Stuttgarter Zeitung vom 3. April 2000

Greenpeace für Schutz der Wale

Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart hat am Samstag viele Bürger mit einer Informationsveranstaltung in der Königstraße in den April geschickt. Die Umweltschützer hatten gegen die "Initiative Pro Walfleisch" demonstriert.

Von Eberhard Renz

Diese angebliche Lobbyorganisation der norwegischen und japanischen Walfleischindustrie ist eine reine Erfindung. Bei den Walfleischproben handelte es sich um Räuchertofu. Die Protestaktion der Greenpeace-Gruppe Stuttgart gegen Walfang sowie die Unterschriftensammlung für den weltweiten Schutz der Wale aber waren kein Aprilscherz. "Entschuldigung, Sie haben gerade Walfleisch gegessen. Finden Sie das richtig?", fragten die Greenpeace-Leute Passanten, die von "Pro Walfleisch" kamen. "Warum denn auch nicht", sagte ein älterer Herr. "Sie wissen schon, dass diese Tiere drohen, ausgerottet zu werden?", konterte der Greenpeace-Mann. "Dann verzichte ich lieber darauf", antwortete der Passant. Die beiden Demonstrationsgruppen warfen sich sehr überzeugend ideologisches Handeln vor.

"Greenpeace hat sich die Wale doch nur ausgesucht, weil das große Tiere sind, mit denen man gut Politik machen kann. Gegen den Fischfang demonstrieren sie doch auch nicht", sagte ein Pro-Walfleisch-Mann. "Das ist ungeheuerlich, was die hier veranstalten. Das ist schon fast illegal", schimpften die Umweltschützer. Und auch trotz hartnäckigem Nachfragen ließen sie sich nicht locken. "Eine gute Marketing-Idee? Trauen Sie so etwas Greenpeace zu?" Einer besonders erbosten Frau verrieten sie ihren Scherz, und auch den vier Polizisten, die gerufen worden waren, offenbarten sie sich. Ansonsten fanden sie viele Opfer. Der Aprilscherz hat laut Greenpeace einen ernsten Hintergrund: Seit Jahren versuchen die Walfang-Nationen Norwegen und Japan, den Handel mit Walfleisch legalisieren zu lassen. Dies würde einen Anstieg des Walfangs bedeuten, da zum Beispiel Russland bereits Interesse an der Wiederaufnahme bekundet habe. Greenpeace sammelte auf der Königstraße in wenigen Stunden mehr als 800 Unterschriften für den Schutz der Wale. Der "Weltpark der Wale" soll sich nach Vorstellungen der Umweltschützer über alle Weltmeere erstrecken und die friedlichen Riesen so vor der Ausrottung retten.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 09.08.2000