Stuttgarter Nachrichten vom 26. Juli 2007

"Klimaschweine" für die Autobauer

Greenpeace protestiert auch bei DaimlerChrysler gegen CO2-Werte

von Astrid Langer

Stuttgart - Die Umweltorganisation Greenpeace wirft dem DaimlerChrysler-Konzern vor, zu wenig gegen die hohen Abgaswerte seiner Fahrzeuge zu unternehmen.

Vor dem Werktor in Untertürkheim bauten die 15 Aktivisten einen Mercedes-Geländewagen, eine A-Klasse sowei einen Samt mit rosa Farbe, Schweinsohren und -nasen zu "Klimaschweinen" um, um auf die ihrer Meinung nach zu hohen Abgaswerte aufmerksam zu machen. Hinter den Fahrzeugen waren bis zu sieben Meter hohe und neun Meter lange Stoffwolken aufgeblasen, die den übermäßigen Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) der Autos darstellen sollten.



Greenpeace-Proteste bei Daimler in Untertürkheim
Foto: F. Kraufmann

Zu Beginn der Woche protestierte Greenpeace bereits auf die gleiche Weise gegen die Abgaspolitik von Audi und BMW, für die kommenden Tage sind noch Aktionen bei Porsche und Volkswagen geplant
Die Klimaschützer kritisieren mit ihrer Aktion die CO2-Emissionen im deutschen Autohandel. Denn obwohl sich die europäischen Hersteller 1998 selbst dazu verpflichteten, den durchschnittlichen Kohlendioxidausstoß bei Neuwagen binnen zehn Jahren auf 140 Gramm pro Kilometer zu reduzieren, ist die deutsche Autoindustrie noch weit entfernt. So liegt die durchschnittliche CO2-Emission der in diesem Jahr produzierten Mercedes bei 184 Gramm, was einem Verbrauch von acht Litern Benzin auf 100 Kilometer entspricht. Bei BMW liegt der Abgaswert im Schnitt bei 190 Gramm, Porsche-Modelle stoßen durchschnittlich sogar 297 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus.
Auf der im September stattfindenden Automobilmesse IAA wird ebenfalls kaum einer der vorgestellten Neuwagen den Grenzwert erreichen. "Es sind vor allem die deutschen Unternehmen, die aus der Selbstverpflichtung eine Luftblase machen", sagt Marc Specowius, Verkehrsexperte von Greenpeace. "Ein M-Klasse-Mercedes mit einem CO2-Ausstoß von bis zu 392 Gramm ist ein richtiges Klimaschwein." Der Automobil-Hersteller reagierte auf die Protestaktion der Umweltschützer offensiv. Pressesprecher Christoph Horn verwies auf die neuen, CO2-ärmeren Modelle von DaimlerChrysler wie dem 160 cdi oder dem Smart, der mit Abgaswerten von 88 Gramm den Automarkt anführe. Auch der Umweltbevollmächtigte des Konzerns, Herbert Kohler, suchte das Gespräch mit den Umweltschützern. "Bei uns spielt die Abgasdebatte eine ganz wesentliche Rolle in der Zukunftsplanung, und dafür ist der Dialog mit Umweltschützern wichtig." Greenpeace-Pressesprecher Jens Haase lobte anschließend die Aufgeschlossenheit auf Seiten des Autoherstellers. "Das war bisher das erste konstruktive Gespräch auf unsere Aktion hin."
Sowohl die Umweltorganisation als auch DaimlerChrysler bemängelten das fehlende tatsächliche Interesse der Öffentlichkeit am Thema Klimaschutz. "Für unseren jährlich veröffentlichten Nachhaltigkeitsbericht interessieren sich nur wenige Kunden so richtig", sagt DaimlerChrysler-Sprecher Horn. Das sei für viele wie ein Feigenblatt. Greenpeace-Aktivisten sehen die soziale Verantwortung jedoch bei den Autoherstellern. Als Meinungsbildner müssten diese den Kunden auf die Abgasproblematik aufmerksam machen und umweltschonende Autos stärker vermarkten.



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 08.08.2007