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Stuttgarter Zeitung vom 04.08.2003 Werbung für DieselfilterGreenpeace sammelt Klagen gegen die AutoindustrieEin rosa Mercedes mit anmontierten Schweinsohren und -rüssel ist am Samstag auf dem Schlossplatz der Blickfang gewesen. Greenpeace macht Stimmung gegen Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter - und fordert die Bürger dazu auf, Strafanzeige gegen die Autokonzerne zu stellen. Hans Witte von Greenpeace Stuttgart ist zufrieden mit dem Ergebnis: Mehr als 50 Passanten haben bis zum Mittag die Vordrucke ausgefüllt, mit denen VW und Daimler-Chrysler angezeigt und juristisch unter Druck gesetzt werden sollen wegen fahrlässiger Körperverletzung durch ungefilterte Diesel-Rußteilchen. "Anzeige zu erstatten hat eine ganz andere Qualität als bloß eine Unterschriftenaktion zu unterstützen", sagt Witte. Günter Hubmann von Greenpeace Deutschland ist ebenfalls zufrieden: Er tourt seit zehn Tagen mit vier rosafarbenen Dieselautos durch Deutschland. Bis Anfang September will er 27 Städte besucht haben. Auf dem Schlossplatz macht er am 3. September nochmals Station. Der Grund: "Die Stadt hat uns diesmal verboten, hier drei Autos abzustellen." Neben den Mercedes sollten sich eigentlich noch zwei rosa "Dieselferkel", ein Smart und ein Lupo, gesellen. "Das wurde ohne Begründung abgelehnt - und so spät, dass ich nicht juristisch reagieren konnte", sagt Hubmann. Er versteht nicht, warum die Stadt ihn in seinen Augen so behindert. "Wir machen lediglich auf einen unglaublichen Missstand aufmerksam." Jedes Jahr würden in Deutschland 8500 Menschen an Lungenkrebs sterben, der durch ungefilterte Dieselabgase verursacht werde. "Das haben Untersuchungen des Umwelt- und Prognoseinstituts ergeben." Alle Parteien würden sich mittlerweile für Rußfilter stark machen. Die Technik sei vorhanden. "Nur die deutsche Autoindustrie weigert sich, ihre Dieselfahrzeuge serienmäßig damit auszustatten." Nur etwa 200 Euro pro Auto würde das die Hersteller kosten. "Das ist ein Bruchteil des Gewinns, der mit einem Neuwagen gemacht wird." Dass es anders geht, würden die großen französischen Hersteller zeigen: "Die bauen die Filter mittlerweile ein." Und Audi habe - das beweise ein internes Papier, das ihm vorliege - bereits einen Filter entwickelt. "Nur wollen die nicht als Erste damit auf den Markt gehen", vermutet er. Auf die Idee, die Autoindustrie mit Einzelklagen einzudecken, sei Greenpeace gekommen, als alle anderen Mittel ausgeschöpft schienen: "Wir haben als Verband geklagt, ohne Erfolg. Wir haben mit den Bundestags-fraktionen Gespräche geführt, zuletzt mit der SPD. Die ist zwar für die Filter, möchte aber die Autoindustrie nicht unter Druck setzen, bedauert lediglich ihr Verhalten." Das Gleiche gelte für die Bundesregierung. Hubmann ist zuversichtlich, dass die neue Kampagne erfolgreicher sein wird: "Wir haben schon mehr als 400 Klagen." Von Dirk P. Freitag
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