Presseerklärung vom 27. November 1996

Mercedes Benz: Kein guter Stern für's Klima!

Stuttgart, 27.11.1996: Greenpeace protestierte heute in Stuttgart gegen den anhaltend hohen, klimaschädlichen Spritverbrauch der von Mercedes Benz hergestellten Automodelle. Aktivisten der Umweltschutzorganisation erkletterten den Mercedes-Stern auf dem Verwaltungsgebäude im Stammwerk Untertürkheim. Auf dem weithin sichtbaren Mercedes-Symbol befestigten sie ein Transparent mit der Aufschrift "Kein guter Stern für's Klima"!

Die von Mercedes Benz hergestellten PKW haben den höchsten Verbrauch aller Serienautos in Deutschland: fast 12 Liter/100 km (11,6 Liter Benzinäquivalent). "Die Mercedes-Benz AG redet viel von Umweltschutz. Doch den Verbrauch aller Benz-Modelle so weit wie möglich zu senken, ist für sie offenbar kein Ziel", sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Dr. Oliver Worm.

Der Benzindurst der 1996 angebotenen PKW-Modelle des Stuttgarter Herstellers bewegt sich zwischen 8,4 und 16,4 Litern. Den Vorsätzen für mehr Umweltschutz widerspricht vor allem die S-Klasse: mit 14,6 Litern Durchschnittsverbrauch eine wahre ¨Saurier-Klasse". Mit weltweit lediglich 60.000 bis 80.000 verkauften Modellen pro Jahr ist die S-Klasse ein reines Prestige-Produkt, das zugleich Millionen an Forschungs- und Entwicklungsgeldern verschlingt. Geld, das sinnvoller bei der Produktion spritsparender Fahrzeuge eingesetzt wäre.

Mit dem Twingo SmILE - einem umgebauten Renault Twingo, der nur noch 3,3 statt 6,7 Liter Benzin verbraucht - hat Greenpeace beispielhaft gezeigt, daß heutige Serienmodelle ohne Einbußen bei Fahrleistung, Komfort und Sicherheit mit der Hälfte des Sprits auskommen könnten.

Auch das Benz-Management kennt diese auf die meisten Automodelle anwendbare Technik - ohne jedoch Konsequenzen für die Benz-Flotte zu ziehen. Statt dessen macht Mercedes aufwendig Werbung für die A-Klasse. Über deren Spritverbrauch schweigen sich die Automanager allerdings aus. Das günstigste Modell soll mehr als 4 Liter Diesel verbrauchen - das ist gleichbedeutend mit dem Kohlendioxid-Ausstoß eines Autos, das knapp 5 Liter Benzin auf 100 km verbraucht.

"Die A-Klasse als gewinnversprechender Vorstoß in die untere Mittelklasse soll die spritdurstige Benz-Flotte lediglich ergänzen, ohne den Absatz der überdimensionierten Benzinschlucker zu gefährden. Sie setzt beim Spritverbrauch keine neuen Maßstäbe, sondern ist in puncto Klimaschutz eher eine Alibi-Klasse. Und auch das «Swatch-Auto» von Benz ist für die Umwelt eher schädlich als nützlich, denn ein Zweisitzer für die Stadt führt nur zu noch mehr Autos", kritisiert Greenpeace-Sprecher Dr. Oliver Worm.

Greenpeace fordert von Mercedes-Benz die Einstellung der S-Klasse. Der Stuttgarter Hersteller muß endlich beim Klimaschutz eine Vorbildfunktion übernehmen. Zugleich fordert Greenpeace von der Bundesregierung und den Länderregierungen, auf die aus Steuergeldern bezahlten, klimaschädlichen Dienstwagen der S-Klasse zugunsten sparsamerer Modelle zu verzichten und so ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz zu setzen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 29.09.2000