Stuttgarter Nachrichten vom 8. April 1998

Erdöl zerstört das Leben im Meer

Greenpeace-Ausstellung im Schloß Rosenstein zeigt Probleme und Alternativen

Öl - das schwarze Gold der Erde - beschäftigt Greenpeace noch immer. In einer Ausstellung im Museum Schloß Rosenstein will die Umweltorganisation auf die Dringlichkeit der Probleme, die der fossile Energieträger birgt, aufmerksam machen - jedoch nicht, ohne auch Alternativen aufzuzeigen.

VON CLAUDIA BRAUN

Die Risiken des Erdöls fangen bereits bei der Förderung an: Bei den von Greenpeace untersuchten Meeresbodenproben, die direkt bei Ölplattformen in der Nordsee entnommen wurden, waren "Lebensspuren nicht zu erkennen". Beate Scharr, Ölexpertin bei Greenpeace, sieht auch noch andere Gefahren, die vom Erdöl ausgehen. Auf dem Transportweg gehen laut Greenpeace drei bis vier Millionen Tonnen Öl im Meer verloren. Davon stammen nur rund fünf Prozent von Tankerunfällen, der Rest wird beim Auswaschen der Tanks ins Meer gespült. Einmal am Ziel angekommen, trägt Öl in seinen raffinierten Formen maßgeblich zum Treibhauseffekt bei. Das von der Uno eingesetzte Gremium Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) weist darauf hin, daß sich die Durchschnittstemperatur auf der Erde seit den Anfängen der Industrialisierung vor 200 Jahren um etwa 0,5 Grad erhöht hat. Macht die Menschheit mit ihrem Energieverbrauch so weiter, wird nach Berechnungen der Klimaexpeften die Erdtemperatur pro Jahrzehnt um weitere 0,2 bis 0,3 Grad steigen. Um ein Zeichen für die Automobilindustrie zu setzen, hat Greenpeace mit einfachen Mitteln den Benzinverbrauch eines Renault Twingo um die Hälfte auf 3,3 Liter reduziert. Auf das Auto mit optimierter Aerodynamik, weniger Gewicht und einem verbesserten Motor hat die Industrie jedoch nicht reagiert. In einem weiteren Projekt entwickelte die Umweltorganisation die Solaranlage Cyrus. Das Besondere: Sie ist um 40 Prozent billiger als andere Anlagen und produziert rund 2000 Kilowattstunden Solarstrom im Jahr - rund die Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs eines Vier-Personen-Haushaltes.

Die Ausstellung im Schloß Rosehstein ist bis zum 3. Mai zu sehen. Wochentags können Führungen über Telefon 89 36- 263 vereinbart werden.

Foto zum Artikel
© Uli Kraufmann, Stuttgarter Nachrichten
 

Die Umweltverschmutzung fängt schon an der Quelle an
416 Plattformen in der Nordsee fördern jährlich rund 205 Millionen Tonnen Erdöl. Der sonst hell-braune, sandige Meeresboden um die Stahlkolosse ist nach Untersuchungen von Greenpeace rot-schwarz verfärbt. Spuren von Lebewesen seien nicht zu erkennen.

PS: Diese Ausstellung zeigten wir im Schloss Rosenstein und im Juni 1998 in der Volkshochschule Stuttgart.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 08.08.2000