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Stuttgarter Zeitung vom 9. August 1999 Greenpeace: Grauzone bei GenlebensmittelnVerzicht auf veränderte Produkte in Supermärkten gefordertEnthält der Keks gentechnisch veränderte Zutaten? Finden sich in dem Puten-Cordon-bleu Spuren fremden Erbmaterials? Die Verbraucher im Supermarkt dürfen rätseln - trotz einer Kennzeichnungspflicht für "Genfood". Greenpeace prangert dies an. Von Achim Wörner Angemeldet waren die Umweltaktivisten nicht, die am Samstagmorgen einen Neukauf-Supermarkt der Edeka-Gruppe am Olgaeck stürmten - um die Kunden über Genlebensmittel aufzuklären. Schließlich sei Edeka eine jener Lebensmittelketten, die ihre Eigenmarken bisher nicht als gentechnikfrei deklariert habe, so der Sprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart, Matthias von Herrmann. Beim Aufklärungsmarsch durch die Regalreihen fällt den Ökokämpfern zunächst ein Kartoffel-Dinkel-Pulver in die Hände - "garantiert gentechnikfrei", wie die Greenpeace-Leute eingestehen. Auch die Milch im Kühlfach stammt von einem Hersteller, dessen Kühe offenbar einwandfreies Futter erhalten. Die Pizza, die nebenan aus der Truhe gezogen wird, ist ebenfalls "o.k.", wie von Herrmann befindet. Und bei vielen weiteren Markenartikeln, die beim Rundgang präsentiert werden, haben die Hersteller inzwischen ihren Verzicht auf im Erbmaterial veränderte Stoffe erklärt. Einige wenige Einkäufer haben sich inzwischen der mit grünen Westen ausgestatteten Gruppe angeschlossen und stellen ihnen Fragen. Doch selbst ein Maiskolben - gemeinhin das "klassische Beispiel" für den "Sündenfall" in der landwirtschaftlichen Produktion - trägt den Aufdruck "gentechnikfrei". Viel Wind also um nichts? Keineswegs, wie Greenpeace befindet. Bei einer ganzen Reihe an Lebensmitteln - von Bonbons über Cornflakes bis hin zu Fertigmenüs - bestehen nach Ansicht der Diplom-Chemikerin Heidrun Potthast begründete Zweifel, ob nicht doch gentechnisch veränderte Zutaten verwendet wurden: allesamt Artikel, die Greenpeace auf einer "grauen Liste" versammelt hat. Zwar müssen veränderte Lebensmittel seit 1998 in allen EU-Ländern gezeichnet sein. Dies gilt beispielsweise jedoch nicht für Zusatzstoffe. Und so bedeutet es nach Ansicht der Gentechnikexpertin nichts, wenn sich in dem exemplarisch durchforsteten Supermarkt am Olgaeck kein einziges Produkt mit einem entsprechenden Hinweis auf der Verpackung findet. Das passt zu einer unlängst von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in 80 Städten durchgeführten Untersuchung. Deren Vermutung: Bei "Genfood" werde häufig regelrechter "Etikettenschwindel" betrieben. Die Züchtung und Verbreitung von Pflanzen, die durch Eingriffe ins Erbgut gegen gewisse Krankheiten und Schädlinge resistent gemacht wurden, berge ungeahnte Gefahren, heißt es bei Greenpeace. Bei Menschen könne der Einsatz entsprechender Stoffe allergische Reaktionen auslösen. Deshalb müssten alle Supermarktketten wie jetzt schon Tengelmann oder Rewe ihre Läden für gentechnikfrei erklären, so die Forderung. Der stellvertretende Neukauf-Filialleiter Enrico Sorgatz indessen nahm den ungebetenen Besuch gelassen. "Wir haben nichts zu verbergen", sagte der Einzelhändler, "und bei den Kunden spielt das Thema bisher keine Rolle."
Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 03.08.2000 |