Greenpeace-Kriterien für Stromanbieter

Kein Atomstrom, kein Strom aus Kohle oder Erdöl

Dies ist die Grundvoraussetzung dafür, dass es sich bei einem Stromtarif überhaupt um Ökostrom handelt. Nur so lässt sich das Ziel, den CO2-Ausstoß zu vermindern und aus der Atomwirtschaft auszusteigen, verwirklichen.

Natürlich wird bei der Kraftwärmekopplung weiterhin CO2 erzeugt, aber deutlich weniger als in herkömmlichen Kraftwerken. Also kann auch durch den Ausbau der KWK CO2eingespart werden. Mit einer gegebenen Geldsumme lässt sich sogar mehr CO2 einsparen, wenn sie in KWK-Anlagen investiert wird als wenn sie in den Ausbau von REG-Strom-Anlagen investiert wird - einfach, weil letztere noch teurer sind. Langfristig gesehen ist jedoch eine rein regenerative Stromerzeugung vorzuziehen, denn dabei entstehen gar keine CO2-Emissionen. Wünschenswert wäre weiterhin ein Anteil von mindestens 1% Fotovoltaik, um diese noch sehr teure und unbedeutende aber in Zukunft sehr wichtige Art der Stromerzeugung zu fördern.

Mindestens 50 Prozent regenerative Energiequellen, der Rest aus Kraft-Wärme-Kopplung
Das Potenzial der regenerativen Energiequellen ist sehr groß, es muss aber auch gezielt gefördert werden. Auf der anderen Seite ist die Stromerzeugung aus einigen regenerativen Energiequellen noch sehr teuer (z.B. Fotovoltaik). Daher ist eine 100%ige Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen zur Zeit nicht möglich. Greenpeace fordert daher, dass mindestens 50% des Stroms aus regenerativen Energiequellen stammen, der Rest muss aus effizienten Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen kommen, die notfalls mit Erdgas oder besser mit Biogas/Biomasse befeuert werden.
Bau von Neuanlagen für Strom aus regenerative Energiequellen
Zur Zeit wird in Deutschland ca. 6% des Stromverbrauchs regenerativ erzeugt, davon 4% aus Wasserkraft und 2% aus Windkraft. Bisher gibt es erst einige zehntausend Kunden von Ökostromanbietern, die zusammen viel weniger als diese 6% verbrauchen. Es wäre also möglich, noch viel mehr Ökostromkunden zu versorgen, ohne dass damit mehr Strom umweltfreundlich erzeugt wird. Erst, wenn die Nachfrage nach Ökostrom größer wird als das Angebot, müssen für neue Ökostromkunden auch neue Anlagen gebaut werden. Viele große Unternehmen wie z. B. eon mit "Aquapower" verkaufen nun einfach ihren sowieso vorhandenen Anteil von Ökostrom gesondert (und teurer) an Kunden, die glauben, damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Ein Nutzen für die Umwelt entsteht aber durch diese Art des Ökostromhandels nicht, nur der Umsatz der Konzerne erhöht sich. Nur, wenn der Ökostromhändler sich verpflichtet, neue Anlagen zu bauen, das heißt, seine Kunden zu einem gewissen Teil, oder innerhalb eines bestimmten Zeitraumes aus neugebauten Anlagen zu versorgen, bewirkt der gesonderte Verkauf von Ökostrom auch wirklich einen zusätzlichen Umweltnutzen.
Keine Verflechtung mit Atom-, Kohle- oder Erdöl-Industrie
Wir sind der Meinung, dass ein Stromkonzern sich nur dann glaubwürdig für eine Energiewende einsetzen kann, wenn er nicht mit der Atomwirtschaft verflochten ist und dadurch in Interessenkonflikte geraten könnte. Dies gilt auch für die Mutterkonzerne oder Eigner von Aktienmehrheiten. Es gibt Modelle des Ökostromhandels, bei denen der Kunde zwar pro verbrauchter kWh einen bestimmten Betrag für neue REG-Strom-Anlagen spendet (Aufpreismodelle), aber weiterhin von seinem bisherigen Stromversorger beliefert wird, also mit Kohle- und Atomstrom. Diese Modelle sind zwar sehr positiv für den Ausbau erneuerbarer Energien, aber der Kunde bleibt trotzdem von seinem alten Versorger abhängig, dieser verdient also weiterhin an ihm. Eine wirklich unabhängige Versorgung mit umweltfreundlichem Strom ist nur gegeben, wenn der Strom zeitgleich zum Verbrauch geliefert wird.
Zeitgleiche Vollversorgung ohne Dumping-Preise
Ökostrom kostet zur Zeit noch mehr als konventioneller Strom, denn dieser ist viel billiger als er wäre, wenn die Verursacher von Umwelt- und Gesundheitsschäden für die entstandenen Kosten aufkommen müssten. Versuche, Ökostrom zu Preisen anzubieten, die mit denen von Kohle- und Atomstrom vergleichbar sind, gehen oftmals zu Lasten der Qualität des Strommixes, es wird meist auf billigere große Wasserkraftanlagen gesetzt. Auch basieren solche billigen Tarife auf der Annahme stark sinkender Durchleitungsgebühren. Bleiben diese jedoch weiterhin so hoch wie bisher, sind die Preise nicht haltbar. Es entsteht somit der Verdacht, dass mit den niedrigen Preisen nur Kunden angelockt werden sollen, eine langfristige Perspektive für das Stromangebot jedoch nicht besteht. Dadurch wird der Wettbewerb zu Ungunsten anderer Ökostromhändler verzerrt, die mit ehrlich kalkulierten Preisen aufwarten.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 01.02.2004