Presseerklärung vom 15. Juni 2005

Schiller war schon damals schlauer

Greenpeace protestiert gegen den politischen Stillstand bei der Förderung von Dieselrußfiltern.

Stuttgart, 15.06.2005 - Zum Schillerjahr protestieren Aktivisten der Greenpeace-Gruppe Stuttgart heute um 10:30 Uhr gegen den politischen Stillstand bei der Förderung von Dieselrußfiltern. Das Denkmal von Friedrich Schiller auf dem Schillerplatz trägt eine Staubschutzmaske, das Banner zitiert aus dem Vorwort zu Schillers "Historischen Memoiren": "kostbare Denkmäler, für die Ewigkeit gegründet, sinken in den Staub". Das zweite Banner stellt den aktuellen Bezug her: "Feinstaub macht Krebs". Anschließend erhält auch der "Denkpartner" vor dem Friedrichsbau eine Schutzmaske. Greenpeace fordert, die steuerliche Förderung für die Nachrüstung von Altfahrzeugen auf 1.000 Euro anzuheben und die Nachrüstung verpflichtend vorzuschreiben.

"Wir können nicht weiter zusehen, wie jedes Jahr 65.000 Menschen an den Folgen von Dieselruß sterben, während eine tragfähige Lösung zur Förderung von Rußfiltern im Finanzgerangel zwischen Bund und Ländern hängen bleibt.", sagt Stephan Gekle, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. "Politik und Autolobby haben lange genug taktische Spielchen auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen, jetzt müssen sie endlich handeln!"

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jeden Tag bundesweit rund 180 Menschen an Erkrankungen, die durch Dieselruß und andere Feinstäube verursacht werden. Eine EU-Richtlinie schreibt seit Anfang des Jahres vor, dass eine Feinstaubkonzentration von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf. In Stuttgart wurde dieser Grenzwert bereits am 13. März erreicht.

Aufgrund der Kessellage ist die Situation in den Straßenschluchten der Landeshauptstadt besonders dramatisch. "In Stuttgart wurde zwar die erste Motorkutsche gebaut, aber dass wir auch die erste deutsche Stadt sind, in der die Feinstaub-Grenzwerte überschritten wurden - das ist ein trauriger Rekord!", sagt Stephan Gekle.

Greenpeace fordert, die steuerliche Förderung für die Nachrüstung von Altfahrzeugen auf 1.000 Euro anzuheben. Hierbei dürfen jedoch nur die hochwirksamen geschlossenen Partikelfilter gefördert werden, die bis zu 99 Prozent der schädlichen Partikel ausfiltern. Die bisher beschlossenen 250 Euro Förderung reichen nur für billigere, aber weitgehend unwirksame Modelle. Außerdem soll eine Nachrüstung innerhalb von drei Jahren verpflichtend vorgeschrieben werden.

Durch Aktionen wie dem Verhüllen des Mercedes-Sterns auf dem Stuttgarter Hauptbahnhof mit einer rosaroten Schweinemaske im November 2002 setzt sich Greenpeace seit langem für das Umrüsten von Dieselfahrzeugen auf moderne Filtertechnik ein. Ein von Greenpeace selbst nachgerüsteter Mercedes C220 läuft seit drei Jahren mit einem Filter und ist seitdem rund 100.000 Testkilometer ohne Probleme gefahren.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 17.06.2005