Stadtmagazin "Lift" vom Februar 2007

 

Greenpeace hat Stuttgartrs Köchen in die Pfannen geschaut: Darf's ein bischen Genfood sein?

Ölwechsel jetzt!

Stuttgart, gastronomische Insel, oder Gefahr durch Gen-Food auch auf schwäbischen Tellern? Bereits seit April 2004 müssen Gerichte, die Zutaten aus genmanipulierten Pflanzen enthalten, in der Speisekarte gekennzeichnet werden. Die Umweltorganisation Greenpeace befasst sich seit Jahren mit der Thematik. Als erste Ortsgruppe geht nun Greenpeace Stuttgart mit den Ergebnissen ihrer Recherche in Stuttgarter Gastronomiebetrieben an die Öffentlichkeit.

 


Foto: Lift

Mehr als 100 Restaurants, Imbissbuden und Kneipen hat die Ortsgruppe auf die Verwendung von genmanipulierten Speiseölen hin getestet. Die vorsichtige Entwarnung: die meisten Betriebe benutzen kein Gen-Öl, „allerdings ist es erschreckend, wie viele Gastronomen überhaupt nicht über das Thema informiert waren“, so Paul Sigloch, Gentechnikexperte der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. Laut Greenpeace stehen 70 Prozent der Bevölkerung Gen-Food nicht nur skeptisch gegenüber, sondern lehnen es rundweg ab.


Greenpeace hat sich bewusst für Speiseöle als Untersuchungsobjekt entschieden, finden diese doch in jeder Küche Verwendung. Während Restaurants mit mediterraner Ausrichtung größtenteils zum unbedenklichen Olivenöl greifen, spielt Sojaöl in der asiatischen Küche eine elementare Rolle. Dort wurden die Stuttgarter denn auch in neun Fällen fündig. In der Küche wohlgemerkt, nicht aber auf der Speisekarte, wo der Hinweis hätte stehen müssen. Bei Nichteinhaltung droht indes ein saftiges Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Vor die Wahl gestellt, die Speisekarten zu ändern oder auf gentechnikfreie Öle umzustellen, „entschieden sich die betroffenen Restaurantbetreiber spontan und aus eigenem Antrieb, auf Gentechnik zu verzichten“, so Sigloch. Sieben der betroffenen Betriebe haben bereits umgestellt, die anderen ziehen nach.

Auch der Asia-Wok im Stuttgarter Westen hat das Öl gewechselt. Stolz präsentieren sie den neuen Kanister. Und die Umstellung sei „gar kein Problem“ gewesen. Oft genug hören vor allem die kleineren Betriebe zum ersten Mal von der gar nicht mehr so neuen Verordnung. Im Gegensatz zu vielen Restaurants und Hotelküchen sind die meisten Imbisse nicht in einem Dachverband organisiert, der über Neuerungen in der Gesetzgebung informiert.

Auch Konrad Krammer vom Vegi Voodoo King in der Innenstadt wusste nichts von der Verordnung. Trotzdem wird in dem vegetarischen Imbiss, der täglich unzählige Portionen Falafel frittiert, streng auf Qualität geachtet. Genmanipuliertes Öl muss für die Kichererbsenbällchen draußen bleiben, obwohl Krammer ahnt, dass man beim Einkauf „höllisch aufpassen“ muss. Zwar weiß er genauso wenig wie jeder andere, welche gesundheitlichen Folgen der Verzehr von genmanipulierten Produkten zur Folge haben kann, aber eigentlich gehe es dabei „um viel mehr, zum Beispiel um Konzerne, die sich ein Recht auf Pflanzen sichern wollen“. Das wolle er „auf keinen Fall unterstützen“.

Auch in der Studentenkneipe „Wirtshaus Troll“ wandern täglich etliche Portionen „XXL-Pommes“ über den Tresen. Gen-Öl würde ihnen dabei niemals in die Friteuse kommen. Auch hier will man „den Image-Schaden keinesfalls riskieren“. Marco Grenz von der Alten Kanzlei ergänzt: „Wenn es bei den Gästen eine Rolle spielt, spielt es auch bei uns eine Rolle. Ich kann froh sein, einen Chefkoch zu haben, der über langjährige Erfahrung verfügt und immer hervorragend informiert ist.”

Die Stuttgarter Kampagne soll fortgesetzt werden, denn bisher ist erst der Anfang gemacht. Doch die Arbeit ist langwierig und zeitaufwändig. Gegen die Verwendung von Erzeugnissen aus genmanipulierten Pflanzen scheint nur ein Kraut gewachsen: kritisches Nachfragen. MELANIE MIEDLER

Alle bisherigen Ergebnisse der Recherche:
www.greenpeace-stuttgart.de/themen/landwirtschaft/2006-restaurant-liste.html


Die Gen-Kennzeichnungspflicht im Überblick

Was muss gekennzeichnet werden?
Seit April 2004 müssen alle gentechnisch veränderten Lebensmittel und Tierfutter gekennzeichnet werden, auch dann, wenn die fremde Erbsubstanz durch die Verarbeitung nicht mehr nachweisbar ist. Zudem schreibt die EU vor, dass jeder Lieferant seinem Käufer genau mitteilen muss, ob und welche Gen-Pflanzen in den Produkten enthalten sind. Wer zum Beispiel in seiner Imbissbude oder seinem Restaurant Sojaöl aus gentechnisch veränderten Sojabohnen verwendet, muss dies kennzeichnen.

Wie muss gekennzeichnet werden?
Lebensmittel müssen auf der Verpackung in der Zutatenliste oder der Fußnote zur Zutatenliste gekennzeichnet werden. Bei Verpackungen ohne Zutatenliste muss der Hinweis auf dem Etikett enthalten sein, unverpackte Ware muss mit einem Hinweis versehen werden. Besonders relevant ist die Regelung für Imbissbuden, Kantinen und Restaurants: Die Gäste müssen auf der Speisekarte über die Verwendung von Gen-Food informiert werden.


Greenpeace im Einsatz
© Flierl



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 02.07.2007