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Greenpeace verlängerte Fußgängerzone"Autos raus aus der Stadt" - Naturschützer blockierten Straße in Stuttgart(ka) - Ihren Augen wollten am Samstag viele Einkaufswillige in der Stuttgarter Innenstadt nicht trauen, als plötzlich die Fußgängerzone erweitert wurde. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace organisierte die Verlängerung unter dem Motto "Autos raus aus der Stadt". Punkt 11 Uhr wurde der Bereich der oberen Königstraße zwischen Marien- und Tübinger Straße von 70 Mitgliedern der Greenpeace-Kontaktgruppen aus Stuttgart und Umgebung mit Spruchbändern abgesperrt. Dies führte zu teilweise heftigen Reaktionen unter den betroffenen Autofahrern. Die Situation spitzte sich zu, als ein genervter Fahrer die Absperrung durchbrach. Eine Entspannung trat erst dann ein, als Greenpeace-Mitglieder "Verkehrsberuhigungs-Brezeln" verteilten und sich um die Umleitung der Autos kümmerten. Auf dem von Autos befreiten Bereich der Straße veränderte sich die Lage grundlegend: wo wenige Minuten zuvor noch lange Blechkolonnen im mühsamen Stop-and-go vorwärtskamen, fand ein Volleyball-Spiel statt; Jongleure zeigten ihr Können und selbst ein symbolisch aus Topfpflanzen gebildetes Blumenbeet nebst Gartenmöbeln fehlte nicht. Nach anfänglicher Verblüffung genossen die Passanten die neue Bewegungsfreiheit und verkürzten das Warten auf ihre Busse, die bereitwillig durch die Abschrankung geschleust wurden, mit Volleyball spielen. Auf Flugblättern und im Gespräch informierten die Greenpeace-Mitglieder über Sinn und Zweck der Aktion. Zugleich wurden Interessenten aufgefordert, auf einem Fragebogen ihre Meinung zu äußern. Fahrradfahrer und Rollschuhläufer waren ebenso in ihrem Element wie die Kinder, denen der schwarze Asphalt ein Betätigungsfeld für Kreidemalereien bot. Wie Greenpeace-Sprecher Markus Höninger bekanntgab, war diese bundesweit in mehreren Großstädten durchgeführte Innenstadtsperrung der Auftakt einer Kampagne mit dem Ziel, die Innenstädte autofrei zu machen. Nahziele seien weitere Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, eine Parkraumreduzierung im Innenstadtbereich zugunsten von Freiräumen für Kinder und Erwachsene und der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel. Hier werde Halbpreis-Abonnements für die Bundesbahn gefordert, Umwelttickets für den Innenstadtbereich, flächendeckende Stadtbahnnetze, kürzere Fahrtakte und kostenlose Mitnähme von Fahrrädern. Die Reaktionen der Passanten waren fast ausschließlich positiv, wenngleich sich einige Geschäftsleute gegen die vollkommene Verbannung der Autos aus der Innenstadt wandten. Die Forderung zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrssystems traf auf einhellige Zustimmung. Um 13 Uhr wurden die Absperrungen wieder beseitigt, und die Polizei, die kurz nach Aktionsstart die Umleitung übernommen hatte, gab den Verkehr wieder frei. Wie die Polizei mitteilte, hielten sich die Auswirkungen der Aktion auf den übrigen Verkehr in Grenzen. Die Verkehrsblockade in der Landeshauptstadt habe bei den Bürgern "erheblichen Zuspruch" gefunden.
Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 24.09.2000 |