Stuttgarter Nachrichten vom 4. Oktober 2005

Raubbau in der Tiefsee

Greenpeace macht Front gegen Schleppnetze

von Michaela Schnabel



Greenpeace ruft Fischesser zur Mithilfe auf
Foto: Uli Kraufmann

Fisch, sagen die Ernährungswissenschaftler, sei eines der gesündesten Nahrungsmittel. Doch die Sache hat einen Haken: Der Fisch muss erst einmal gefangen werden - und dies geschieht oft mit brutalen Methoden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace protestierte am Samstag dagegen.
Weil die küstennahen Gewässer beinahe leer gefischt sind, dringen Fangflotten immer tiefer in nie zuvor erreichte Meeresregionen vor. Auf dem offenen Ozean, viele Meilen außerhalb der nationalen Gerichtsbarkeit, ziehen riesige schwimmende Fischfabriken Schleppnetze hinter sich her, deren Öffnungen groß wie Fußballfelder sind.
Die Netze sind mit tonnenschweren Eisenrollen ausgestattet, die über den Meeresboden schleifen und dort alles Leben auslöschen. Korallen, Muscheln und Fischlaich werden rücksichtslos zermalmt. "Das ist eine der brutalsten Fangmethoden", sagt Thorsten Peters von Greenpeace. "Was in tausenden von Jahren gewachsen ist, wird innerhalb weniger Minuten zerstört."
Seespinnen, Kraken und kleinere Fische, die in den weit gehend unerforschten Seebergen leben, geraten ebenfalls in die Fangnetze und werden später, meist tot, wieder über Bord geworfen. Greenpeace fordert von den Mitgliedstaaten der EU, deren Schiffe 60 Prozent der gesamten Fangmenge erzielen, ein sofortiges Verbot dieser Fischerei. Auf der Königstraße sammelten die Umweltschützer Unterschriften gegen die Zerstörung der Tiefsee. Verbraucher können eine umweltverträgliche Fischerei unterstützen, indem sie nur Fisch kaufen, der nicht so rücksichtslos gefangen wurde.

Weitere Informationen im Internet unter:
www.greenpeace-stuttgart.de



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 07.10.2005