Demeter stoppt Irreführung mit Fisch

Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hatte darauf hingewiesen, dass Fisch aus konventioneller Erzeugung als Demeter-Ware bezeichnet wurde.

Hintergrund

Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hat im Herbst 2005 das zweite Jahr in Folge recherchiert, wo man in Stuttgart welchen Bio-Fisch kaufen kann. Die Ergebnisse haben wir im Dezember 2005 bei einem Info-Stand und in unserer aktuellen Bio-Fisch-Liste veröffentlicht.

Bei unseren Recherchen stellten wir fest, dass in mehreren Bio-Läden Fisch aus konventioneller Erzeugung als Demeter-Ware bezeichnet wurde. Nachdem wir Demeter hierüber informiert hatten, nahm der Verband mit den Laden-Inhabern Kontakt auf und stoppte diese Praxis.


Logo des Bio-Fisch-Projekts
© Flierl

Irreführende Preisschilder

Wir hatten in mehreren Stuttgarter Bio-Geschäften irreführende Beschriftungen an Kühlregalen gefunden. Dort stand die Bezeichnung "Demeter" auf Preisschildern von Produkten der Marke "Wild Ocean", obwohl diese konventionellen Seefisch enthalten.

Nach unserer Ansicht wurde durch die Beschriftungen bei Kunden der falsche Eindruck erweckt, es handele sich um Bio-Fisch. Auch Demeter sah diese Gefahr und griff nach unserem Hinweis ein.


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Der Kabeljau, Schellfisch oder Seelachs der Marke "Wild Ocean" stammt nicht von Demeter selbst, sondern von einer "Demeter Felderzeugnisse GmbH ". Diese ist ein Vertragsnehmer von Demeter und vertreibt auch konventionellen Nicht-Bio-Fisch.

Für Verbraucher ist dieser Unterschied aber nicht erkennbar, denn sie setzen den Namen "Demeter" mit Bio-Produkten gleich und erwarten bei Fisch mit dieser Bezeichnung entsprechende Öko-Ware.


© Hermes


Demeter vertreibt jedoch gar keinen Seefisch, und der Verband hat nach eigenen Angaben auch keine Richtlinien für Meeres-Produkte. Außerdem darf laut Demeter-Kriterien kein wildgefangener Fisch als Demeter-Ware bezeichnet werden.

Trotz dieser strengen Demeter-Kriterien wurde unserem Testkunden in einem Bio-Laden sogar versichert, man könne wildgefangenen Seefisch in Demeter-Bio-Qualität liefern.


© Hermes

Irreführende Preislisten

Der Verkäufer nannte sogar gefährdete Arten wie Schwarzen Heilbutt und Dornhai (Schillerlocken). Als Beleg gab er unserem Testkunden eine Demeter-Preisliste von Jahr 2003 mit vermeintlichem Bio-Fisch.

Auch diese Preisliste ist irreführend. Wie das Foto zeigt, trägt die Liste auf der Vorderseite das Demeter-Logo. Beim Fisch-Angebot auf der Rückseite fehlt jedoch der Hinweis, dass diese Ware aus konventioneller Erzeugung ist.
(Sie können das Bild vergrößern, indem Sie darauf klicken. Die Pfeile wurden von uns zur Verdeutlichung angebracht. Zudem können Sie sich hier die vollständige Preisliste (PDF-Datei, 558 kB) ansehen.)


© Hermes


Um es zu betonen: Demeter trifft keine Schuld! Die von uns beanstandeten Irreführungen wurden nach unserem Hinweis von Demeter sofort gestoppt. Außerdem fanden wir nur irreführende Preisschilder mit dem Namen "Demeter", auf der Verpackung selbst ist der Fisch korrekt als konventionelle Ware ausgezeichnet.

Trotzdem sollten Sie als Verbraucher folgendes beachten: Bio-Fisch-Produkte müssen auf der Verpackung das Zeichen anerkannter Öko-Verbände (wie Demeter oder Naturland) tragen oder zumindest die geschützte Bezeichnung "Bio" oder "Öko". Einen Überblick über das Angebot an Bio-Fisch in Stuttgart bietet Ihnen unsere aktuelle Bio-Fisch-Liste. Wenn Sie ökologisch unbedenklichen Fisch suchen, können Sie sich auch im Greenpeace-Verbraucherführer "Fisch & Facts" informieren.

Ergebnis
Nachdem wir Demeter auf die beschriebenen Irreführungen hingewiesen hatten, erklärte uns ein Vertreter von Demeter Felderzeugnisse: "Dies ist weder von uns veranlasst noch in unserem Sinne. Wenn Sie uns mitteilen könnten, um welche Läden es sich handelt, werden wir dies mit den Inhabern sofort klären. Die Preisschilder werden von den Läden selbst erstellt. Wir selbst haben darauf keinen Einfluss. Wir deklarieren die Produkte weder als "Bio" und erst recht nicht als "Demeter". Auf diesen Produkte kürzen zudem unseren Firmennamen "D.-Felderzeugnisse GmbH" ab, um nicht indirekt "Demeter" oder "Demeter-Qualität" zu suggerieren. Ich könnte mir aber denken, dass die Läden nicht die Absicht hatten, diese Produkte so zu deklarieren, sondern dass es sich dabei um einen unglücklich gewählten Kürzel für den Lieferanten der Produkte handelt."

Download
Im aktuellen Flugblatt "Leere Meere - leere Teller" (PDF-Datei, 62 kB) finden Sie eine Liste mit Beispielen, welche Bio-Fisch-Produkte man in Stuttgart kaufen kann und wo man sie findet.
Im Verbraucherführer "Fisch & Facts" (PDF-Datei, 318 kB) können Sie nachlesen, welche Fischarten aus ökologischer Sicht als "akzeptabel", "kritisch" oder "katastrophal" einzuordnen sind.
In einem älteren "Fisch & Facts", der Rückseite des Fischführers 2003 (PDF-Datei, 235 kB), finden Sie Hintergrund-Informationen zu den Themen "Kabeljaukrise", "Tiefsee-Fischerei" und "Chemie im Fisch".
Unser Infoblatt "Die Meere: Zwischen Faszination und Ausbeutung" (PDF-Datei, 525 kB) benennt die Umweltprobleme in maritimen Öko-Systemen und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 13.02.2006