Waljagd für Wissenschaft oder Wirtschaft?

Hinter angeblich "wissenschaftlicher" Waljagd stecken in Wahrheit wirtschaftliche Interessen

Hintergrund

Die japanische Waljagd-Flotte läuft jeden Winter ins Südpolarmeer aus, um dort hunderte Minkewale zu töten. Sogar extrem gefährdete Buckel- und Finnwale werden abgeschossen, obwohl diese Tiere wie Minkewale auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen.
Japan missachtet das von der Internationalen Walfang-Kommission (IWC) 1986 erlassene Waljagd-Verbot und das 1994 eingerichtete Walschutz-Gebiet im Südpolarmeer. Die Japaner begründen ihre Waljagd damit, dass sie für "wissenschaftliche" Zwecke notwendig sei.

"Wissenschaftliche" Waljagd

Japan beruft sich auf eine Ausnahmeregelung im Vertragswerk der Internationalen Walfang-Kommission, wonach die IWC-Mitglieder Großwale zu wissenschaftlichen Zwecken töten können. Allerdings hat die IWC die "wissenschaftlichen" Waljagd mehrfach als Vorwand für kommerzielle Waljagd verurteilt. Alle IWC-Mitgliedsstaaten wurden auffordert, wissenschaftliche Forschung ausschließlich mit nichttödlichen Methoden zu betreiben. Waljagd ist illegal!

Lesen Sie hierzu auch unser Flugblatt "Japanische Fangflotten auf der Jagd nach Walen" (PDF-Datei, 118 kB) und die Presseerklärung von Greenpeace Deutschland.

Wal in der Bratpfanne
© Flierl


Greenpeace protestiert bereits seit Jahrzehnten gegen die illegale Waljagd, die zurzeit nur noch von Japan, Island und Norwegen betrieben wird. Jedes Jahr behindert Greenpeace im Südpolarmeer die japanischen Waljäger und dokumentiert das Abschlachten.

So entstand im Dezember 2005 auch das Film-Dokument "Grausame Waljagd" (AVI-Datei, 8,9 MB), das die Brutalität der angeblich "wissenschaftlichen" Waljagd zeigt. Diese Bilder können für Betrachter seelisch belastend sein! Greenpeace hat sich trotzdem zur Veröffentlichung entschlossen, um für jeden anschaulich zu machen, wie Waljagd konkret aussieht.

Wirtschaftsgut Walfleisch

Dass die "wissenschaftlichen" Waljagd nur ein Vorwand ist zeigt sich auch daran, dass das Fleisch der Wale auf dem japanischen Delikatessenmarkt landet. Allein mit dem Fleischertrag der Fangsaison 2003/2004 konnte die Waljagd-Industrie umgerechnet rund 50 Millionen US-Dollar umsetzen. Auf dem Handelsweg bis zum japanischen Endverbraucher verdreifachen sich diese Preise sogar.

Mit dem Abschlachten von Walen lässt sich also viel Geld verdienen. Dabei wird aber übersehen, dass die Tourismus-Branche weltweit mit so genanntem Whale-Watching, also Boot-Safaris zur Walbeobachtung, bereits jetzt weitaus mehr verdient, als die Waljäger mit dem erbeuteten Fleisch. Anstatt Wale zu jagen, sollten daher weitere Schutzgebiete für sie ausgewiesen werden, um den lukrativen Wal-Tourismus zu fördern.

Wal im Reagenzglas
© Flierl


Neben der Waljagd werden Wale und Delfine auch durch viele andere Gefahren bedroht:
Durch die Überfischung der Weltmeere verlieren sie ihre Nahrungsgrundlage.
Jährlich ertrinken mehr als 300.000 Kleinwale als Beifang in Fischerei-Netzen.
In ihrer Fettschicht reichern sich Umweltgifte an, die Immunsystem und Fortpflanzung schädigen.
Darüber hinaus stört menschlicher Unterwasserlärm ihre Orientierung und macht sie krank.
Außerdem führt der Klimawandel zum Verlust der Lebensräume von Walen und Delfinen.

Greenpeace-Forderungen

Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Wale hat Greenpeace eine Reihe von Forderungen aufgestellt:
Japan, Norwegen und Island müssen sofort und endgültig ein Ende der Waljagd verkünden.
Das weltweite Handelsverbot für Wal-Produkte muss aufrecht erhalten werden.
Rund 40 Prozent der Meere müssen unter Schutz gestellt und weltweit müssen Walschutz-Gebiete eingerichtet werden.
Die Internationale Walfang-Kommission (IWC) muss sich von einer Walnutzungs- zu einer Walschutz-Organisation wandeln.

Walschutz-Gebiet
© Flierl


Download
In unserem Flugblatt "Japanische Fangflotten auf der Jagd nach Walen" (PDF-Datei, 118 kB) erläutern wir, welche Auswirkungen die "wissenschaftliche" Waljagd Japans auf die Meeressäuger hat.
Im Infoblatt "Wissenschaftliche Kritik an japanischem Walfang" (PDF-Datei, 26 kB) sind die Ergebnisse einer neuseeländischen Studie über "wissenschaftliche" Waljagd zusammengefasst.
Das Film-Dokument "Grausame Waljagd" (AVI-Datei, 8,9 MB) zeigt, wie brutal die "wissenschaftliche" Waljagd der Japaner ist. Diese Bilder können für Betrachter seelisch belastend sein!
In unserer bebilderten Broschüre "Wale - geliebt, bedroht, gejagt. Weltpark für Wale statt Fangquoten" (PDF-Datei, 1.760 kB) finden Sie ausführliche Hintergrund-Informationen über Walarten und Waljagd.
Das Greenpeace-Infoblatt "Die Meere: Zwischen Faszination und Ausbeutung" (PDF-Datei, 525 kB) benennt die Umweltprobleme in maritimen Öko-Systemen und zeigt Lösungsmöglichkeiten auf.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 03.06.2006