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Seit Mitte der 70er Jahre kennen wir grafisches Papier aus Altpapier.
Seitdem wirft diese ökologische Papiervariante immer wieder
dieselben Fragen auf. Die Widerlegungen von Vorurteilen sind zum
Teil genauso alt und können nicht oft genug wiederholt werden:
- Droht der Recyclingkollaps, wenn zusätzliches
Altpapier für die Papierherstellung genutzt wird?
- Bewirkt der hohe Altpapiereinsatz, dass Förster
auf ihrem Schwachholz sitzen bleiben?
- Ist Recyclingpapier alterungsbeständig?
- Gefährdet Recyclingpapier die Gesundheit,
weil es Schadstoffe enthält?
- Bekommt man Augenschäden, wenn man zu viel
auf graues Papier schaut?
- Gibt es Papierstaus, vor allem bei doppelseitigen
Kopien, wenn man mit Recyclingpapier kopiert?
- Gibt es unsaubere, ausgefranste Druckbilder bei
Tintenstrahldrucken auf Recyclingpapier?
- Kann man Recyclingpapier auch für Laserdrucker
verwenden?
- Braucht man mehr Toner, wenn man Recyclingpapier
verwendet?
- Nimmt der Geräteverschleiß zu, oder
verschmutzen die Geräte, wenn man Recyclingpapier verwendet?
- Was tun, wenn Gerätetechniker bei Störungen
automatisch behaupten: "Es liegt am Recyclingpapier"?
- Ist das Ergebnis optisch genau so gut, wenn man
mit Recyclingpapier arbeitet?
- Wie sieht es z.B. beim Drucken von Broschüren
aus?
- Ist Recyclingpapier teurer als Frischfaserpapier?
- Schadet Recyclingpapier dem Firmenimage?
- Hat Recyclingpapier eine schlechtere Umweltbilanz
als Frischfaserpapier?
- Muss ich beim Einlegen von Recyclingpapier in
den Kopierer auf die Ober- und Unterseite und die Laufrichtung
achten?
Droht der Recyclingkollaps, wenn zusätzliches Altpapier
für die Papierherstellung genutzt wird?
Nein! - Experten kommen zu dem Ergebnis, dass auch bei verstärktem
Altpapiereinsatz die Qualitätseigenschaften des Rohstoffes
nicht beeinträchtigt werden. Gerade bei Büropapieren gibt
es noch viele Einsatzmöglichkeiten für Recyclingpapier.
Der Rohstoff dafür ist vorhanden, denn in Deutschland wird
mehr Altpapier gesammelt als verwertet. Der Anteil von Altpapier
an der Gesamtpapierproduktion beträgt 60%, an graphischen (d.h.
Druck-, Büro- und Presse-) Papieren nur 18%, bis zu 75% wären
möglich.
Bewirkt der hohe Altpapiereinsatz, dass Förster auf ihrem
Schwachholz sitzen bleiben?
Nein! - Heimisches Holz wird aus Kostengründen von anderen
Rohstoffen verdrängt. Eine Senkung des Altpapieranteils hätte
vermutlich nicht zur Folge, dass mehr Schwachholz verarbeitet würde.
Vielmehr würde verstärkt auf preisgünstige Industrieresthölzer
und Zellstoffimporte zurückgegriffen.
Ist Recyclingpapier alterungsbeständig?
Ja! - Gute Recyclingpapiere mit dem Qualitätssiegel "Blauer
Engel", die im neutralen Bereich geleimt sind, entsprechen
nach DIN 6738 der höchsten Lebensdauerklasse und erreichen
bei sachgemäßer Lagerung eine voraussichtliche Haltbarkeit
von mehreren hundert Jahren.
Gefährdet Recyclingpapier die Gesundheit, weil es Schadstoffe
enthält?
Nein! - Recyclingpapiere sind hygienisch einwandfrei. Bei ihrer
Herstellung werden sie in der Papiermaschine sehr hohen Temperaturen
ausgesetzt, die Keime abtöten und das Papier praktisch sterilisieren.
Alle Schadstoffe liegen weit unterhalb der erlaubten Grenzwerte.
Laut Empfehlung XXXVI des Bundesgesundheitsamtes sind Recyclingpapiere
sogar für die Verpackung von Lebensmitteln geeignet.
Bekommt man Augenschäden, wenn man zu viel auf graues
Papier schaut?
Nein, im Gegenteil! - Anwender bestätigen, daß beim Lesen
geringere Helligkeitsgrade bzw. der geringere Kontrast schwarzer
Schriftzeichen auf Recyclingpapier für das menschliche Auge
angenehmer und weniger ermüdend sind. Das Umweltbundesamt empfiehlt
für die meisten Anwendungsbereiche im Büro einen Weißgrad
um 60% als vollkommen ausreichend. Und heute ist Recyclingpapier
kaum noch als grau zu beschreiben.
Gibt es Papierstaus, besonders bei doppelseitigen Kopien, wenn
man mit Recyclingpapier kopiert?
Nein! - Schon 1981 schrieb die BAM (Bundesanstalt für Materialforschung
und -prüfung): "Störungsraten variieren zumeist
wesentlich stärker in Abhängigkeit von den verschiedenen
Kopiergeräten als zwischen den verwendeten Papierarten".
An modernen Geräten laufen hochwertige Recyclingpapiere (gekennzeichnet
mit dem blauen Engel) einwandfrei. Kommt es zu Störungen, sind
vielfach Bedienungsfehler die Ursache oder das Gerät muss gewartet
werden, wie z.B. ein Gesprächspartner der Commerzbank bestätigt.
In den befragten Unternehmen (Quelle: Diplomarbeit von Evelyn Schönheit)
wird viel doppelseitig kopiert, was mit Recyclingpapier keinerlei
Probleme bereitet. Allerdings sollte man beim Einlegen der Papiere
auf den Pfeil auf der Verpackung achten, der angibt, welche Papierseite
oben liegen soll. Auch Hochleistungsgeräte verarbeiten Recyclingpapier
laut Erfahrung der Anwender problemlos.
Gibt es unsaubere, ausgefranste Druckbilder bei Tintenstrahldrucke
auf Recyclingpapier?
Längst nicht mehr! - Jene Unternehmen, die mit Tintenstrahldruckern
arbeiten, äußern sich durchweg positiv zur Verwendung
von Recyclingpapier. Karstadt bestätigt, dass auch Farbdrucke
einwandfrei gelingen. Bei der Hamburg Mannheimer kam die EDV-Abteilung
nach Tests zu dem Ergebnis, dass das Recyclingpapier mit dem "Blauen
Engel" optimal für Tintenstrahldrucker sei, weil die Farbe
nicht verläuft.
Spezielle Inkjet-Papiere, wie sie früher empfohlen wurden,
sind nicht notwendig.
Läuft Recyclingpapier auch auf Laserdruckern?
Ja! - Auch hier belegen die Erfahrungen von Großunternehmen
(z.B. Bertelsmann, OBI..), dass es inzwischen keinerlei Probleme
mehr gibt.
Braucht man mehr Toner, wenn man Recyclingpapier verwendet?
Nein! - Die Papiersorte hat weder auf die Haftung des Toners noch
auf die Verbrauchsmenge einen wesentlichen Einfluß. Deutliche
Unterschiede sind nach Aussage der BAM vielmehr zwischen den verschiedenen
Typen der Kopiergeräte festzustellen. Dies bestätigen
nicht nur Großanwender, sondern auch Gerätehersteller.
Nimmt der Geräteverschleiß zu oder verschmutzen
die Geräte, wenn man Recyclingpapier verwendet?
Dieses Vorurtiel ist schon lange überholt! - Bei früheren
Recyclingpapieren gab es Verschmutzungen durch Staubentwicklung
(Abrieb). Seitdem wurde die Qualität jedoch kontinuierlich
verbessert. Für die Staubentwicklung ist in erster Linie der
Kantenschnitt der Papiere verantwortlich. Sind die Schnittkanten
nicht sauber, können sich aus den Papierrändern Fasern
lösen, wenn das Papier bei hohen Geschwindigkeiten die Geräte
durchläuft. Gute Papierhersteller wissen das und achten auf
exakte Schnittkanten. Im Februar 2001 hat die Papiertechnische Stiftung
die Staubentwicklung zweier Frischfaserpapiere (Markenprodukte)
mit der eines Recyclingpapiers (60er Weißgrad nach ISO) verglichen:
Das Recyclingpapier schnitt besser ab.
Auch in den Unternehmen ist der Geräteverschleiß durch
Einsatz von Sekundärfaserpapier nicht erhöht. Bei der
Hamburg Mannheimer haben sich die Probleme sogar verringert, was
das Unternehmen anhand eines "Bordbuches" feststellte.
Darin wird jeder Gerätestillstand vermerkt, der beispielsweise
beim Auswechseln von Verschleißteilen notwendig wird. Bei
keinem der Unternehmen fallen durch Verwendung von Recyclingpapier
erhöhte Wartungskosten an.
Was tun, wenn Gerätetechniker bei Störungen automatisch
behaupten: "Es liegt am Recyclingpapier"?
Anwender, die aus ihrer Erfahrung mit Recyclingpapier wissen, daß
es in der Regel problemlos läuft, bestehen auf eine neutrale
Einschätzung seitens der Servicetechniker. Sie berufen sich
auf die Zusicherung der Gerätehersteller, dass die Maschinen
Recyclingpapier verarbeiten können, verlangen einen kompetenten
Servicetechniker oder kündigen an, im Zweifelsfall die Wartungsverträge
zu kündigen, bzw. mit einem anderen Gerätehersteller zusammenzuarbeiten.
Meistens wird das Problem dann plötzlich rasch gelöst
- durch Gerätewartung oder -einstellung, Austausch von Verschleißteilen,
Beheben von Bedienungsfehlern etc.
Ist das Ergebnis optisch genau so gut, wenn man mit Recyclingpapier
arbeitet?
Ja! - So die BAM 1981. Nach ihren ausführlichen Prüfungen
bestand bezüglich der Lesbarkeit kein Unterschied zwischen
Recycling- und Frischfaserpapier. Auch die Unternehmensvertreter
beschreiben die Bildqualität der Kopien und Ausdrucke auf Recyclingpapier
als durchweg sehr gut. Bei mehrmaligen Tochterkopien baut jede Vorlage
gegenüber dem Original ab, das gilt aber ebenso für Primärfaserpapier.
Der geringere Kontrast des Recyclingpapiers wird durch entsprechende
Belichtungseinstellung berücksichtigt. Neuere Kopierer verfügen
über eine automatische Regulierung, die den dunkleren Hintergrund
als weiß definiert.
Wie sieht es z.B. beim Drucken von Broschüren aus?
Die Forschungsgesellschaft Druck e.V. (FOGRA) schrieb 1998, "dass
im direkten Vergleich von Papieren - hergestellt auf neuestem Stand
der Technik - kein Einfluß (...) von Altpapier auf die Bedruckbarkeit
von Papier zu erkennen ist". Entscheidend ist die richtige
Materialkombination, insbesondere die Abstimmung der Druckfarben
auf die Papiersorte.
Ist Recyclingpapier teurer als Frischfaserpapier?
Nein! - Hochwertige Recyclingpapiere sind in der Regel zwischen
5 und 15% günstiger als vergleichbare Frischfaserqualitäten,
sofern man die gleichen Einkaufsmengen zugrunde legt. Wenn allerdings
ein Kunde/Schreibwarenladen eine Palette (100.000 Blatt) Frischfaserpapier
bestellt, aber nur einen Karton Recyclingpapier, bekommt er bei
der geringen Menge natürlich keinen so guten Preis. Für
den Kunden wird das Recyclingpapier dann entsprechend teurer.
Schadet Recyclingpapier dem Firmenimage?
Ganz im Gegenteil! - Eine Firma kann sich als besonders innovativ
und nachhaltig wirtschaftend darstellen, wenn sie den gezielten
Einsatz von Recyclingpapier nach außen vertritt. Viele
Kunden reagieren darauf äußerst positiv. Entscheidend
ist, dassDesigner und Drucker Vorurteile ablegen und sich mit Kreativität
das besondere Erscheinungsbild von Recyclingpapier zunutze machen.
Hat Recyclingpapier eine schlechtere Umweltbilanz als Frischfaserpapier?
Nein! - Das Umweltbundesamt kommt in seiner umfassenden Ökobilanz
aus dem Jahr 2000 zu dem Ergebnis: "Es ist wesentlich umweltverträglicher,
grafische Papiere aus Altpapier herzustellen, als dafür frische
Fasern aus dem Rohstoff Holz zu benutzen". Energie- und
Wasserverbrauch sind deutlich niedriger, die Emissionen sinken,
der Wald wird geschont. Ein weiterer Vorteil der inländischen
Recyclingpapier-Erzeugung liegt in der verbrauchsnahen Produktion.
Dem Anwender stehen Recyclingpapiere verschiedener Weißgrade
zur Verfügung. Die niedrigere 60er Weiße ist aus Umweltsicht
vorzuziehen. Bei ihrer Herstellung können große Mengen
unterer Altpapiersorten (z.B.Haushaltssammelware) verwertet werden,
die den Großteil des Abfallaufkommens ausmachen.
Muss ich beim Einlegen von Recyclingpapier in den Kopierer
auf die Ober- und Unterseite und die Laufrichtung achten?
Ja! Dies gilt für alle Papiere egal ob aus Frischfaser oder
Altpapier hergestellt! Viele Papiersorten haben zwei verschiedene
Oberflächen. Deshalb unbedingt auf die Hinweise auf der Papierverpackung
achten. Der Pfeil mussnach oben zeigen.
Hintergrund: Während der Herstellung verliert die Papiermasse
an der aufliegenden Unterseite einen Teil der Füllstoffe zusammen
mit der herauslaufenden Feuchtigkeit. Sie ist also dort "rauher"
und kann später mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Beim Drucken kann
das dazu führen, dass sich das Papier wellt, wenn es auf dieser
Seite bedruckt wird.
Quelle: Von Evelyn Schönheit vorgelegte und vom Öko-Institut
und Naturschutzbund Nordrhein-Westfalen gemeinsam herausgegebene
Studie "Einsatz von Recyclingpapier im Bürobereich".
Die Studie enthält Praxiserfahrungen von diesen sechs Großunternehmen:
- AOK (München),
- Bertelsmann (Services Group),
- Commerzbank (Bielefeld),
- Hamburg-Mannheimer,
- Karstadt und
- Otto Versand,
Die Unternehmen verbrauchen im Bürobereich jährlich zwischen
3 und 75 Millionen Blatt Recyclingpapier und bezeugen: Es gibt keinen
Grund zur Beanstandung von Recyclingpapier.
Die komplette Studie können Sie über den Online-Bestellservice
des NABU Nordrhein-Westfalen per mail bequem anfordern: info@nabu-nrw.de
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