Die Stuttgarter Fisch-Liste

Hintergrund

Laut Welternährungsorganisation (FAO) sind 57 Prozent der Speisefischbestände bis an die Grenze genutzt und 30 Prozent bereits überfischt oder erschöpft. Seit vielen Jahren werden diese Zahlen von der FAO regelmäßig in Summe nach oben korrigiert, was die wachsende Belastung der Fischbestände zeigt

"Die Stuttgarter Fisch-Liste": Verbraucher-Leitfaden für nachhaltigen Fischkauf

Was kann der einzelne Verbraucher gegen die Überfischung der Meere tun – ohne gleich ganz auf Fisch als schmackhaftes und gesundes Lebensmittel verzichten zu müssen? Fischliebhaber können ihren Bedarf mit nachhaltig produzierten Produkten decken und Fisch als hochwertiges Nahrungsmittel in geringerer Menge und dafür bewusster essen.
"Nachhaltig" bedeutet, dass einem Bestand nur soviel Fisch entnommen wird, wie nachwächst. Das kann durch gutes Fischereimanagement erreicht werden oder auch an der hohen Reproduktionsrate eines Bestands liegen. Um nachhaltig zu sein, darf auch die Fangmethode das Ökosystem nicht schädigen.
Doch welche Produkte sind nachhaltig und wo findet man sie?


© Kefrig/Greenpeace


Bereits seit 2005 recherchiert Greenpeace Stuttgart jedes Jahr nach ökologisch empfehlenswerten Fischprodukten in den Geschäften der Stadt - vom Bio-Laden bis zum Discounter.

Ergebnis der Recherche ist die neue "Stuttgarter Fisch-Liste 2013" (PDF-Datei, 1.1MB).



© Fischer
 

Die Liste liefert Verbrauchern eine beispielhafte Auswahl an nachhaltigen Fischprodukten und zeigt, wo diese angeboten werden. Dabei legen wir Wert auf eine möglichst breite Auswahl an Produkt- und Fischarten sowie an Läden, in denen diese gekauft werden können.

Die Bewertungen der Fisch-Liste richten sich nach den Angaben des jeweils aktuellen "Greenpeace Einkaufsratgeber Fisch". Dieser stuft die Bestände der gängigsten Speisefischarten nach ökologischen Kriterien ein, ohne aber wie die Stuttgarter Fisch-Liste konkrete Produkte zu nennen. Verbraucher können ihn benutzen, um direkt beim Einkauf im Laden weitere nachhaltige Produkte zu finden.
Leider kann Greenpeace nur noch wenige Fischarten ohne Einschränkungen empfehlen, wobei Fangmethode und wissenschaftliche Daten zur Bestandsgröße darüber entscheiden, ob sie noch gekauft werden sollten oder nicht.


Lesen Sie zur aktuellen Stuttgarter Fisch-Liste auch die Presseberichte des Stadtanzeigers/FilderExtra und der European News Agency.

Auf die Kennzeichnung kommt es an!

Um die richtige Wahl zu treffen, benötigt der Verbraucher Informationen über die Herkunft des Fisches und die Fangbedingungen: So ist die Fischart inklusive des lateinischen Namens eine wichtige Angabe, um festzustellen, um welchen Fisch es sich handelt. Damit kann zum Beispiel Atlantischer von Pazifischem Lachs unterschieden werden. Die Nennung des FAO-Fanggebiets ermöglicht es, den jeweiligen Bestand zu lokalisieren, aus dem der Fisch stammt. Auch die Listung der Fangmethode, wie zum Beispiel Schleppnetz oder Langleine ist wichtig, um empfehlenswerte von nicht vertretbaren Produkten unterscheiden zu können. Für Fisch aus Aquakultur sollten die entsprechenden Angaben wie Zuchtort und Aquakultur-Methode auf der Verpackung zu finden sein. Zusätzliche Informationen, wie der Name des Fangschiffes oder der Fangtag machen ein Produkt noch transparenter.


© Greenpeace

Fisch aus Aquakultur - ein Alternative?

Nachhaltigen Fisch gibt es aus Wildfang und aus Aquakultur. Fischzucht kann die Wildbestände in gewissem Maße entlasten, muss aber auch ökologisch verantwortungsvoll betrieben werden. Beispielsweise darf durch das Fischfutter – das häufig aus Fischmehl hergestellt wird – die Überfischung nicht auf andere Arten verlagert werden. Zudem muss für eine artgerechte Haltung der Tiere gesorgt sein und der Einsatz von Medikamenten beschränkt werden.

Eine Alternative zu konventioneller Zucht ist die Bio-Aquakultur. Diese Produkte sind am EU-Bio-Siegel und dem Siegel anerkannter Öko-Verbände erkennbar. Die Siegel stehen für die Einhaltung von bestimmten Kriterien bei der Zucht, über die man sich beim jeweiligen Verband informieren kann.
Bei Produkten aus Bio-Aquakultur findet sich auch oft einer der geschützte Begriffe "Bio" oder "Öko" dem Namen des Fisches zugeordnet. Unterschieden werden müssen diese Produkte von solchen, bei denen sich "Bio" oder "Öko" nur auf Beilagen beziehen, wie zum Beispiel die Panade von Fischstäbchen oder das Öl in Konserven, aber nicht auf den Fisch selbst.

Die Bio-Aquakultur hat zwar ökologische Vorteile gegenüber der konventionellen, die entsprechenden Produkte sind aber auch nicht pauschal zu empfehlen. Hilfe bei der Auswahl bietet auch in diesem Fall die Stuttgarter Fisch-Liste und der Greenpeace Einkaufsratgeber Fisch.

Generell gilt: Verbraucher sollten sich beim Fischkauf nicht von unklaren Herkunftsangaben oder Schein-Siegeln verwirren lassen. Fisch, der "kontrolliert" oder "traditionell" gefangen wurde, ist nicht unbedingt nachhaltig. Diese Begriffe sind nicht geschützt und bürgen somit nicht für die Einhaltung verlässlicher Nachhaltigkeits-Standards. Ein nachweislich "delfinfreundlicher Fang" mag zwar Delfine davor schützen, als Beifang zu enden, hilft aber nicht der dabei überfischten Art.

MSC – Marine Stewardship Council

Bei Wildfisch werden zunehmend Produkte mit dem Siegel des "Marine Stewardship Council" (MSC) im Handel angeboten. Während der Grundgedanke des MSC prin­zip­iell richtig ist, hat das Siegel zahlreiche Schwächen, so dass es aus Greenpeace-Sicht nicht uneingeschränkt empfehlenswert ist.

Überfischung - Ursachen und Lösungen


© Lee Hunter/Greenpeace
 

Eine Ursache der Überfischung sind zu große Fangmengen in der EU und weltweit. Empfehlungen der Wissenschaft, Fangquoten zu reduzieren und auf den Fang besonders bedrohter Arten ganz zu verzichten, werden von den Fischerei-Ministerien oft ignoriert.
Die Regierungen müssen handeln und eine nachhaltige Fischereipolitik umsetzen: Fangquoten und Fangflotten reduzieren und die Fischerei-Subventionen senken sowie Meeres-Schutzgebiete einrichten, in denen sich bedrohte Bestände regenerieren können.

Ein weiteres Problem sind zerstörerische und verschwenderische Fangmethoden. Grundschleppnetze pflügen den Meeresboden um und beschädigen wertvolle Korallen-Ökosysteme. Viele Fangmethoden bringen zu viel Beifang in die Netze. Zu kleine Fische oder ungewollte Arten gehen tot oder verletzt wieder über Bord. Aber auch andere Meereslebewesen enden als Beifang: viele Kleinwale, Haie oder Seevögel.
Schonende Fangmethoden sind hier die Lösung. Durch größere Maschen­weiten der Netze können beispielsweise Jungfische entkommen und den Erhalt des Bestands sichern.

Download
Unser Infoblatt "Der Mensch und das Meer" (PDF-Datei, 8,5 MB) benennt die Umweltprobleme in maritimen Öko-Systemen und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.
Das "Factsheet zur Reform der EU-Fischereipolitik" (PDF-Datei, 549 kB) gibt einen Überblick der aktuellen Diskussionen um eine nachhaltigere Fischereipolitik in der EU.


Webmaster, Greenpeace Stuttgart - letzte Änderung: 21.03.2013