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Stuttgarter Nachrichten vom 18. Juli 1996 Großangelegtes Projekt der Greenpeace-Gruppe Stuttgart - 1000 sensible Pflanzen verteiltAusgereizt: Ozon schädigt TabakblätterSelbst geringe Reizgaskonzentration zeigt Wirkung - Hohe Rücklaufquote von 27 ProzentVon unserem Redaktionsmitglied Klaus Eichmüller Die Ozonkonzentration in der bodennahen Luft hat im bisher eher verhaltenen Sommer nur selten bei Menschen Hustenreiz ausgelöst. Doch das Reizgas hat bereits in kleinen Dosen schädigende Wirkung. Bei einem großen Ozonprojekt der Greenpeace-Gruppe Stuttgart dienten 1000 Tabakpflanzen als sensible Indikatoren. Die Aktivisten der Greenpeace-Gruppe Stuttgart wissen nicht recht ob sie, über den bisher recht unterkühlten Sommer eher glücklich sein sollen oder nicht. Denn das Ergebnis ihres Ozonprojekts ist durch die untypisch kühle Witterung besonders in der zweiten Junihälfte etwas beeinträchtigt worden. Statt der sonst jahreszeitlich üblichen Spitzenwerte die häufig jenseits der Grenze von 200 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Atemluft liegen, pendelten im Juni und Anfang Juli in Stuttgart die Tagesmittelwerte zwischen 20 und maximal 80 Mikrogramm. Gleichwohl konnte Greenpeace mit einfachen Mitteln zeigen, daß auch bei niedrigen Ozonbelastungen Organismen geschädigt werden. Vom 5. bis zum 20. Juni und in einer zweiten Periode bis zum 3. Juli hatte die Umweltschutzorganisation an 15 Informationsständen im Stadtgebiet 1000 Tabakpflanzen der Sorte Nicotiana tabacum Bel W3 verteilt. Dieses Gewächs, das eigentlich wegen seiner außergewöhnlich großen Blätter Deckhüllen für Zigarren liefern soll, besitzt eine bemerkenswerte Eigenschaft. Es reagiert sensibel auf Ozon. Selbst bei niedrigen Belastungen entstehen auf den Blättern auffallende Flecken. Stärkere Ozoneinwirkung kann sogar zur vollständigen Zerstörung der Blattstruktur führen. Mit der Mitarbeit der Stuttgarter und der Rücklaufquote von 27 Prozent für die erste Verteilungsperiode ist Greenpeace- Aktivistin Barbara Rodewyk sehr zufrieden. "Wir hatten eigentlich nur mit zehn Prozent gerechnet." 26 Prozent der untersuchten Pflanzen wiesen nach einem zweiwöchigen Beobachtungszeitraum schwache Ozonschädigungen auf, 44 Prozent waren mäßig, 30 Prozent stark geschädigt. "Das abgestorbene Zellgewebe zeigt den Versuchsteilnehmern eindrucksvoll die schädigende Wirkung von Ozonsmog", sagt Barbara Rodewyk. Das Ziel des Projekts sei damit erreicht worden. Zahlreiche Institutionen haben das Greenpeace-Projekt unterstützt. Das Amt für Umweltschutz der Stadt hat kostenlos 200 Tabakpflanzen zur Verfügung gestellt, die von der Stadtgärtnerei gezogen wurden. Die restlichen Pflanzen wurden in ungenutzten Gewächshäusern des Instituts für Botanik der Universität Hohenheim kultiviert. Aus den Resultaten des Ozon-Tabak- Versuchs leitet Greenpeace eine Reihe von Forderungen ab. Autofahrer sollten verstärkt auf das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Außerdem muß nach Ansicht der Umweltschützer der VVS ein 24-Stunden-Ticket und bei allen Veranstaltungen eine Kombikarte anbieten. Und in Bonn wird eine Verschärfung des Ozongesetzes angemahnt. Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 29.09.2000 |