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Stuttgarter Zeitung vom 05. November 2001 Pappmaschee-Pute warnt vor DiätmarkeGreenpeace sammelt Unterschriften gegen Missstände bei der GeflügelproduktionMit einer großen Kunstpute, in deren Rücken eine lange Antibiotikumspritze steckt, hat am Samstag die Greenpeace-Gruppe Stuttgart in der Königstraße gegen die Massentierhaltung von Puten protestiert. Ihre Kritik gilt dem "Du darfst''-Hersteller Unilever. Von Christian Hannes Huster "So produziert ,Du darfst'", kommentierte ein Transparent am Greenpeace-Stand die Pappmaschee-Pute mit der Spritze im Rücken. Immer wieder blieben Passanten stehen, die bei Sonnenschein zahlreich durch die Königstraße strömten, um sich von den neun Umweltschützern beraten zu lassen. Von diesen erhielten sie auch Informationsbroschüren und Protest-Postkarten, die sie unterschreiben und an den Hamburger Nahrungsmittelkonzern Unilever schicken konnten. "Wenn Verbraucher wüssten, wie die ,Du darfst'-Puten gehalten werden, würden sie sofort keine Putenwurst mehr essen", sagte Marie-Luise Zeitler von der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. "Die Tiere stehen dicht an dicht in riesigen dreckigen Mastställen." Dadurch verbreiteten sich Infektionskrankheiten besonders schnell. Damit die Tiere die Mast überhaupt bis zum Schlachttermin durchhielten, würden sie nachweislich von den Unilever-Lieferanten mit Aspirin und Antibiotika gedopt. Greenpeace fordere von Unilever, kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung zu verarbeiten. Die Ursachen für die Erkrankungen der Puten lägen in der Enge des Stalls, der intensiven Fütterung und einer falschen Zucht. Die Tiere gehörten zu einer weit verbreiteten Putenrasse namens Big 6, deren Muskeln so stark wüchsen, dass sich die schwachen Gelenke und Knochen entzündeten. Die Verabreichung von Medikamenten sei die zwingende Folge. "Der massive Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung bewirkt, dass Bakterien dagegen widerstandfähig werden", stellte Zeitler weiter fest. Diese resistenten Bakterien könnten beim Fleischverzehr auf den Menschen übertragen werden. Lungenentzündungen oder Salmonellenerkrankungen könnten daher tödlich enden, wenn die normalerweise lebensrettenden Antibiotika nicht mehr wirkten. Durch die bundesweite Unterschriftenaktion wolle man Unilever dazu bewegen, den Puten mehr Luft und Bewegungsraum zu geben, sowie auf vorbeugende Antibiotika und genmanipuliertes Futter zu verzichten.
Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 06.11.2001 |