Das Ozonprojekt 1996
Ozon im Blick - reizend für Mensch und Natur

Hintergrund
Immer wieder wird bei schönem Wetter das Thema Ozonsmog akut: viele Studien belegen, daß die Gesundheitsgefährdung besonders bei Kindern durch bodennahes Ozon - welches aufgrund von Autoabgasen bei Sonneneinstrahlung entsteht - weit höher ist, als bisher angenommen.

Ozon als Reizgas schädigt nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch den Menschen. Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder und Lungenkranke. Selbst "Gesunde" werden bei Ozonwerten über 180 µg/m³Luft vorsorglich aufgefordert, Sport und körperliche Anstrengungen im Freien zu vermeiden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hält einen Wert von 120 µg/m³ Luft für gerade noch zulässig.

Trotzdem werden präventive Maßnahmen wie Fahrverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen im Straßenverkehr und der Ausbau des ÖPNV von der Politik nur sehr zögerlich oder gleich gar nicht in Angriff genommen. Mit unserem Projekt wollten wir in der Bevölkerung die Einsicht in die Notwendigkeit solcher Maßnahmen fördern, damit Menschen ihr Mobilitätsverhalten ändern und statt des eigenen PKW Alternativen wie Bus, Bahn und Fahrrad nutzen.
Das Projekt

Um die Ozonbelastung in unserer Umwelt anschaulich und "sichtbar" zu machen, haben wir im Frühsommer 1996 bei Infoständen im gesamten Stuttgarter Stadtgebiet Tabakpflanzen an interessierte Bürger verteilt.

Diese spezielle Sorte (Nicotianum tabacum Bel W3) ist ein ausgezeichneter Bioindikator für Ozon, an dem sich sehr eindrucksvoll die schädigende Wirkung des Reizgases Ozon auf Pflanzengewebe beobachten läßt. An den Blättern bilden sich gelb-braune Flecken, die sich bei entsprechender Ozonbelastung vergrößern, bis schließlich das ganze Blatt braun wird.

 

Die Teilnehmer unserer Aktion wurden gebeten, ihre Beobachtungen regelmäßig auf einer Karte zu protokollieren und diese nach Ablauf einiger Wochen an uns zurückzuschicken. Bei etwas über 1.000 verteilten Pflanzen war die Rücklaufquote von über 25 Prozent erfreulich hoch.

Die Auswertung aller Rückmeldungen ergab eine Karte der Ozonbelastung des Stuttgarter Stadtgebiets. Iin Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung wurde die auswertung in zwei Beobachtungszeiträume unterteilt (05. - 20.06. und 21.06. - 03.07.). Leider hat sich der Sommer 1996 nur sehr zögerlich eingestellt. Die Sonneneinstrahlung war insbesondere im zweiten Beobachtungszeitraum sehr niedrig. Entsprechend niedrig blieb auch der Schädigungsgrad bei den Tabakpflanzen.
Auswertung

Für die Ozonbelastungskarte von Stuttgart (siehe besser größere Darstellung) wurden den Schadstufen verschiedene Farben zugeordnet:

 

Ozonbelastung in Stuttgart
© Greenpeace Gruppe Stuttgart

Schadstufen 1-2
Schadstufen 3-5
Schadstufe 6-7
  

Für Stuttgart ließen sich aus diesem Versuch natürlich keine signifikanten Unterschiede in der Ozonbelastung der einzelnen Stadtteile ablesen. Wir wollen an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, daß es sich bei unserem Projekt nicht um einen wissenschaftlich exakt auswertbaren Versuch gehandelt hat. Ein wissenschaftlicher Versuch erfordert standardisierte Bedingungen wie zum Beispiel die Anzucht der Tabakpflanzen unter gefilterter und ozonfreier Luft, geregelte Bewässerung und Abschattung der Pflanzen etc.

Für uns war es wichtig, den Mitmachern optisch zu zeigen, daß Ozon Zellen schädigt - bereits auch bei niedrigen Konzentrationen. Dies gilt für Pflanzen, aber auch für Menschen. Unter dem Motto "sehen - begreifen - handeln" regt das Projekt Sie vielleicht dazu an, öfters auf Ihr Auto zu verzichten. Im Interesse Ihrer Gesundheit und der unserer Kinder möchten wir Sie ermuntern, auf das Fahrrad oder Bus und Bahn umzusteigen.

Ergebnis
Unsere Ergebnisse präsentierten wir auf einer Pressekonferenz - siehe Zeitungsausschnitt der Stuttgarter Nachrichten. Die SDR1 Sendung "Heute im Gespräch" (Real Audio, 1:46 Minuten, 2 kB/s) berichtete über das Projekt und sendete eine Diskussion mit dem Greenpeace-Experten Karsten Smid (Real Audio, 37:40 Minuten, 2 kB/s). Wenn Sie den RealPlayer 8 (download für Windows 95/98; 9,8 MB) installiert haben, können sie sich die beiden Sendungsteile online anhören.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 06.03.2002