor Neckarwestheim 1 hat im Januar eine
Laufzeitverlängerung von acht Jahren erhalten, ohne dass dringend
notwendige Sicherheitsnachrüstungen vorgenommen wurden, die der Betreiber
beantragt hatte. Die unabhängige Umweltorganisation Greenpeace fordert
die sofortige Abschaltung des AKW.
"Neckarwestheim 1 ist unsicher und veraltet. Über Jahre wurden
notwendige Sicherheitsnachrüstungen von Umweltministerin Tanja Gönner
verschleppt und entsprechende Anträge verheimlicht", sagt Tobias
Riedl, Atomexperte von Greenpeace. "Man hat den Eindruck, dass die
Kehrwoche in Baden-Württemberg schärfer kontrolliert wird, als
die Sicherheit von Atomkraftwerken. Die Ministerin muss den Menschen endlich
die Wahrheit über den Zustand des Meilers sagen."
In der vergangenen Woche hatte Greenpeace ein Schreiben von EnBW an
das Landesumweltministerium Baden-Württemberg veröffentlicht.
In diesem Dokument stellt der Betreiber des Reaktors schon 2007 einen
Antrag auf Sofortvollzug verschiedener Sicherheitsnachrüstungen für
Neckarwestheim 1, da diese Maßnahmen im öffentlichen Interesse
und zwingend erforderlich seien. Der Antrag liegt Umweltministerin Tanja
Gönner (CDU) seit 41 Monaten vor, ohne dass die Maßnahmen umgesetzt
wurden.
Umweltministerin Gönner bestätigte am 16. Februar, dass es
Sicherheitsmängel in Neckarwestheim1 gibt. Deshalb forderte sie vom
Betreiber ultimativ eine Nachrüstliste. Gleichzeitig bleibt völlig
unklar, wieso Gönner den ihr seit Jahren vorliegenden EnBW-Nachrüstantrag
verschleppt. "Bei Gönners Atomaufsicht scheint etwas faul zu
sein. Sie muss die Widersprüche sofort Aufklären und die ihr
offensichtlich vorliegende Mängelliste des Reaktors veröffentlichen",
sagt Riedl.
Beim Rückkauf der EnBW-Anteile durch das Land hat sich Ministerpräsident
Stefan Mappus (CDU) in eine Zwickmühle gebracht: Ohne Gewinne aus
dem abgeschriebenen Meiler Neckarwestheim wackelt die Finanzierungsstrategie,
mit der EnBW-Dividende die Zinsen für zwei Milliardenanleihen zu
decken. Teure Sicherungsmaßnahmen oder die Stilllegung des Reaktors
würden die Dividende schmälern. "Frau Gönner scheint
unter dem Druck zu stehen, die Kosten in Neckarwestheim zu minimieren.
Aber die Sicherheit der Bürger darf nicht Opfer des Dividendendrucks
werden", so Riedl.
Block 1 des Atomkraftwerks Neckarwestheim ist der erste Reaktor, der
die verlängerten Laufzeiten nutzt. Im Januar hatte er die im rot-grünen
Ausstiegsvertrag vereinbarten Reststrommengen aufgebraucht. Der Meiler
ist der zweitälteste Deutschlands und besonders unsicher, da er bauartbedingt
erhebliche Sicherheitsmängel aufweist. So ist er beispielsweise wegen
seiner nur wenige Zentimeter dünnen Reaktorhülle nicht ausreichend
gegen einen Flugzeugabsturz geschützt.

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Greenpeace Stuttgart - letzte Änderung:
28.02.2011
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