Presseerklärung vom 4. September 2008

Auch Fische brauchen Schutzgebiete!

Greenpeace-Gruppe Stuttgart sammelt Unterschriften für echte Meeresschutzgebiete in Nord- und Ostsee.

Stuttgart, 04.09.2008 – Mit einem Infostand und einer Mitmachaktion unterstützt die Greenpeace-Gruppe Stuttgart am Samstag, den 6. September 2008 ab 11 Uhr in der unteren Königstraße / Ecke Bolzstraße die Arbeit ihrer Kollegen auf der Nordsee. Dort schützen Greenpeace-Aktivisten mit tonnenschweren Natursteinen ein Gebiet in der Deutschen Bucht, das "Sylter Außenriff", vor der Zerstörung durch die Fischerei. Der Grund: Das Areal wird durch Schleppnetze sowie schwere Saugbagger für den Abbau von Sand und Kies bedroht, obwohl die Bundesregierung es als Naturschutzgebiet ausgewiesen hat. In Stuttgart bittet jetzt die örtliche Greenpeace-Gruppe die Bevölkerung um Hilfe: So viele Unterschriften wie möglich sollen gesammelt werden, um sie zu einem späteren Zeitpunkt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel überreichen zu können. Damit soll den Forderungen von Greenpeace Nachdruck verliehen werden.

"Wir müssen jetzt handeln, das Meer muss endlich geschützt werden", fordert Winfried Urner, Meere-Experte der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. "Die Fischer schaden sich mit ihren zerstörerischen Fangtechniken selbst. Wer heute alles wegfängt, wird morgen leere Netze haben." Besonders verheerend wirken sich Schleppnetze aus. Die Fischer ziehen sie über den Meeresgrund und durchpflügen damit den Boden. "Die Bundesregierung muss Fischerei, Sand- und Kiesabbau in den Schutzgebieten verbieten. Nur so lassen sich Arten und Lebensräume schützen. Nur so haben die Fischbestände eine Chance sich zu erholen," sagt Urner.

Das "Sylter Außenriff" ist eines der seltenen Steinriffe in der Nordsee. Die Steine ermöglichen vielfältiges Leben: Angefangen von Tieren, die auf ihnen festsitzen, über Fische, die zwischen ihnen Nahrung und Schutz finden, bis zu Schweinswalen, die vor allem zur Paarung und Geburt in das Schutzgebiet kommen. Während dieser kräftezehrenden Phase finden die in Europa am stärksten bedrohten Wale dort ausreichend Nahrung. Bedrohte Fischarten im "Sylter Außenriff" sind Finte und Flussneunauge. Intakte Schutzgebiete wirken wie eine Atempause für die Meere. Fischbestände können sich in Schutzgebieten erholen und Fischer künftig außerhalb dieser Gebiete wieder mehr Fisch fangen.

Deutschland hat sich wie die meisten Länder der Welt im Rahmen der Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) verpflichtet, den Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten und ein welt-weites Netzwerk von Schutzgebieten zu errichten. Zusätzlich muss Deutschland durch die Anfang 2008 verabschiedete Europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie einen "guten Umweltzustand" der Europäischen Meere bis zum Jahr 2020 erreichen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 06.09.2008