|
Presseerklärung vom 25. September 2004 Ferien für die Meere - Schutzgebiete jetzt!40 Prozent von Nord- und Ostsee müssen geschützt werden Stuttgart, 25.09.2004 - Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart protestiert am Samstag, den 25.09.2004 in der oberen Königstraße / Ecke Büchsenstraße für den dringend notwendigen Schutz von Nord- und Ostsee. Die Umweltschützer tragen Meerestier-Kostüme - verkleidet als Seerobbe, Rochen und Makrele protestieren sie unter dem Motto: „Ferien für die Meere - Schutzgebiete jetzt!“ Greenpeace fordert mindestens 40 Prozent von Nord- und Ostsee als Schutzgebiete auszuweisen. Der Grund: Viele Fischbestände sind stark überfischt und daher akut bedroht. Jahr für Jahr fließen mindestens 30.000 Tonnen Öl aus Schiffen und Bohrinseln in die Nordsee, die Ostsee muss mindestens 15.000 Tonnen Öl verkraften. In der Nordsee gibt es rund 500 Öl- und Gasplattformen, tausende Kilometer Pipelines sind verlegt. Hinzu kommt ein enormer Schiffsverkehr. Rund 160.000 Schiffe durchqueren die Deutsche Bucht pro Jahr. Durch die Ostsee fahren jährlich rund 90.000 Schiffe. Die Folge von all dem: Überfischung, Ölverschmutzung, sowie Müll- und Schadstoffeinträge. „Nord- und Ostsee sind zu Industriegebieten verkommen“, sagt der Meeresexperte der Greenpeace-Gruppe Stuttgart, Thorsten Peters. „Nur mit Hilfe von großflächigen Schutzgebieten ist die Arten- und Lebensraumvielfalt noch zu retten. In den vorgeschlagenen Gebieten müssen künftig alle zerstörerischen Aktivitäten, wie Grundschleppnetzfischerei oder Ölförderung verboten sein. Dadurch können sich die Fischbestände und die zerstörten Lebensräume wieder erholen. Nur so haben auch künftige Generationen von Fischern an Nord- und Ostseeküste eine Chance auf stabile Fischbestände.“ Während in den 50er Jahren noch Tunfische von bis zu drei Metern Länge in der Nordsee gefangen werden konnten und die Kabeljaunetze nach kurzer Zeit zum Bersten gefüllt waren, sind heute 75 Prozent der Speisefischarten überfischt oder kurz davor. Damit auch die letzten Fische in die Netze gehen, werden große Grundschleppnetze über den Meeresboden gezogen. An vielen Schleppnetzen hängen schwere Eisenketten, die die Fische in das Netz treiben sollen und dabei den Boden zerstören. Jährlich werden auf diese oder ähnliche Art 2,5 Millionen Tonnen Fische in der Nordsee gefangen, in der Ostsee sind es eine Million Tonnen. Dazu kommen pro Jahr noch einmal über 700.000 Tonnen mitgefangene Meerestiere, die verletzt oder tot über Bord geworfen. Dazu gehören Haie, Rochen und Kleinwale. Die Aktion der Greenpeace-Gruppe Stuttgart ist Teil der aktuellen europaweiten
Meereskampagne zum Schutz von Nord- und Ostsee. Greenpeace in Großbritannien,
Holland, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland arbeitet derzeit
für unsere Hausmeere. Außerdem ist das Greenpeace-Flaggschiff
Esperanza in Nord- und Ostsee unterwegs und dokumentiert den Zustand der
deutschen Hausmeere. |