Stuttgarter Zeitung vom 07. November 2002

Protest gegen Ruß aus Dieselfahrzeugen

Greenpeace-Aktivisten versperren die Zufahrt zur Daimler-Zentrale - Polizei räumt

Mehr als drei Stunden haben 40 Umweltschützer gestern die Zufahrten zur Daimler-Chrysler-Zentrale in Möhringen blockiert. Greenpeace forderte den Automobilkonzern auf, Dieselfahrzeuge mit Rußfiltern auszustatten.

Von Philipp Scheffbuch

Punkt neun Uhr fuhren gestern zwei Sattelschlepper vor den Haupteingang der Daimler-Chrysler-Hauptverwaltung in Möhringen. Binnen weniger Minuten wurden 26 Krankenbetten entladen und mit einer Kette am Tor des Haupteingangs befestigt. Die Umweltschützer legten sich in die Betten und zogen sich Atemschutzmasken über. Auf ausgerollten Transparenten stand zu lesen: "Dieselruß macht Krebs, Mercedes-Benz macht mit!" Greenpeace-Sprecher Christian Bussau forderte das Unternehmen auf, alle Diesel-Neuwagen mit Filtern auszustatten. "Citroën und Peugeot verwenden schon seit zwei Jahren hochwertige Rußfilter", so Bussau.

Mit der Protestaktion will Greenpeace den Druck auf Daimler-Chrysler erhöhen. "Wir haben mehrfach ohne Erfolg versucht, mit Daimler-Chrysler schriftlich in Kontakt zu treten", sagte Bussau. Man habe sich deshalb nun entschlossen, verschiedene Protestaktionen gegen den Automobilbauer zu veranstalten. Daimler-Chrysler beschränkte sich gestern auf eine knappe schriftliche Stellungnahme. Darin heißt es unter anderem: "Bei unseren Dieselmotoren gilt die Priorität der ausgewogenen Reduktion aller relevanten Emissionen und nicht nur der von Partikeln."

Die Polizei hat nach mehrmaliger Aufforderung in den Mittagsstunden die Zufahrt zur Konzernzentrale geräumt. Da einzelne Demonstranten festgekettet waren, musste zum Öffnen der Handschellen und Bügelschlösser die Feuerwehr gerufen werden. Die Umweltaktivisten wurden anschließend von den 60 Polizisten weggetragen. Die Polizei nahm ihre Personalien auf.

Daimler-Chrysler hat gegen die Teilnehmer inzwischen Strafanzeige wegen Nötigung gestellt. Polizei und Feuerwehr kündigten indes an, ihre Einsatzkosten gegenüber den Demonstranten geltend zu machen.

Für heute hat die Umweltschutzorganisation einen erneuten Auftritt in der Region angekündigt. In der Sindelfinger Fußgängerzone soll ein in Eigenarbeit nachgerüsteter Mercedes-Diesel präsentiert werden. Man erwäge auch Proteste in Wolfsburg und Rüsselsheim, hieß es bei den Umweltschützern.

Informationen zum Dieselrußproblem in Stuttgart im Internet unter http://www.stadtklima.de/stuttgart/s-luft/russ/

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© Steffen Honzera, Stuttgarter Zeitung
 

Die Krankenstation der Protestierer vor dem Haupteingang der Möhringer Konzernzentrale.

Unmittelbarer Zwang: Polizeibeamte führen einen Demonstranten ab.

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© Steffen Honzera, Stuttgarter Zeitung


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