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Stuttgarter Zeitung vom 28. November 1996 Greenpeace inszeniert aufsehenerregende Protestaktion Transparent am Mercedes-Stern entrolltSechs Demonstranten klettern auf die Untertürkheimer Zentrale - Abschaffung der S-Klasse gefordertMit einer außergewöhnlichen Aktion hat sich die Hamburger Umweltschutzorganisation Greenpeace zu Wort gemeldet. Unter dem Motto "Mercedes-Benz: Kein guter Stern fürs Klima!" protestierten zwei Greenpeace-Teams gegen den zu hohen und klimaschädlichen Verbrauch der Mercedes-Benz-Pkw. Die Geheimaktion war gut vorbereitet. Während die Vertreter der Medien an einem entfernten Ort versammelt wurden, machten sich zwei Aktivistengruppen auf den Weg ins Mercedes-Werksgelände in Untertürkheim. Um 11 Uhr begann das spektakuläre Sechs-Personen-Unternehmen, darunter war auch eine Frau. Durch unbewachte Zugänge erreichten sie das Mercedes-Hochhaus und kletterten über das dort angebrachte Gerüst auf das Dach des Gebäudes. In zirka 70 Meter Höhe stiegen zwei Greenpeace-Leute in den sich drehenden Stern und entrollten ein grünes Transparent. Nachdem der Mercedes-Werkschutz die Rotation des Firmenwahrzeichens abgestellt hatte, drehten die Demonstranten ihr Plakat mit Blick auf das Werksgelände. Zwei Aktivisten sicherten ihre Kollegen vom Fuß des Sterns aus, während sich zwei weitere Greenpeace-Mitarbeiter mit dem Mercedes-Werkschutz unterhielten, der diesem ungewöhnlichen Ereignis in einiger Entfernung gelassen gegenüberstand. Organisiert wurde die ganze Veranstaltung von der Greenpeace-Zentrale Deutschland in Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Sektion der Umweltschützer. "Wir möchten zwei Ziele erreichen", sagte Wolfgang Lohbeck, Umweltschutzexperte bei Greenpeace. "Wir fordern die Abschaffung der überflüssigen Mercedes-S-Klasse und gleichzeitige Reduzierung des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs der gesamten Pkw-Flotte von der E-Klasse bis zur neuen A-Klasse. Der aktuelle Wert von zwölf Liter Durchschnittsverbrauch ist eindeutig zuviel. Sechs Liter sind heute schon möglich", sagte Lohbeck, der an der Entwicklung des Smile-Umweltautos beteiligt war. Während der Aktion nahm Greenpeace Kontakt zur Mercedes-Benz-Öffentlichkeitsarbeit auf. Das Unternehmen erklärte sich sogleich zur Unterredung in der Firmenzentrale bereit. Dr. Detlev May, der die Demonstranten abholte, zeigte sich enttäuscht, daß Greenpeace wieder den öffentlichkeitswirksamen Weg des Protests gewählt habe, anstatt direkt mit den Mercedes-Leuten Kontakt aufzunehmen. "Wir hätten Sie auch so gerne empfangen. Sie hätten nicht den umständlichen Weg über das Dach nehmen müssen", sagte Wolfgang Inhester, zuständig für die Pkw-Pressearbeit. Die Vertreter von Greenpeace und Mercedes setzten sich anschließend in einem Expertengespräch über die Problematik von Kraftstoffverbrauch und CO2- Ausstoß auseinander. Die Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Annette Winkler, wies auf das Umweltengagement als Unternehmensziel der Firma hin. Man habe inzwischen engen Kontakt zu verschiedenen Umweltverbänden und fördere schon seit Jahren die Stiftung Europäisches Naturerbe. Die Demonstration war gegen 14 Uhr beendet, nachdem die ehrenamtlichen Greenpeace-Mitarbeiter drei Stunden lang für die Umwelt gefroren hatten. "Es war zwar ganz schön kalt in 70 Meter Höhe, aber wir hatten wenigstens einen prima Blick über Stuttgart", ließen die zweckmäßig verpackten und mit Karabinerhaken ausgerüsteten Freiwilligen wissen. mol
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