| Zu Beginn der Woche protestierte Greenpeace bereits
auf die gleiche Weise gegen die Abgaspolitik von Audi und BMW, für
die kommenden Tage sind noch Aktionen bei Porsche und Volkswagen
geplant
Die Klimaschützer kritisieren mit ihrer Aktion die CO2-Emissionen
im deutschen Autohandel. Denn obwohl sich die europäischen
Hersteller 1998 selbst dazu verpflichteten, den durchschnittlichen
Kohlendioxidausstoß bei Neuwagen binnen zehn Jahren auf 140
Gramm pro Kilometer zu reduzieren, ist die deutsche Autoindustrie
noch weit entfernt. So liegt die durchschnittliche CO2-Emission
der in diesem Jahr produzierten Mercedes bei 184 Gramm, was einem
Verbrauch von acht Litern Benzin auf 100 Kilometer entspricht. Bei
BMW liegt der Abgaswert im Schnitt bei 190 Gramm, Porsche-Modelle
stoßen durchschnittlich sogar 297 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer
aus.
Auf der im September stattfindenden Automobilmesse IAA wird ebenfalls
kaum einer der vorgestellten Neuwagen den Grenzwert erreichen. "Es
sind vor allem die deutschen Unternehmen, die aus der Selbstverpflichtung
eine Luftblase machen", sagt Marc Specowius, Verkehrsexperte
von Greenpeace. "Ein M-Klasse-Mercedes mit einem CO2-Ausstoß
von bis zu 392 Gramm ist ein richtiges Klimaschwein." Der Automobil-Hersteller
reagierte auf die Protestaktion der Umweltschützer offensiv.
Pressesprecher Christoph Horn verwies auf die neuen, CO2-ärmeren
Modelle von DaimlerChrysler wie dem 160 cdi oder dem Smart, der
mit Abgaswerten von 88 Gramm den Automarkt anführe. Auch der
Umweltbevollmächtigte des Konzerns, Herbert Kohler, suchte
das Gespräch mit den Umweltschützern. "Bei uns spielt
die Abgasdebatte eine ganz wesentliche Rolle in der Zukunftsplanung,
und dafür ist der Dialog mit Umweltschützern wichtig."
Greenpeace-Pressesprecher Jens Haase lobte anschließend die
Aufgeschlossenheit auf Seiten des Autoherstellers. "Das war
bisher das erste konstruktive Gespräch auf unsere Aktion hin."
Sowohl die Umweltorganisation als auch DaimlerChrysler bemängelten
das fehlende tatsächliche Interesse der Öffentlichkeit
am Thema Klimaschutz. "Für unseren jährlich veröffentlichten
Nachhaltigkeitsbericht interessieren sich nur wenige Kunden so richtig",
sagt DaimlerChrysler-Sprecher Horn. Das sei für viele wie ein
Feigenblatt. Greenpeace-Aktivisten sehen die soziale Verantwortung
jedoch bei den Autoherstellern. Als Meinungsbildner müssten
diese den Kunden auf die Abgasproblematik aufmerksam machen und
umweltschonende Autos stärker vermarkten.
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